Schwäbisch Hall Puppe Inge darf nicht fehlen

Ein Teddy-Bär sitzt in einem roten Blechauto. Es scheint als blicke er verwundert auf die Besucher. Diese wiederum lesen interessiert die Beschreibung.
Ein Teddy-Bär sitzt in einem roten Blechauto. Es scheint als blicke er verwundert auf die Besucher. Diese wiederum lesen interessiert die Beschreibung. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 25.06.2018
Die  Ausstellung der Spielsachen aus der Sammlung Eugen Heckmann im Hällisch-Fränkischen Museum lässt Besucher nostalgisch träumen.

Nun verlassen meine Kinder das Haus“, hat Eugen Heckmann gesagt als Museumsleiter Armin Panter die für die Ausstellung gedachten Spielsachen abholte. Der Sammler kann sie ja jederzeit besuchen, schließlich ist es von der Sporersgasse, dem Wohn- und ehemaligen Geschäftshaus des Kaufmanns Heckmann bis zum Keckenturm nicht weit. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass es nun weniger Spielsachen im Haus gab“, erzählt Armin Panter bei der Ausstellungseröffnung den rund 70 Gästen.

Tatsächlich sind der Speicher und die erste Etage bei Heckmanns voll mit Stofftieren, Ritterburgen, Rollern und Reittieren, Puppen und deren Wohnstuben. Seine früheren Kunden haben Eugen Heckmann geholfen, seine Sammlung im Laufe von 50 Jahren zu vergrößern. Man kam ins Gespräch und irgendwann wussten die Bürger von der Leidenschaft des Mannes. Wenn sie dann zu ihm kamen und ein Spielzeug anboten, dann fragte Heckmann stets: „Gibt es eine Geschichte dazu?“ Viele schrieben ihm dann etwas auf,  Berührendes und Sachliches.

„Puppe Inge darf natürlich nicht fehlen“, bemerken Diana Kroll, Melanie Eberhardt und Elisabeth Meisel. Die Chefin und die Mitarbeiterinnen eines Haller Spielzeuggeschäftes wissen, dass dieses Model der Schildkrötpuppe in den 1930er Jahren die meist verkaufte Puppe aller Zeiten war. Lange stehen die drei unter einem seiltanzenden Teddybären. Auch andere Gäste kommen ins Schwärmen – und ins Kritisieren. „Kinder von heute haben einfach zu viele Spielsachen. Es gibt keine Wertschätzung mehr“, sind sich Walter Frank und Heinz Schüle einig. „Bei den Schildkrötpuppen musste man immer aufpassen, dass ihnen nicht der Kopf abbricht“, erinnert sich Maria Schüle. Beim Blick auf die Spielsachen werden Erinnerungen wach: Wie sich der Arm der Puppe anfühlte, der nur noch an einem Fädchen baumelte, wie der Herd der Puppenstube aufging, wie schwer sich so ein Tretroller fahren ließ.

Ein Elefant brummt. Ein kleines Mädchen zieht an der Leine und das Stofftier, ein Reit- und Fahrtier der Marke Steiff aus den 1960er Jahren, macht ein Geräusch. Der Museumsaufseher will gerade mahnen, da sagt Eugen Heckmann: „Lassen Sie nur, Spielzeug ist zum Anfassen da.“

Das meint auch Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Er sieht einen musealen Auftrag in der Ausstellung „Burgen, Zoos und Puppenstuben“. Früher seien Kinder durch Spielzeug an handwerkliches Tun herangeführt worden. Das fehle heute, im Zeitalter von Smartphone und Tablet. Er hofft, die Ausstellung bewirke etwas. „Aber sie richtet sich nicht nur an Kinder“, betont Pelgrim. Armin Panter versichert, dass Spielzeug laut Untersuchungen vor allem ältere Besucher anlocke. Wer weitere Spielsachen und Geschichten hat, darf sie gerne im HFM abgeben. „Wir haben noch ein Regal frei“, wirbt Museumsleiter Armin Panter um weitere Ausstellungsstücke.

Die Ausstellung geht bis September

Info  Die Sonderausstellung „Burgen, Zoos und Puppenstuben –  Spielzeug aus der Sammlung Eugen Heckmann“ ist bis Sonntag, 16. September, im Hällisch-Fränkischen Museum zu sehen. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Eintritt ist frei. sel

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