Hall/Pittsburgh Ilse Stein feiert 100. Geburtstag in Pittsburgh

Hall/Pittsburgh / BLO 13.11.2014
Sie ist eine gute Freundin Halls unter den ehemaligen jüdischen Mitbürgern: Ilse Stein. Die Witwe des 2004 verstorbenen Esra Stein ist am Montag in Pittsburgh 100 Jahre alt geworden.

Vor 80 Jahren hat Ilse Stein mit ihrem Mann Esra Hall verlassen. Das Leben in der Stadt war für jüdische Mitbürger nicht mehr sicher. Es dauerte 50 Jahre, bis die beiden wieder deutschen Boden betraten - das taten sie damals mit Bangen, aber mit dem sicheren Gefühl, dass sich vieles verändert hatte. Und die Haller, denen sie begegneten, überzeugten sie.

Am Montag ist Ilse Stein, die als Ilse Katzmann 1914 in Geroda bei Brückenau in der Röhn geboren wurde, in Pittsburgh 100 Jahre alt geworden. Ihr Jubiläum kommentiert sie selbst humorvoll mit dem Spruch "so alt wird keine Kuh", schreibt die örtliche Tageszeitung "Pittsburgh Post-Gazette".

Mit 76 Jahren musste Ilse Stein nach einem Herzinfarkt ihre Arbeit als Helferin in der Vorschule aufgeben. Der Arzt hatte ihr damals noch fünf Jahre gegeben. Und nun wurde sie 100 Jahre alt.

Als 16-Jährige wurde Ilse Katzmann, wie sie damals hieß, von ihren Eltern nach Hall geschickt. Sie sollte "ihren Horizont erweitern" und arbeitete im Haushalt von Moses Herz, dem Vorsteher der israelitischen Gemeinde. Dort lernte sie ihren späteren Mann Esra Stein kennen, der Pflegesohn von Moses Herz. Ilse Katzmann und Esra Stein heirateten am 1. Oktober 1934, einen Monat später emigrierten sie nach Palästina. Zu ihrer religiösen Trauung 1936 war auch Moses Herz aus Hall eingeladen.

Ilse Stein arbeitete in einer Klinik, später als Kindermädchen. Das Paar bekam zwei Töchter: Chana und Dorit. Mitte der 50er-Jahre wanderte Familie Stein nach Pittsburgh aus. Ilse Stein arbeitete zunächst in einer Schulküche und war dann als Kindergärtnerin tätig. Ihr habe es immer Freude bereitet, Menschen zu helfen, sagt ihre ebenfalls in Pittsburgh lebende Tochter Dorit Stein. Ilse Stein hat fünf Enkelkinder und acht Urenkel. Ihre Enkelin Shira Krasnow hat vor fünf Jahren in Hall einen Tanz-Workshop im Heimbacher Hof geleitet - auch ein Zeichen der Verbundenheit mit Hall.

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