Schwäbisch Hall In Melodiebögen eintauchen

Schwäbisch Hall / RALF SNURAWA 02.07.2013
Meditative Momente bestimmen das Konzert des Ensembles Alta Musica mit mittelalterlicher Musik genauso wie lebhafte Tanztöne. Die Ägidiuskirche

auf der Kleincomburg ist gut gefüllt.

Weite Melodiebögen, angefüllt mit Spannungen, die sich in Melismen entladen, und ein musikalisches In-sich-gehen lässt Sopranistin und Harfenistin Amy Green zum "Ave generosa"-Gesang der Hildegard von Bingen ertönen. Rainer Böhm, der Kopf des Quartetts, begleitet sie auf einem kleinen Carillon (Glockenspiel), wodurch meditative Momente entstehen.

Amy Green begleitet sich des Öfteren auf der Harfe selbst oder nutzt das Instrument für gleichbleibende Ostinato-Begleitungen. Ähnlich wird von Sopranistin Maria Dehli-Nestmann, Rainer Böhm und Dagmar Jaenicke, die Symphonia, eine Drehleier, genutzt.

Freier gehen Rainer Böhm und Dagmar Jaenicke auf ihren Blockflöten mit den Melodien um. Da kommt es zu ineinandergreifendem Wechselspiel, etwa in einer Estampie, einem instrumental vorgetragenen Tanzlied. Böhm setzt die Blockflöte auch im Wechselgesang mit Amy Greens Sopran zu "O clarissima mater" von Hildegard von Bingen ein, wodurch der Eindruck aufblühender Melodik verstärkt wird.

Green setzt ihre Stimme in der Höhe weich und sanft ein, schafft zarte Momente des Sich-verlierens in der Melodie. Das kommt besonders "Quia ergo femina" zugute, jenem Hildegard-Gesang über die Überwindung des Todes durch "eine lichte Jungfrau", oder dem Jungfrauen-Reigen "Favus distillans", zu dem sie ihre Stimme über Symphonia- und Glockenspiel-Tönen wunderbar schweifen lässt.

Maria Dehli-Nestmanns etwas durchdringendere Stimme unterstreicht dagegen hervorragend das Moment des Aufrichtens in "O frondens virga". Rainer Böhm und Dagmar Jaenicke duettieren und stützen die Gesänge durch ihre Blockflötenspiel, insofern sie nicht Carillon, Symphonia oder Saitentambourin spielen. Sehr schön spielen sie auch in rein instrumentalen Stücken wie einem Saltarello aus dem 14. Jahrhundert zusammen.

Zum Harfenostinato Greens werfen sich die beiden Flötisten die springenden Figuren zu und begeistern ihr Publikum durch federnde Akzentsetzungen. Entsprechend kräftig fällt angesichts dieses Interpretationskönnens der Beifall am Ende des Konzerts aus.