Engagement In Uganda mit TSV-Trikots

Vier Familien aus Braunsbach reisen nach Uganda und besuchen ein Waisenhaus, das sie seit Jahren mit der Organisation „Heart for children“ unterstützen.
Vier Familien aus Braunsbach reisen nach Uganda und besuchen ein Waisenhaus, das sie seit Jahren mit der Organisation „Heart for children“ unterstützen. © Foto: privat
Braunsbach / Sonja Alexa Schmitz 15.06.2018

Die kleine Hand greift ganz zart die große. Ein Blick aus dunkelbraunen Kinderaugen von unten in die blauen Augen von Barbara Meyer-Benz: „Can we be friends?“

Ganz schüchtern seien die Kinder gewesen, denen die Deutschen im Waisenhaus in Uganda begegnet sind. Zehn Tage waren die Braunsbacher vor Ort. Zarte und innige Kontakte haben sich in dieser Zeit entwickelt. Die Familien Meyer-Benz, Ehrmann, Bürkle und Kretzschmar, insgesamt 17 Personen, steigen in Deutschland in den Flieger. Das Waisenhaus unterstützen sie schon seit Jahren.

Urlaub mit Sinn

Es begann mit der Bekanntschaft des Heidenheimers Jakobus Richter, der als Referent, zum Beispiel bei Frauenfrühstücken, mehrmals in der Gegend war. Er ist einer der Gründer von „Kimbilio“, einer Art Internat für Waisen. Klaus Ehrmann fuhr vor rund zehn Jahren hin – Urlaub mit Sinn – und half bei der Errichtung der Gebäude. Zu seinem 50. Geburtstag bat er die Freunde um Spenden, statt Geschenke. Das Projekt ging im Bekanntenkreis rum. Alle zwei Jahre fährt Jakobus Richter mit der 5. und 6. Klasse drei Tage auf Safari, eine Art Klassenfahrt also. Er regte die Deutschen an, die mittlerweile auch Patenkinder im Waisenhaus haben, mitzufahren.

Mit doppelt so vielen Koffern wie Personen treten sie die Reise an. Ihre Mitbringsel sind: Bücher, die sie von Büchereien der Region gespendet bekamen, ausrangierte Trikots vom TSV Braunsbach und dem Crailsheimer Eleven Team Sport, Gummibärle und Gastgeschenke für die Lehrer. Außerdem 1500 Euro, die sie vom Gemeindefest der Kirchen Jungholzhausen/Orlach/Elzhausen überreichen konnten.

Uganda, wissen die Braunsbacher, ist ein sehr armes Land. Sehr viele Menschen leiden an Aids, jede vierte Frau ist erkrankt und Kinder können die Krankheit durchs Stillen übertragen bekommen. Kinder, die ihre Eltern verlieren, haben es in dem afrikanischen Land schwer.

Die Verwandtschaft schere sich nicht viel um das zusätzliche Kind, meist haben sie schon mit den eigenen zu viel zu tun. Da kommt es zum Beispiel vor, dass das Kind morgens zum Wasserholen geschickt wird, und wenn es wiederkommt, hat es das Frühstück verpasst.

In „Kimbilio“ gibt es immerhin drei Mahlzeiten, wenn auch täglich das Gleiche: zweimal am Tag Mais mit Bohnen und einer Art Kohl. Das Kind hat ein Bett und es bekommt eine passable Schulbildung. Vor allem aber hat es Bindungen zu wohlwollenden Menschen. Die 17 Deutschen sind drei Tage in der Schule. Die Kinder sind schüchtern. Erst nach einer Weile nähern sie sich den Deutschen, greifen plötzlich eine Hand und lassen sie dann nicht mehr los. Es sind stille Kinder, sie respektieren ihre Lehrer, sie beten jeden Abend und vergessen in ihrer täglichen Andacht auch nicht, den Deutschen immer wieder zu danken.

Ein Abend ist für die 12- und 13-Jährigen unvergesslich: Im Hotel, in dem die Deutschen wohnen, gibt es jeden Abend Buffet. Die Braunsbacher fragen an, ob man nicht mal für die Kinder, die in einer Baracke wohnen und den üblichen Maisbohnenbrei essen, ein Buffet aufbauen könne.

Mit großen Augen stehen die Kinder vor Spaghetti, Fleischbällchen und Tomatensoße und laden ihre Teller übervoll. Die Deutschen sitzen inmitten von ihnen. Sie erklären ihnen, wie man mit Messer und Gabel isst. Und nach dem Essen lassen sie sie auf ihren Smartphones spielen und Fotos machen.

„Ich war beschämt, wie wenig sie haben und damit zufrieden oder gar glücklich sind“, sagt Renate Kretzschmar. „Ich habe mich unwohl gefühlt, ihnen meine intakte Familie vorzustellen“, sagt Brigitte Ehrmann. „Wie die Kinder unsere Nähe gesucht haben, das hat mich sehr bewegt“, erinnert sich Barbara Meyer-Benz mit feuchten Augen. Susanne Bürkle zeigt ein Foto. Darauf ist der Rücken ihrer Tochter zu sehen, umarmt von dem kleinen dunklen Arm eines Waisenkindes. „Der lag dort die ganze Busfahrt über.“

Info Weitere Informationen zu dem Projekt unter www.heart4children.de.

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