Duo In Klang gegossene Familiengeschichte

Pianist Chris Jarrett und Schlagzeuger Erwin Ditzner bedanken sich für den Applaus.
Pianist Chris Jarrett und Schlagzeuger Erwin Ditzner bedanken sich für den Applaus. © Foto: blo
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 17.03.2018

Ob den beiden nach einer guten Stunde Finger und Hände schmerzen? Immerhin vollführen Chris Jarrett am Piano und Perkussionist Erwin Ditzner im ersten der beiden Donnerstagskonzerte beim Jazz-Art-Festival harte Klangarbeit. Rund 150 Zuhörer lauschen den beiden Ausnahmekünstlern in der Hospitalkirche, während sie sich auf Forschungsreise in die weite Welt der Musik begeben.

Dort streifen sie nicht nur melodiöse Klanglandschaften, die Jarrett auf dem Flügel zu erzeugen vermag. Nein, in manchen Regionen geht es wild zu – mit Ditzners stürmischen Trommelwirbeln, Jarretts rasenden Tonfolgen, Klangbrechungen und lebhaften Improvisationen. Zugegeben, das ist zuweilen anstrengend. Doch es gibt auch viele erzählerische Passagen.

Spielvariante mit Schuhsohle

Erwin Ditzner arbeitet sich dabei kreativ an allerhand Trommeln und Becken ab. Immer wieder findet er neue Wege, die Rhythmen und Klänge zu variieren – indem er beispielsweise auch seine Schuhsohlen auf das Fell der Trommel legt und dabei leicht verrenkt weiterspielt.

Wie Ditzner ist auch Jarrett ein ausgesprochener Klangforscher. Die beiden Grenzgänger zwischen Jazz, Klassik und Neuer Musik loten lustvoll die Grenzen der Genres aus. Der 1956 in Pennsylvania geborene Pianist und Komponist Jarrett nutzt intensiv die ganze Spannbreite der Klaviertastatur: Mal weich, mal wild treibt er die Tonläufe in die Höhe, oder in die Tiefe.

Und nebenbei erfahren die Zuhörer auch etwas von Jarretts Familiengeschichte. Väterlicherseits lebten seine Vorfahren bis 1685 in Deutschland. Einer seiner Ahnen habe in der Hot Water Rebellion im 18. Jahrhundert in Pennsylvania gegen Steuern protestiert – „ein harmloser Bandit“, kommentiert Jarrett amüsiert. Die Geschichte inspiriert ihn zu Musik, zu der man sich den rebellierenden Jarrett-Verwandten gut vorstellen kann – impulsiv und aufwühlend.

Ob tranceartige Stimmungen oder treibende Rhythmen: Ditzner und Jarrett erweitern den Musikhorizont und ernten dafür kräftig Applaus.

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