Krieg Hunde an der Front

Schwäbisch Hall / HEIKE KRAUSE 24.11.2014
Kriege machen auch vor Tieren nicht halt. 14 Millionen, darunter Pferde und Hunde, mussten am Ersten Weltkrieg teilnehmen. Über zwei Drittel wurden getötet oder starben an den Folgen von Verwundungen.

Als besonders flexibel galt der beste und treueste Freund des Menschen: der Hund. Etwa ab 1900 entwickelten die meisten europäischen Mächte eigene militärische Aufgaben für Hunde. Deutschland, Russland, Schweden, Italien, Frankreich und die Niederlande hatten ihre eigenen Hundesoldaten.

Mit etwa 6000 ausgebildeten Hunden verfügte Deutschland 1914 über die größte einsatzbereite Hundearmee der Welt. Je nach Tauglichkeit, Charakter und Wesensart wurden sie zu Wach-, Späh-, Apportier-, Sanitäts-, Telegraphen-, Melde- und Zughunden trainiert.

Grundvoraussetzungen waren immer Gehorsam, Mut, Schussfestigkeit und ein gewisses Maß an Aggression. Der Hund blieb immer in der Hand eines Soldaten, denn für ein "zuverlässiges Funktionieren" des Tieres war Harmonie und unbedingtes Vertrauen zwischen Hund und Führer notwendig. Neben den heimischen Rassen wie Dobermann, Rottweiler, Deutscher Schäferhund und Weimaraner setzte die deutsche Wehrmacht auch in England von Agenten gekaufte Airedale-Terrier und Collies ein.

Doch die Hunde reichten schon bald nicht mehr aus. Als 1914 die deutschen Truppen Belgien und Nordfrankreich überrannten, wurden taugliche Hunde beschlagnahmt und nach Deutschland geschickt, wo sie in eigenen Armeeausbildungslagern trainiert wurden.

Aufrufe, Hunde und Geld zur Verfügung zu stellen

Und auch in Deutschland selbst ergingen seit Januar 1915 in den Tageszeitungen immer wieder Aufrufe, Hunde und Geld der patriotischen Sache zur Verfügung zu stellen. So war zum Beispiel am 22. Februar 1915 im Haller Tagblatt zu lesen: "Eine wichtige Aufgabe harrt der Lösung. Es gilt die Leiden derjenigen Verwundeten zu lindern, die Nacht und Nebel auf dem Schlachtfelde überraschten. Die Zahl der Vermissten muß sich vermindern! . . . Wir brauchen Sanitätshunde, die mit wunderbarem Instinkt und hoher Begabung ihre Pflicht erfüllen und diesen tapferen Kriegern bereits das Leben gerettet haben . . .Wir brauchen Hunde, die geeignet sind, und vor allem Geld, um die hohe Mission zu erfüllen, tausende Verwundete zu retten, die nach jeder Schlacht noch leben und in Gräben, Hecken und Gebüschen verbluten müßten, weil die Sanitätsmannschaften trotz aller Umsicht und allen Eifers sie nicht finden konnten . . .Viele hunderte Sanitätshunde arbeiten bereits für Euch und alle, die Euch teuer sind im Felde . . ."

Neben den Sanitätshunden, die während Gefechtspausen Verwundete auf den Schlachtfeldern aufspürten, kamen vor allem den Meldehunden wichtige und lebensrettende Aufgaben zu. Im Trommelfeuer der Geschütze leistete der Hund als Nachrichtenübermittler wertvolle Dienste, um die Kommunikation zwischen den Schützengräben oder zwischen Front und rückwärtigen Stellungen aufrecht zu erhalten. 1915 schuf der Leutnant und Feldjäger Gottfried Müller die Kriegshundeschule, um für eine einheitliche Ausbildung der Führer und Hunde zu sorgen. Von den über 40000 Hunden auf deutscher Seite waren 30.000 als Meldehunde tätig - der Verlust wird auf 20.000 geschätzt.

Nach Kriegsende: Abrüstung der Tierarmeen

Die Armee verpflegte ihre vierbeinigen Rekruten vorbildlich, waren diese Spezialisten oft weniger leicht zu ersetzen als die zweibeinigen. Vorgeschrieben waren je Hund am Tag "750 Gramm Hundekuchen, ein Liter warme Mahlzeit, wie für Soldaten, oder 500 Gramm Fleisch, dazu 800 Gramm Haferschrot oder ein Kilo Kartoffelbrei. Knochen werden als Spezialration zusätzlich gefüttert." Zur medizinischen Versorgung der Hunde wurden spezielle Lazarette eingerichtet.

Nach Kriegsende wurden europaweit die Tierarmeen abgerüstet. Gemeinsam mit den Truppen kehrten die Kriegshunde nach Deutschland zurück. Sie wurden an ihre früheren Besitzer übergeben. Einige verblieben im Besitz der Heeresverwaltung. Dort wurden sie vom Deutschen Verein für Sanitätshunde zu Führhunden für Kriegsblinde ausgebildet. Vielen zurückgekehrten Pferden erging es schlechter: Sie landeten in den Schlachthöfen, um mit ihrem Fleisch den Hunger der notleidenden Bevölkerung zu lindern.

Buch zum Thema "Hunds Tage - Kleine Kulturgeschichte eines Vierbeiners", von Heike Krause, Verlag PH.C.W. Schmidt in Neustadt an der Aisch, 222 Seiten, enthält mehr als 100 Farbabbildungen; ISBN: 978-3-87707-930-0, 24,50 Euro.