Analyse Im Solpark votieren fast ein Drittel der Wähler für die AfD

Harry Aller räumt auf. Die Werkhofmitarbeiter sammelt die Wahlurnen aus dem Rathaus ein.
Harry Aller räumt auf. Die Werkhofmitarbeiter sammelt die Wahlurnen aus dem Rathaus ein. © Foto: xxx
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 26.09.2017
Die Bundestagswahl spaltet Schwäbisch Hall: In Teilen der Altstadt liegen die Grünen an erster Stelle. Die CDU kann in den Dörfern auftrumpfen.

Wer in einem der ehemaligen Kasernengebäude im Solpark wohnt, geht im Zimmer 104 im Schulhaus wählen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sein Kreuz bei der AfD macht, ist so hoch wie sonst nirgends in Hall. Die Alternative für Deutschland erreichte dort 28,4 Prozent der Zweitstimmen. Die Christdemokraten erreichen in der „AfD-Hochburg“ gerade einmal 23,6 Prozent der Zweitstimmen. Auch SPD (13,3 Prozent), Grüne (11,3 Prozent) und FDP (8,8 Prozent) liegen in Hessental unter ihrem Ergebnis fürs gesamte Stadtgebiet von Schwäbisch Hall. Einzig die Linke, die potenzielle Protestpartei am anderen Rand, kann in dem Wahlbezirk der Extreme im Solpark punkten: Mit 11,9 Prozent liegt die Partei weit über dem Schnitt für Hall.

Ökos in der Innenstadt

Ganz anders sieht es unten im Tal aus. Wer in einem der mittelalterlichen Häuser auf der rechten Seite des Kochers lebt, setzt sein Kreuz mit erhöhter Wahrscheinlichkeit bei den Grünen. Die Ökopartei mit Option auf Regierungsbeteiligung erreicht 26,7 Prozent der Stimmen im Wahllokal im Rathaus und liegt damit weit vor allen anderen Parteien. Die Linke feiert dort mit 15,7 Prozent einen großen Erfolg. CDU (21,9 Prozent), AfD (5,4 Prozent) und SPD (14,3 Prozent) liegen in Halls Innenstadt weit hinter ihrem Potenzial an anderen Orten. Die FDP schneidet mit 10,6 Prozent im Stimmbezirk Rathaus unterdurchschnittlich ab. Die V-Partei der Vegetarier und Veganer erzielt mit 1,5 Prozent der Stimmen in der Innenstadt am rechten Kocherufer ihr höchstes Ergebnis, „Die Partei“ kommt auf 1,3 Prozent, die Piraten auf 0,3 Prozent.

In der Katharinenvorstadt und rund um den Bahnhof macht die CDU keinen Stich und erreicht gerade einmal 20,6 Prozent. In den Dörfern (Sittenhardt, Gailenkirchen, Sulzdorf) kann sie dagegen ihre traditionellen Wählerschichten motivieren, liegt dort zwischen 30 und 40 Prozent. Des einen Glück, des anderen Pech:  In vielen Teilorten muss die SPD Federn lassen.

Hochburg der FDP ist in Hall Eltershofen. Dort erzielen die Liberalen 15,8 Prozent der Stimmen. Am schlechtesten schneiden sie im Teurershof mit 8,1 Prozent der Zweitstimmen ab.

Betrachtet man das gesamte Stadtgebiet mit seinen 29 Stimmbezirken und vier Briefwahleinheiten, erkennt man: Die CDU (29,8 Prozent) schneidet in Hall um 3 Prozentpunkte schlechter ab als im Bund. SPD (17,6 Prozent) und Grüne (17,3 Prozent) liegen fast gleichauf. Die Sozialdemokraten erreichen dabei nicht den Bundesschnitt, der drei Prozentpunkte höher liegt. Die Grünen in Hall sind hingegen doppelt so gut wie im  Rest der Republik. Die Ergebnisse von AfD (12,3  Prozent), FDP (11,2 Prozent) und der Linken (7,6 Prozent) liegen mehr oder weniger im Bundestrend.

Die Wählerwanderungen sind für Hall nicht dokumentiert. Aus den Zahlen kann man Trends vermuten. So hat die CDU im Vergleich zur Wahl 2013 rund 10 Prozentpunkte verloren, die SPD erhält 5 Prozentpunkte weniger. Zulegen können in Hall die AfD um 8 Prozentpunkte, die Liberalen klettern um 4,5, die Linke um knapp 2 und die Grünen um 2,5 Prozentpunkte.