Hotellerie Im Döttinger Schloss zieht ein neuer Geist ein

Braunsbach / Elisabeth Schweikert 13.06.2018
Familie Dumler investiert vier Millionen Euro in die Erweiterung des Schloss Hotels Döttingen. Ein Wellness-Bereich und neue Zimmer ergänzen das Angebot.

Einen bedeutenden Schritt nach vorne geht die Familie Dumler ab August: Sie investiert vier Millionen Euro in einen Neubau  mit zehn Zimmern und Suiten ((320 Quadratmeter), in eine Tiefgarage sowie in einen Wellnessbereich. Zudem sollen weitere Zimmer  und das Restaurant renoviert werden. Angedacht ist eine Umgestaltung und neue Möblierung. Auch die Küche und die Büroräume werden umgebaut. Der Wellnessbereich mit einer Fläche von circa 500 Quadratmetern umfasst einen Pool, hochwertige Saunen sowie einen Ruhebereich.  Weil die Flächen rund ums Hauptgebäude begrenzt sind, wird die Wellnesslandschaft in den südlich gelegenen Berg gebaut, berichtet Küchenmeister Josef Dumler.

Schwierige Planungen

Er und seine Frau Brigitte, die Hotelmeisterin ist,  sowie die beiden Töchter freuen sich auf den Ausbau, sagen alle übereinstimmend. Dieser schafft auch Arbeitsplätze: Aktuell arbeiten rund zwölf Mitarbeiter im Haus, nach der Erweiterung sollen es 25 bis 30 sein. Die Planung für das Haus war nicht einfach, berichtet Architekt Wilhelm Kraft. Das Denkmalamt habe zahlreiche Vorgaben gemacht. Erst nach langwierigen Verhandlungen habe man einem abgespeckten Entwurf zugestimmt.

Anstoß für die Erweiterung gab der Entschluss der Töchter, in den Betrieb einzusteigen. Alexandra Dumler (25) hat Hotelmanagement studiert und Erfahrungen bei den Lindner Hotels gesammelt. Und Viktoria Dumler (24) hat sich einen Master in Unternehmensführung erarbeitet. Die beiden Frauen sehen dank des Neubaus gute Perspektiven für  das Haus.

Das Hotel Schloss Döttingen ist mit drei Sternen und dem Zusatz „Superior“ klassifiziert. Doch faktisch, so erklärt Josef Dumler, biete das Haus den Komfort von vier Sternen. Dass die Familie tiefstapelt, hat Gründe: „Wir wollen bodenständig sein – so sind wir auch selbst“, erläutert  Alexandra Dumler das Selbstverständnis. Die Familie wolle lieber „ein kleines, feines und ruhiges“ Haus führen. Hinzu komme die Überlegung, so Josef Dumler, dass beispielsweise Radfahrer, die auf dem Kocher-Jagst-Radweg unterwegs sind, bei einer höheren Klassifizierung das Haus gar nicht mehr ansteuern würden. Dabei habe das Hotel auch eine Auswahl an preiswerten Zimmern.

Der Betrieb des Hotels ruht auf mehreren Standbeinen. „Wir haben viele Tagungsgäste“, sagt der Hotelier. Aus den Großräumen Stuttgart, Nürnberg, Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe kommen Firmen. Einerseits können sie in der ruhigen und naturnahen Lage im Kochertal konzentriert arbeiten, andererseits in der Umgebung kulturelle Events besuchen. „Wir haben ja so viel, was man anschauen kann. Es ist eine tolle Gegend hier“, ergänzt Alexandra Dumler. In Kooperation mit der Haller Firma Adventours bietet das Hotel zudem organisierte Outdoor-Trainings für Team- und Führungskräfteentwicklung an. Weiteres Standbein sind Familienfeiern, Hochzeiten, Urlauber. Auch von Fahrrad- und Motorradtouristen werde das Haus gerne angesteuert. Diese unterschiedlichen Angebote sind möglich, weil das Unternehmen in den vergangenen Jahren einige Nebengebäude erworben und umgebaut hat.

Neues Image

Während der Planungen für den Neubau hat sich die Familie Gedanken gemacht, wie sie auf charmante Weise sichtbar machen kann, dass sich die Gäste in einem Schloss aufhalten. Herausgekommen sind neue Bezeichnungen für die Angebote und Dienstleistungen. Die Mitarbeiter sollen  beispielsweise als dienstbare Schlossgeister auftreten. Und Freigeister unter den Gästen können aus der Sparte Eventgeist Angebote wählen, die sie begeistern.

Wasserburg wurde zum Schlosshotel

Geschichte Döttingen war früher ein zentraler Punkt in der Region. Dort kreuzten  sich die Straßen Kupferzell-Gerabronn und Hall-Künzelsau. Bereits um 700 nach Christus befand sich in Döttingen ein Zentgericht (Schöffengericht) unter Leitung des Grafen von Rothenburg-Comburg, das unter einer Linde tagte.

Schloss Die erste Erwähnung der Wasserburg, des heutigen Schlosshotels, datiert auf das Jahr 1225. Im 18. und 19. Jahrhundert war in Döttingen die erste Raststation der Ochsentrecks, die nach Frankreich getrieben wurden.

Hotel 1836 ging das Schloss in Privatbesitz über. Die heutigen Hoteliers begannen 1961 mit einer Pension. Kontinuierlich wurde das Anwesen aus- und umgebaut. Jetzt steigt die dritte Generation ein.  sel

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