Smartphones Idee einer Hochzeitsreise

Die Brüder Daniel (Werkstattleiter) und Andrej Isjurow (Geschäftsführer) betrachten ein zerlegtes Smartphone. Defekte Displays und ausgerissene Ladebuchsen lassen sich oft reparieren.
Die Brüder Daniel (Werkstattleiter) und Andrej Isjurow (Geschäftsführer) betrachten ein zerlegtes Smartphone. Defekte Displays und ausgerissene Ladebuchsen lassen sich oft reparieren. © Foto: just
Untermünkheim / Jürgen Stegmaier 10.08.2017
Das Unternehmen von Andrej Isjurow hat Erfolg damit, Handys zu reparieren. Größer aber ist das Geschäftsfeld Handel. Seinen Sitz hat die IDOoX GmbH in Untermünkheim.

Während seiner Hochzeitreise, die Andrej Isjurow und seine Frau 2009 in die USA führte, kaufte sich der angehende Ingenieur ein defektes iPhone. Das Display war kaputt. Die Reparatur fiel ihm leicht. Das brachte den inzwischen 28-Jährigen auf die Idee, diese Dienstleistung auf dem Markt anzubieten. Daraus entstanden ist ein Unternehmen, das nach wie vor defekte Smartphones wieder in Ordnung bringt, das aber auch als Händler im Internet auftritt. Vor drei Jahren ist das Unternehmen von Sulzdorf an den jetzigen Standort im Untermünkheimer Teilort  Übrigshausen nahe der ­B 19 gezogen.

Auch der Vater ist Ingenieur

Andrej Isjurow hat an der Hochschule Heilbronn Robotik und Automatisierungstechnik studiert. Auch sein Vater ist Ingenieur. Vater und Sohn betreiben unter einem Dach unterschiedliche Unternehmen. Der Vater hat sich auf die Projektierung von Ölraffinerien und Anlagen zur Energiegewinnung spezialisiert. Die Familie Isjurow kam 1991 aus Kirgisien nach Deutschland, die Heimat der Mutter.

Mit im Boot ist auch Andrej Isjurows Bruder Daniel. Er leitet die Werkstatt. Zersprungene Displays, ausgerissene Ladebuchsen und defekte Akkus sind die häufigsten Schäden. Nicht selten kommt es vor, dass dem Nutzer sein Smartphone ins Wasser gefallen ist, oft genug in die Toilette. Auch in diesen Fällen lasse sich die Technik oft noch retten, versichert die Brüder. Gibt es hoffnungslose Fälle? „Oft sieht es so aus, als wäre es hoffnungslos, beispielsweise wenn ein Auto über das Smartphone gefahren ist. Doch so lange die Platine noch heil ist, kriegen wir das meist wieder hin“, versichert Daniel Isjurow.

Täglich werden in der Werkstatt etwa zehn Smartphones repariert. Verwendet werden oft Original-Ersatzteile, teilweise auch Technik, die sich die Isjurows selbst fertigen lassen. Eine Reparatur dauere durchschnittlich 30 bis 60 Minuten. 90 Prozent der benötigten Ersatzteile habe das Unternehmen auf Lager, versichert Geschäftsführer Andrej Isjurow. Zwischen 90 und 300 Euro koste es, das Display zu wechseln – das sei stark vom Modell abhängig. iPhone-Displays seien etwas günstiger, Samsung-Bildschirme eher teurer. Zu den Kunden gehören einerseits Privatpersonen, aber auch einige große Unternehmen, Würth beispielsweise.

Zurück zu alten Zeiten

Wie will sich das Unternehmen weiterentwickeln? „Wir wollen dorthinkommen, wo wir 2015 schon waren. Außerdem wollen wir, dass unsere Kunden zufrieden sind. Und schließlich wollen wir unser Online-Geschäft weiter ausbauen“, erklärt Gründer und Geschäftsführer Andrej Isjurow. Vor zwei Jahren machte das Unternehmen mit 15 Mitarbeitern einen Umsatz von 6,2 Millionen Euro. Dieser sank 2016 deutlich ab. Für 2017 werden zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Euro angepeilt. Wie erklären sich die erheblichen Differenzen? Mit dem Online-Kaufhaus Amazon habe es erhebliche Probleme gegeben. Diese hätten die IDOoX GmbH dazu gezwungen, ihre Geschäfte vollkommen neu zu strukturieren. Näher will Andrej Isjurow auf diese Geschichte nicht eingehen. Sie hört sich etwas geheimnisvoll an.

Konkurrenz ist groß

Einige junge Unternehmen haben sich auf die Reparatur von defekten Smartphones spezialisiert. Die Konkurrenz ist groß. In Stuttgart macht beispielsweise das Start-up Reparando auf sich aufmerksam. Merkmal dieses Unternehmens ist es, dass Smartphones nicht in die Werkstatt gebracht werden müssen, sondern dass 60 Servicetechniker zu den Kunden kommen und vor Ort reparieren. Reparando ist in 19 deutschen Städten aktiv. Die Hälfte des Umsatzes wird mit Geschäftskunden erzielt. Reparando wurde von zwei Studierenden gegründet.  In einer frühen Wachstumsphase sammelten die Jungunternehmen bei Risikokapitalgebern einen siebenstelligen Betrag ein, um die weiteren Schritte einleiten zu können. just