Kunst In Hessental entsteht ein neues Wandgemälde

Der Künstler Koz Dos, der sich nicht von vorne fotografieren lässt, betrachtet die Wand auf dem Hessentaler Karl-Kurz-Areal, die er in den nächsten Tagen bemalen wird.
Der Künstler Koz Dos, der sich nicht von vorne fotografieren lässt, betrachtet die Wand auf dem Hessentaler Karl-Kurz-Areal, die er in den nächsten Tagen bemalen wird. © Foto: Stadt Hall/Ute Berger
Schwäbisch Hall / Monika Everling 04.07.2018
Der junge venezolanische Maler Koz Dos gestaltet eine Wand auf dem Karl-Kurz-Areal in Hessental. An Street Art liebt er, dass die Werke auch Menschen erreichen, die sonst wenig Kontakt zu Kunst haben.

Koz Dos, das ist nicht mein Name, sondern der für meine Arbeiten. Nur sie sind wichtig, nicht meine Person. Die Wörter Koz Dos haben keine Bedeutung, sie haben sich einfach als Schriftzug aus Graffiti entwickelt.“ Das sagt ein junger Mann, der nicht viel mehr von sich verrät, als dass er aus Venezuela stammt und in Italien wohnt. Im Internet findet man seine Vita, die doch ein paar mehr Informationen enthält: Koz Dos ist 1986 geboren und in Caracas/Venezuela aufgewachsen. Dort hat er zunächst Informatik studiert („aber das ist nicht wichtig“), später absolvierte er ein Malerei-Studium.

Vorgestern ist er spät am Abend in Schwäbisch Hall angekommen, und schon morgen, Donnerstag, soll das Kunstwerk, das er schaffen will, offiziell eingeweiht werden. Dann wird es sicher nicht fertig sein, aber das war vom Heidelberger Metropolink-Street-Art-Festival, zu dem die Kunstaktion gehört, von vorneherein so geplant. „Man kann dann den Entstehungsprozess ein bisschen begleiten“, sagt die Haller Kulturbeauftragte Ute-Christine Berger. Im vergangenen Jahr hat sich die Stadt Hall erstmals am Metropolink-Festival beteiligt, damals hat Sam3 ein großes Gemälde am Karl-Kurz-Haus gegenüber dem Hessentaler Bahnhof geschaffen.

Von Koz Dos kann man erwarten, dass sein Bild, das ganz in der Nähe sein wird, einen starken Kontrast dazu bildet. Denn während das Sam3-Werk fast schwarz-weiß ist, liebt Koz Dos kräftige Farben. Er hat schon vor einiger Zeit einen Entwurf für das Haller Gemälde gemacht, aber der ist jetzt in einem Koffer, der auf der Reise von Los Angeles nach Hall verloren gegangen ist. „Natürlich habe ich den Entwurf auch noch im Kopf. Unabhängig davon halte ich mich nicht strikt an meine Entwürfe. Wenn man vor der Wand steht, ist es immer anders als auf dem Papier.“

Im laufenden Jahr sind bisher sechs seiner großformatigen Bilder in fünf Ländern entstanden. Von Hall aus wird es dann weitergehen nach Murcia in der spanischen Region Alicante. Da trifft es sich gut, dass Koz Dos auf die Frage, was er mag, „Reisen, Entdeckungen machen, Menschen kennenlernen“ antwortet.

Seine Frau reist mit ihm, und sie assistiert ihm beim Malen. Aber auch ihr Name wird nicht verraten, Auf die Frage, ob die Anonymität damit zu tun hat, dass er, wie viele Street-Art-Künstler, mit illegalen Graffiti angefangen hat, sagt er: „Nein, das ist heute nicht mehr relevant. Wichtig ist nur, dass ich mit kleinen Graffiti angefangen habe und heute in vielen Ländern große Bilder machen darf. Ich bin dem Metropolink-Festival und der Stadt Hall sehr dankbar für diese Möglichkeit.“ Obwohl er viele Aufträge bekommt, ist es nicht leicht, von der Kunst zu leben, gibt er zu. Er teilt die Anforderungen, die seine Arbeit an ihn stellt, in zwei Kategorien ein: Organisation und Inspiration.

Seine Motive sind neben geometrischen Formen vor allem Menschen und Tiere. „Mir ist wichtig, dass es normale Menschen sind, keine Prominenten. Ich finde, man sollte mehr auf die normalen Menschen hören, auf die Themen, die für sie wichtig sind. Ich spreche Leute auf der Straße an, ob sie einverstanden sind, als Bildmotiv zu wirken, dann fotografiere ich sie und schließlich male ich sie.“ Da er aus Venezuela kommt, haben seine Porträts deutlich lateinamerikanische Züge.

„Mir ist es eine starke Motivation, die Bilder dorthin zu bringen, wo Menschen sind, die wenig mit Kunst in Berührung kommen. Die Wand, die ich gestalte, ist für die Leute hier, auch für die Kinder. Ich selber ziehe weiter. Ich werde das Bild vielleicht nie mehr im Original sehen. Das ist ein großer Unterschied zu Ausstellungen und Museen.“

Aber Museen mag er auch. Ob er Zeit haben wird, die Haller Museen und überhaupt die Innenstadt zu besuchen, hängt davon ab, wie er mit dem Malen vorwärts kommt. „Das ist kaum vorherzusagen. Das Bild kann nach zwei Tagen fertig sein oder auch erst nach zehn. Da spielt vor allem das Wetter eine Rolle, aber auch das Material. Erst kommt das Bild, dann die Freizeit.“

Der Künstler und das Festival

Koz Dos wurde 1986 in Caracas/Venezuel geboren und ist dort auch aufgewachsen. Er hat schon als Schüler Graffiti gemacht, zunächst illegal, und studierte später Malerei. Seine Wandgemälde sind fotorealistisch und farbintensiv. Die Motive sind meist Tiere und Menschen, im Hintergrund geometrische Muster. Er ist vor allem in Europa und Amerika aktiv. Koz Dos arbeitet mit seiner Frau zusammen. Das Paar hat seinen Wohnsitz in Süditalien.

Das Metropolink-Festival hat sein Zentrum in Heidelberg. Die Haller Wand bildet die Festival-Eröffnung. Weitere Gemälde sowie ein ganzes Künstlerdorf entstehen in Heidelberg, St.-Leon-Rot und Walldorf.

Die Vernissage in der Haller Karl-Kurz-Straße 46 ist morgen, Donnerstag. Ab 19 Uhr gibt es Musik und Bewirtung, um 20.30 Uhr begrüßt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim die Gäste und Festivalleiter Pascal Baumgärtner hält eine Einführungsrede. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung in der Halle statt, bei gutem im Freien.

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