Unternehmen Immer weniger machen den Chef

Katrin Meiller aus Gaildorf baut ihr Unternehmen auf.
Katrin Meiller aus Gaildorf baut ihr Unternehmen auf. © Foto: Foto: just
Landkreis Hall / Heribert Lohr 03.08.2018
Die Zahl an Firmenneugründungen geht zurück. Lediglich in Heilbronn ist Gründungsintensität hoch. Der Landkreis Schwäbisch Hall ist das Schlusslicht in der Region Heilbronn-Franken.

Das Phänomen ist in unregelmäßigen Abständen zu beobachten. Wenn die Wirtschaft in Gänze gut läuft, nimmt der Drang zu Selbstständigkeit ab. Dass weniger jüngere Menschen wirtschaftlich ihr eigener Herr sein wollen, hat aber auch etwas mit den demografischen Veränderungen zu tun. In der Region Heilbronn-Franken wurden im vergangenen Jahr 5071 Unternehmen neu gegründet. Nach Angaben des Statistischen Landesamts sind das 2,8 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Das ist allerdings noch kein Grund zur Besorgnis, denn den Gründungen stehen insgesamt nur 4715 Aufgaben gegenüber. Ein Rückgang von 3,7 Prozent. Die Bilanz: Der Bestand an Unternehmen in den fünf Landkreisen der Region ist per saldo gestiegen.

Gründung im Nebenerwerb

Richtet sich der Blick auf die Betriebsgründungen, die allein aufgrund der Zahl ihrer Beschäftigten oder der Rechtsform eine größere wirtschaftliche Substanz vermuten lassen, sieht es anders aus. Denn hier fiel das Minus mit  3,35 Prozent auf 1098 Firmen doch etwas kräftiger aus als noch in den Jahren zuvor.

In der Summe bewegt sich das Gründergeschehen in der Region etwas unterhalb des Landeswerts (minus 2,86 Prozent) und deutlich unter dem Bundesschnitt (minus 0,6 Prozent). Lediglich das Oberzentrum macht hier eine Ausnahme. In der Stadt Heilbronn entwickelt sich die Gründerszene derzeit gegenläufig, dort stand am Ende ein Plus von 2,5 Prozent. In allen anderen Landkreisen der Region war die Entwicklung dagegen rückläufig.
Der stärkste Rückgang ist mit 9,2 Prozent und 1159 Unternehmen bei den Kleingründungen zu verzeichnen. Das sind Firmen, die nicht in der Handwerksrolle oder im Handelsregister eingetragen sind und keine sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten haben. Unternehmersein als Zweitjob war dagegen gefragt. So stiegen die Nebenerwerbsgründungen zuletzt leicht um 0,4 Prozent (2814 Betriebe). Drei von vier Firmen wurden als Einzelunternehmen gegründet. Elf Prozent der Gründer entschieden sich für die Kapitalgesellschaft der GmbH. Bei den Wirtschaftszweigen  liegen die Dienstleister mit 40 Prozent aller Gewerbeanmeldungen klar an der Spitze. Rund ein Fünftel der neuen Unternehmen stellt das produzierende Gewerbe. Der Einzelhandel kommt in etwa auf die gleiche Größenordnung

Gründen ist das eine, den Betrieb erhalten das andere. Vier von fünf Betrieben sind nach fünf Jahren nicht mehr am Markt. So wurden im Gastgewerbe in 2017 zehn Prozent mehr Unternehmen abgemeldet als angemeldet. Auch im Einzelhandel ist der Saldo negativ. Immer mehr Mitbürger ausländischer Herkunft entschließen sich zu einem Leben als Unternehmer. Immerhin jeder vierte Gründer hat keinen deutschen Pass.

Auch die Frauen sind im hohenlohisch-fränkischen Raum zunehmend „ihr eigener Herr“. Schon mehr als jedes dritte Einzelunternehmen wird von einer Gründerin angemeldet. Die Ursache dafür ist in Teilen der guten konjunkturellen positiven Entwicklung geschuldet. „Gerade in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels und geringer Arbeitslosigkeit sehen viele potenzielle Gründer in einer Anstellung die interessantere Option“, sagt Christina Nahr-Ettl, Referentin Existenzgründung, Geschäftsbereich Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Heilbronn-Franken, „und die Arbeitslosigkeit liegt bei uns auch deutlich unter dem Schnitt.“

Demografie zeigt Wirkung

Daneben hinterlässt offenbar auch die Demografie ihre Spuren. Die als besonders gründungsaktiv geltenden Jahrgänge zwischen 25 und 45 Jahren „schrumpfen“ perspektivisch. In der Folge finden sich auch entsprechend weniger Menschen in dieser Alterskohorte, die sich für das Unternehmersein entscheiden. „Generell“, erklärt Christina Nahr Ettl mit Blick auf längerfristige Gegebenheiten, „sind in ländlichen Regionen die Gründungsaktivitäten stets etwas geringer.“

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Firmengründungen kommen in Baden-Württemberg auf 10 000 Einwohner. In der Stadt Heilbronn sind es derzeit 20. Ein absoluter Spitzenwert. Der Landkreis Heilbronn und der Hohenlohekreis liegen mit zwölf Gründungen nahe am Landesdurchschnitt. Der Main-Tauber-Kreis meldet zehn Gründungen. Der Landkreis Schwäbisch Hall stellt mit neun Gründungen das Schlusslicht.

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