Bautechnik Intelligente Programme werten Daten aus

Schwäbisch Hall/München / Jürgen Stegmaier 14.11.2018
Der Haller Sebastian Kaluza hat in München das Unternehmen Abaut GmbH gegründet. Mit künstlicher Intelligenz soll die Effizienz an Baustellen erhöht werden. Um den Vorsprung zu halten, ist ein hohes Entwicklungstempo wichtig.

Master in Wirtschaftsingenieurwesen, Master in Wirtschaftsinformatik, Business School Grenoble Ecole de Management, berufliche Stationen bei Leonhard Weiss und Würth – Sebastian Kaluza hat mit seinen 32 Jahren erhebliches Wissen und Erfahrung angesammelt. Dieses bündelt er in einer Neugründung, die im August 2017 an den Start gegangen ist. Seine Abaut GmbH spezialisiert sich darauf, dass Baustellen durch künstliche Intelligenz besser organisiert werden können. Das spare Kosten, weil die Bauleiter mit einem Blick auf Laptop oder Smartphone erkennen, welche Abläufe verbessert werden können.

Sensoren und Kameras

Dazu werden Baumaschinen mit Sensoren und Kameras ausgestattet. So sollen Daten generiert werden. Ausgewertet werden diese von komplexen Programmen. Begriffe wie Internet of Things (Internet der Dinge) und Embedded Systems (eingebettete Einheiten) gehen Sebastian Kaluza leicht über die Lippen. „Unsere intelligenten Systeme automatisieren Prozesse und erzeugen bisher unbekanntes Wissen aus den gewonnenen Daten“, schreibt Abaut. Versprochen ist auch, dass durch den Gewinn bislang unbekannter Informationen und Erkenntnisse frühzeitig auf Ereignisse reagiert werden kann und Kostenvorteile erzeugt werden.

Wie stark ist die Konkurrenz im Feld der künstlichen Intelligenz der Bauindustrie? „Es gibt noch nichts Ähnliches“, sagt Sebastian Kaluza. Er geht davon aus, dass auch ein großer Konzern den Vorsprung, den die Abaut hat, so schnell nicht wird aufholen können. Das sei nicht nur eine Frage des Geldes. Künstlich neurale Netze lernen allein durch die Menge und Analyse neuer Daten. Und in dieser Hinsicht ist Abaut schon ein Stück voraus. „Je mehr Daten, desto besser sind die Algorithmen, die sich daraus entwickeln lassen. Das ist wie beim autonomen Fahren auch“, macht Sebastian Kaluza deutlich.

Programmierende Techniker

Wo ist der Haken? Es wird schwierig sein, genügend Fachkräfte zu finden. Schon jetzt zahle er die Studierenden, die für die Abaut arbeiten, besser, als es die großen Unternehmen tun. Techniker, die programmieren können, sind für Sebastian Kaluza besonders interessant.

Sebastian Kaluza macht deutlich, dass der Kapitalbedarf für seine Abaut GmbH erheblich ist. Das hängt auch damit zusammen, dass sich das Unternehmen, das bereits Umsätze generiert, nicht auf dem Erreichten ausruhen kann, sondern sich in hohem Tempo weiterentwickeln muss. Die künstlichen neuralen Netze entwickeln sich nur durch die Einspeisung immer neuer Daten. Dadurch entsteht das, was man in diesem Zusammenhang Intelligenz nennt. Geschwindigkeit in diesen Prozessen sei das A und O. Auf den Mobilfunkstandard 5 G wartet Abaut sehnsüchtig.

Gestartet ist Sebastian Kaluza mit seinen Ersparnissen, Gründerkapital gab es später von der Unternehmertum GmbH sowie vom European Investment Fonds. Bisher flossen um die 100.000 Euro in das Unternehmen. Um die Entwicklung im notwendigen Tempo auf Trab zu halten, wird zunächst einmal rund das Zehnfache nötig sein. „Wir könnten schon alleine existieren“, schätzt Kaluza. Doch die Umsätze reichen bislang nicht, um weiter Fahrt aufzunehmen. In den kommenden 18 Monaten benötigt das Unternehmen wohl einen hohen sechsstelligen Euro-Wert.

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Baustellen gab es im Oktober auf deutschen Autobahnen. Autofahrer hätten nichts dagegen, wenn die Abläufe beschleunigt werden, sodass sie früher wieder freie Fahrt haben.

Erfahrung bei Leonhard Weiss und Würth

Aufgewachsen ist Sebastian Kaluza in Schwäbisch Hall, geboren wurde er in Überlingen am Bodensee. Er ging in die Grundschule Gottwollshausen, sein Abitur machte er am Haller Wirtschaftsgymnasium. Den Sitz hat seine Abaut GmbH in München. Die Buchhaltung ist aber in Schwäbisch Hall angesiedelt. Seine Schwester Kerstin Schneider kümmert sich zusammen mit einer Steuerberaterin darum. Das junge Unternehmen hat 15 Mitarbeiter. Ein Großteil sind Studenten, im Wesentlichen von der Technischen Universität München.

Sebastian Kaluza ist viel unterwegs. Am Montag ging es von Schwäbisch Hall über Stuttgart nach Berlin. Gestern machte er sich auf den Weg nach Hamburg, dann fährt er wieder zurück nach München.

Vor wenigen Wochen gewann die Abaut GmbH einen europaweiten Start-up-Wettbewerb der Deutschen Bahn im Bereich „Construction Tech“. 90 andere Unternehmen hatten sich dafür beworben. „Das bedeutet, dass wir unsere Technologie nun auf Baustellen der Deutschen Bahn einsetzen und weiterentwickeln dürfen“, freut sich Kaluza über diesen bemerkenswerten Erfolg.

Start-ups mit einem vielversprechenden Geschäftsmodell geraten rasch in den Fokus finanzkräftiger Investoren. Das zeigt das Beispiel Delivery Hero. Der Online-Bestelldienst für Essen war 2015 mit einem bemerkenswerten Angebot konfrontiert: Das Berliner Internetunternehmen Rocket Internet bot eine halbe Milliarde Euro dafür, um von Delivery Hero in zwei Schritten einen Anteil von nicht einmal 40 Prozent zu übernehmen. So kam es dann auch. „Wir sind noch in einer sehr frühen Phase. Eine Übernahme ist für uns noch lange nicht in Sicht“, weißt Sebastian Kaluza (Foto) solche Überlegungen von sich. just

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