Schwäbisch Hall/ Gaildorf Im Mittelpunkt steht der Mensch

Madelaine Pregizer absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Tagesförderstätte in Gaildorf. Sie unterstützt ihre Schützlinge in der Wohngruppe, wo sie kann, zum Beispiel beim Mahlen der Kaffeebohnen.
Madelaine Pregizer absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Tagesförderstätte in Gaildorf. Sie unterstützt ihre Schützlinge in der Wohngruppe, wo sie kann, zum Beispiel beim Mahlen der Kaffeebohnen. © Foto: Brigitte Hofmann
Schwäbisch Hall/ Gaildorf / Brigitte Hofmann 29.08.2018
Madelaine Pregizer aus Unterrot ist überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Anfang September beginnt sie mit der Ausbildung zur Heilerziehungsassistentin im Sonnenhof in Hall.

Die Kaffeepause ist zu Ende. Madelaine Pregizer (16) trocknet die Tassen ab, Alex stellt sie in den Schrank. Gleich drei junge Männer mit Vornamen Alexander gibt es in ihrer Gruppe in der Sonnenhof-Außenstelle Gaildorf. Und während Stefanie in einem Katalog blättert, ruhen sich Bianca und Armin in der gemütlichen Sitzecke aus.

Sie waren zuvor unterwegs, um Altglas zum Container zu bringen. Alex und Jani machen sich derweil an der Werkbank zu schaffen. In die Holzplatte ist eine Kaffeemühle eingebaut, die gemahlenes Pulver fürs ganze Haus liefert. Die Kurbel ganz schnell zu drehen, macht besonders viel Spaß. Auch Wertstoffe aus Kabelresten zu ziehen, ist eine interessante Aufgabe.

Alle jungen Erwachsenen, die hier betreut und gefördert werden, sind auf Unterstützung angewiesen. Madelaines Aufgabe ist es, sie durch den Tag zu begleiten. Es ist die letzte Woche ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in Gaildorf. Am 3. September beginnt sie mit der zweijährigen Ausbildung zur Heilerziehungsassistentin im Sonnenhof in Schwäbisch Hall.

Etwas Soziales soll es sein

Gegen Ende ihrer Schulzeit wusste Madelaine nicht so recht, in welche Richtung sie beruflich gehen wollte. In kaufmännische und soziale Bereiche hatte sie hineingeschnuppert. Schließlich folgte sie dem Rat ihrer Mutter, die auch im Sonnenhof arbeitet. Den Hauptschulabschluss in der Tasche, bewarb sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr.

An jedem Tag erlebe sie Neues, erzählt die 16-Jährige. Um 7.30 Uhr beginnt ihr Arbeitstag. Zuerst wird gelüftet, dann gefrühstückt, ein Morgenkreis gebildet, der Tagesablauf festgelegt. Manchmal werden Geschichten vorgelesen oder Lieder gesungen. Zur Abwechslung wird gekocht, eingekauft, eine Runde gelaufen, auf dem Mini-Trampolin gehüpft, aufs Schlagzeug geklopft, Musik im Radio gehört, gearbeitet und nachmittags gibt’s immer einen Kaffeeklatsch. Auch Angelina Horny aus Oberrot ist mit Begeisterung und Freude bei der Sache. Sie arbeitet als Ferienhelferin in Madelaines Gruppe. Auch sie hat ein FSJ im Sonnenhof absolviert, dann eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht und jetzt will sie studieren.

Keine Berührungsängste

Madelaine weiß, dass viele sich scheuen, mit Menschen mit Behinderung in Berührung zu kommen, geschweige denn in einer solchen Einrichtung zu arbeiten. Sie selbst habe keine Berührungsängste. Allerdings sei man schon gefordert, wenn einer der Schützlinge auf der Straße vor Freude ein Kind anspringt oder einen Anfall bekommt. Dann müsse man einen kühlen Kopf bewahren und wissen, was zu tun ist.

Was man mitbringen muss für diesen Beruf? „Einfühlungsvermögen, Geduld, eingehen können auf Menschen, aufgeschlossen sein für neue Dinge und bereit, sich darauf einzulassen“, zählt Madelaine auf.

Die Erlebnisse in den zurückliegenden Monaten hätten sie auf jeden Fall darin bestärkt, diesen Weg zu gehen. Sie hat verinnerlicht, dass Heilerziehungspflege eine ganzheitliche Sichtweise auf den Menschen erfordert und der Blick auf die Selbstbestimmung eines Jeden zu richten ist. Das Arbeitsgebiet einer Heilerziehungsassistentin umfasst sozialpädagogische und pflegerische Aufgaben – im Mittelpunkt steht immer der Mensch.

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