Ideenreicher Perfektionist

Juli 2010: Karl Hirnsberger (rechts) wird als Grafiker des Zeitungsverlags Schwäbisch Hall verabschiedet. Neben ihm der Designer Rolf F. Rehe. Die Fotos im Hintergrund stammen aus der Zeit, als Hirnsberger zum Haller Tagblatt kam. Archivfoto: Marc Weigert
Juli 2010: Karl Hirnsberger (rechts) wird als Grafiker des Zeitungsverlags Schwäbisch Hall verabschiedet. Neben ihm der Designer Rolf F. Rehe. Die Fotos im Hintergrund stammen aus der Zeit, als Hirnsberger zum Haller Tagblatt kam. Archivfoto: Marc Weigert
CLAUS DETJEN 26.07.2014

Karl Hirnsberger ging immer seinen eigenen Weg, ein Eigenständiger als Künstler, ein ideenreicher Gestalter als Grafiker des Haller Tagblatts, ein freundlicher und hilfsbereiter Kollege an seinem Arbeitsplatz. Jetzt hat er die letzte Strecke bewältigt - in sich gekehrt und im Leid des Abschieds geborgen in seiner Familie. Am 17. Juli starb Karl Hirnsberger im Alter von 69 Jahren. Er hatte Krebs.

Sein beruflicher Werdegang führte von handwerklichen Anfängen als Holzschnitzer zur Verantwortung für die graphische Verbindung von Formen und Inhalten beim Haller Tagblatt. In seinem Idiom behielt er ein Kennzeichen seiner bayerischen Herkunft. In der Wortwahl und der Präzision seiner Sprache offenbarte sich ein fester Charakter. Er war in bescheidener Weise selbstsicher und selbstbewusst. Er konnte es sich leisten, auch Nein zu sagen.

Karl Hirnsberger wurde 1945 in Berchtesgaden geboren, begann nach Klosterschule und Realgymnasium eine Lehre als Maschinenschlosser, brach sie ab, weil er in der Fachschule für Holzschnitzerei und Malerei in Berchtesgaden seine gestalterischen Neigungen entwickeln konnte. Im Wehrdienst erhielt er als Zeitsoldat eine Ausbildung in Kartographie. Von 1967 bis 1971 folgte in acht Semestern an der Fachhochschule für Gestaltung in München die Spezialisierung auf Gebrauchsgraphik. Da war es konsequent, dass er seine erste Anstellung in Bamberg bei einem großen graphischen Betrieb fand. Als er 1988 zum Haller Tagblatt nach Schwäbisch Hall wechselte, bedauerte das Bamberger Unternehmen, einen Mitarbeiter zu verlieren, dessen Arbeiten "durch stilistisch konsequente Ausführung von eindrucksvoller Präzision, grafischer Schönheit und werblicher Durchschlagskraft" geprägt sind.

Seine große professionelle Kompetenz entfaltete Karl Hirnsberger in den Phasen der Umstrukturierung des Haller Tagblatts, die der Insolvenz der Druckerei Schwend folgte. Sein Engagement verband er mit Verantwortungsbereitschaft. Ideenreich und mit Eigeninitiative brachte er seine ästhetischen Maßstäbe und seine Fähigkeit zu deren Umsetzung in die Alltagsarbeit ein. Er entwickelte Layouts für die Zeitung und für die Magazine des Zeitungsverlags Schwäbisch Hall, gab dem grafischen Auftritt des Verlags in Drucksachen und Plakaten seine Handschrift, gestaltete Bücher, zum Beispiel das große Hall-Buch zum Stadtjubiläum, die großformatigen Bildkalender und die Geschenkartikel, an denen sich bis heute Kunden des HT-Shops erfreuen. Die Anerkennung, die seine Arbeit über Hall hinaus fand, schlug sich in den Beiträgen nieder, die er für die gesamte Gruppe der Südwest Presse leistete.

Indes, er konnte als Künstler viel mehr. Er war ein phantasievoller Illustrator, wovon das in mehreren Auflagen erschienene Erzählbändchen über die Räuber vom Mainhardter Wald ein Beispiel gibt. Sein letztes Werk ist die Karikaturensammlung "Schrägansichten", die in der Edition Haller Tagblatt im April dieses Jahres erschien. Sie fasst in einem Band 50 der Cartoons zusammen, in denen Hirnsberger lokales und regionales Geschehen für das Haller Tagblatt aufs Korn nahm, treffsicher, zugespitzt, manchmal bissig und immer mit entzückendem Sinn für die kleinen Details in den Ironien des Alltags.

Der deutsch-amerikanische Designer Rolf F. Rehe (Design Research International, Wien), der seine Berufslaufbahn in Hall begann, hat wiederholt Hirnsbergers hohen Sinn für die Verbindung von Form und Inhalt sowie die Leidenschaft gewürdigt, mit der er nach Perfektion in seiner Arbeit strebte. Rehe hob hervor, wie wichtig dabei die handwerkliche Grundlage war, die Hirnsberger befähigte, die heute in der Grafik nicht mehr wegzudenkende Arbeit am Computer virtuos zu handhaben.

Als Hirnsberger im Juli 2010 nach seinem 65. Geburtstag in Pension ging, war das für ihn nicht der Beginn des Nichtstuns in seinem Haus in Westheim. Er blieb dem Haller Tagblatt mit den Cartoons verbunden, wollte historische Bücher, die er sammelte, restaurieren, immer wieder in das von ihm geliebte Bamberg reisen, viel Zeit mit der Familie, mit seiner Frau, der Tochter, dem Sohn und den Enkeln verbringen. Es blieb für alles zu wenig Zeit. Im Herbst 2013 kam die Diagnose Krebs.

Karl Hirnsberger bleibe ich in Dank verbunden. Er war mir persönlich ein gebildeter, zuverlässiger Gesprächspartner und Ratgeber. Ich vermisse ihn. Aber wir werden uns ja eines Tages wieder treffen - oben, im weiß-blauen Himmel, und dort gemeinsam Luja singen.

Info Claus Detjen war von 2002 bis 2013 Verleger und Herausgeber des Haller Tagblatts.

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