Konzert im Anlagencafé Im Central Park von Sandwich Hall

Schwäbisch Hall / Andreas Dehne 07.11.2018
Beim Auftritt von Christian Gibbs im Anlagencafé rotieren die Musikstile, fliegen die Brillen und es kommt auch so manch anderes ins Rotieren.

Sonntagabend ist ein ungewöhnlicher Termin für ein Rockkonzert. Doch gut 80 Menschen ziehen das Gastspiel von Christian Gibbs dem üblichen Tatort-Ritual vor. Womöglich auch, weil sie sich an das erste Konzert des New Yorkers im Anlagencafé erinnern – das war im Dezember 2013. Jedoch: Gibbs nennt sich auf seiner neuen Platte „He Arrived By Helicopter“ und startet unter diesem Pseudonym mit dem Titel „Fake Trees“. Ein eher weniger gelungenes Solo, an der Gitarre gespielt und mit reichlich Effekten versehen.

Danach betreten seine beiden Begleiter die Bühne, „The Handsome Two“: Frank Heer am Bass und Kristin Mueller am Schlagzeug. Gibbs schnallt sich die Mundharmonika vors Gesicht und spielt auf der akustischen Gitarre den Southern Rock wie einst Neil Young – „Honeywall“ klingt fast wie eine moderne Version des Großmeisters. Die nächsten Titel schließen daran an. „Geraldine“ oder „Fought the Bear“. Gibbs wechselt wieder zu seinem Projekt „He Arrived By Helicop­ter“. Sehr viel psychedelischer vorgetragen als das Original, der Titel „Hemoglobin“. Seine hohe Stimme überrascht.

Beeindruckende Schlagzeugerin

Mit „She’s the Gun of Me“ wechselt Gibbs wieder in Richtung Mainstream. Seine Stücke als „He Arrived By Helicopter“ pendeln zwischen Psychedelic und Punk. Doch immer wieder findet er den Weg zurück zu den Wurzeln des Southern Rock.

Den begeisterten Zuschauern im Anlagencafé wird so einiges zugemutet. Eben noch melodiöser Südstaatenrock, dann plötzlich Punk. Meist jedoch etwas dazwischen. Als „Wohnzimmer-Stadionrock“ wird er angekündigt, als „The Country Brother of Tom Waits“. Und man muss feststellen: Es stimmt.

Das Trio gibt bei seinem Auftritt richtig Gas und für nicht wenige Zuschauer ist die Schlagzeugerin Kristin Mueller die eigentliche Attraktion. Für eine Rockmusikerin ist ihr Auftritt eher bescheiden. Aber wie sie dann beim Blues, denn auch diese musikalische Stilrichtung gibt es an dem Abend reichlich, mit ihren Beats die Formation vor sich hertreibt, ist schon beeindruckend.

Christian Gibbs zieht bei seinem knapp 90-minütigen Auftritt im Anlagencafé den gewagten Vergleich der Ackeranlagen mit dem Central Park in New York. Der genaue Wortlaut geht im begeisterten Beifall etwas unter. „So schön“, glaubt man zu hören. Aber schon der Vergleich zählt.

Im schweißtreibenden Ambiente des kleinen Cafés im Park verliert Gibbs seine markante Brille. Sie fliegt beim sehr rockigen und punkigen „Medicine Bag“ in hohem Bogen mitten zwischen die Zuschauer. Der Song klingt nach hitzigem Südstaatenrock, schmeckt zwischendurch intensiv nach Punk, doch zum Schluss gewinnt der Blues. Die Brille fliegt nicht weit, nur bis zum ersten Zuschauer. Doch irgendwie stehen im Anlagencafé ja alle in der ersten Reihe. Man kann dem Gitarristen nicht nur auf die Finger schauen, man könnte ihm auch einen Akkord greifen.

„One more“, skandieren die frenetisch klatschenden Zuschauer zum Schluss des Konzertes. Im Anlagencafé wird es erst ab 7. Dezember nach der obligatorischen Herbstpause weitergehen, im „Central Park“ von „Sandwich Hall“, wie es Christian Gibbs so schön formuliert.

Zahl

Anlauf steht hier, hier die Erklärung

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel