Jubiläum Dünsbacher Kräuter-Stammtisch wird zehn

Waltraud Zink mit Basilikum und Gewürztagetes.
Waltraud Zink mit Basilikum und Gewürztagetes. © Foto: Birgit Trinkle
Dünsbach / Birgit Trinkle 06.07.2018
Zu Feier organisiert der Stammtisch der Kräuterpädagogen ein Kräutertreffen.

Gabriele Gläßer war 53 Jahre alt, als sie fand, ihr Leben werde fad „wie ein dreimal aufgegossener Teebeutel“. Nichts Neues lernen, nichts Neues erfahren, sie war zu jung, sich so alt zu fühlen. Das Angebot der Kräuterkunde in der Gundermannschule erinnerte sie an ihren Großvater, der sie als Kind an die Hand genommen hatte  und mit ihr durch Fluren und Wälder marschiert war. Der ihr beigebracht hatte, was man essen kann und wie Blumen schmecken. „Dieser Schatz hat mich mein Leben lang begleitet.“ Die  Entscheidung, Kräuterpädagogin zu werden, sich mit heimischen wildwachsenden Pflanzen zu beschäftigen, fiel ihr deshalb vor zehn Jahren leicht.

Ihr Leben hat sich geändert seit ihr bewusst ist, was die Natur zu geben hat: Sie spricht von altem Wissen, das verloren gegangen ist, und das zu vermitteln und weiterzutragen schöne Aufgabe sei. Seit sie die Ausbildung in Kupferzell abgeschlossen hat, bietet sie Kurse und Führungen an, und jetzt ist sie eine Initiatorin des Kräutertreffens am Sonntag im Blockhaus zur Winterhöhe, das in erster Linie ein kleines Jubiläum ist.

Ein Fest zum Zehnjährigen

Der vor zehn Jahren gegründete Kräuterstammtisch ist so eine Art Klassentreffen. Alle Mitglieder wurden in der Gundermannschule ausgebildet, alle brachten Vorkenntnisse mit. Gastgeberin Waltraud Zink war Landwirtin, die zeitlebens gern und viel auf dem Feld und im Garten gearbeitet hatte. Unter Kräutern stellte sie sich zunächst etwas ganz anderes vor: Dass sie sich in der Ausbildung mit dem Zeug beschäftigen sollte, das sie sonst immer gejätet hatte, war schon eine Überraschung, erinnert sie sich und lacht. Heute liebt sie es, mit dem „Unkraut“ zu kochen und zu backen. Knusprige Brennnesselchips, grüne Spätzle mit Gorgonzolasoße und Basilikum, Kräuterpizza, grüner Marmorkuchen mit Vogelmiere und Erdbeersahne mit Waldmeister, aber auch ein mit Käse und Kräutern gefülltes Schweineschnitzel: Wenn sie von den Dingen erzählt, die sie ihren Gästen vorsetzt, ist das schon sehr verlockend. Sie ist mit Blick auf Volksheilkunde und überliefertes Wissen überzeugt, dass sich mit Löwenzahn, Scharbockskraut, Gänseblümchen, Giersch und Co. dem Menschen viel Gutes tun lässt.

„Wildkräuter und Wildfrüchte wachsen auf Böden, die sie sich selbst aussuchen; sie produzieren Inhaltsstoffe, mit denen sie sich selbst vor Fressfeinden oder auch vor der Sonne schützen und die gleichzeitig dem Menschen guttun“, sagt auch Gläßer. Sie rät dazu, Kulturgemüse, das auf immer stärker belasteten Böden wachse, durch Wildkräuter zu ergänzen. Das vor allem ist am Sonntag Thema.

Info Im „Blockhaus zur Winterhöhe“ im Gerabronner Teilort Dünsbach laden die Familie Zink und die Kräuterpädagogen am Sonntag zum Kräutertreffen ein. Bewirtet wird unter anderem mit Kräuterflammkuchen und grüner Bratwurst, es gibt ein kleines Markttreiben und Workshops, in denen Filzarbeiten, Kräutersalz, Kräuterseifen, Kräuterkarten und Spitzwegerichsalbe hergestellt werden.

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