Gedenken Heinz Sausele: Ein Humorvolles Schlitzohr

Schwäbisch Hall / Bettina Lober 11.08.2018
Heimatdichter, Lehrer, Volkstumsforscher und Mitbegründer der Freilichtspiele Hall: Heinz Sausele starb vor 80 Jahren.

Ein kleiner unscheinbarer Weg im Rollhof erinnert noch an ihn. Und eine Steintafel am Schuhbäckhaus am Eingang der Unteren Herrngasse: Heinz Sausele. Sein Name unter den Zeilen ist schon ein bisschen verwittert, aber noch leserlich. Dort steht:

Als Doktor Faust gen Hall einst kam / Zum Schubäck stracks den Weg er nahm. /Mit wackern Siedern früh und spat / gar manchen scharfen Trunk er tat. / Ist nit zum Schaden ihm gereicht. / Der Wein war ächt, der Faust geeicht / So uns die Chronika bericht’t. / Ist wahrlich wahr und kein Gedicht. / Das laßt ihr Leut, gesagt euch sein / und kehrt wie Faust beim Schuhbäck ein.

Heinz Sausele war ein Tausendsassa: Heimatdichter, Mitbegründer der Freilichtspiele Hall, langjähriges Vorstandsmitglied im Historischen Verein für Württembergisch Franken, Lyriker, Lehrer und Volkstumsforscher. Fast 40 Jahre lang lebte er in Schwäbisch Hall. Er verfasste mehr als 350 Gedichte – etwa 200 auf hochdeutsch, rund 150 in hohenlohisch-fränkischer Mundart –, zahlreiche Lieder und 20 Dramen. Sein literarisches Werk, das teils im Marbacher Schiller-Museum aufbewahrt wird, galt vor allem seiner Heimatstadt Weikersheim sowie Hall. Auch dem Haalgeist widmete Sausele Verse und verschaffte der Sagengestalt so Popularität. Der Durchbruch als Dramatiker gelang ihm aber nicht. Die Bühnen nach dem Ersten Weltkrieg lehnten seine Werke ab, die noch im Stil des Historismus verfasst waren und meist Stoffe aus der deutschen Geschichte thematisierten, schreibt Helmut Herrmann im Jahrbuch 1999 des Historischen Vereins für Württembergisch Franken.

Karriere beginnt in Ilshofen

Als Sohn einer alteingesessenen Weingärtnerfamilie wurde Heinz Sausele am 6. Januar 1862 in Weikersheim geboren. Dort ist heute der Fußweg an der Südseite des Stadtparks nach ihm benannt. Sausele besuchte die „alte Schule“, in der es immer wieder einmal auch eine Tracht Prügel „im voraus“ gab, wie ein ehemaliger Mitschüler Sauseles einst berichtete. Die Erlebnisse hielten den Weingärtner-Sohn nicht davon ab, selbst Lehrer zu werden. Er besuchte die Lehrerseminare in Tempelhof bei Crailsheim und in Künzelsau. Zunächst war er „Lehrgehilfe“ und „Unterlehrer“ in Ilshofen. So begann die Karriere eines Hohenloher Schulmeisters, eines obrigkeitshörigen und kaisertreuen Staatsdieners, wie er in älteren Texten charakterisiert wird. Von 1892 bis 1927 unterrichtete Sausele an der Volks- und Landwirtschaftsschule in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall.

Begeisterung für den Krieg

Wie viele Menschen aus dem deutschen Bürgertum schien auch Sausele sich für den Ersten Weltkrieg zu begeistern – las er doch seine Weltkriegs-Gedichte auch Verwundeten im städtischen Haller Krankenhaus vor. Etliche wurden auch in der Zeitung abgedruckt.

Schon von Jugend an schrieb Sausele Gedichte, Heimat- und Mundartverse. Er galt als scharfer Beobachter, schaute den Leuten aufs Maul und blieb mit kernigen Sprüchen, heiteren Anekdoten und schlitzohrigen Geschichten in Erinnerung. Es sind Alltagsszenen, die er in den Blick nimmt – mit bildhafter Sprache, knapp, treffend und humorvoll.

Als Kind spielte Sausele mit seinen Freunden oft zu Füßen der Zwergengalerie im Weikersheimer Hofgarten. Viele Jahre später hat er in ironischen und humorvollen Versen den liebenswürdigen Sandsteinkarikaturen des einstigen Hofpersonals mit einem Gedichtzyklus ein literarisches Denkmal gesetzt.

Bei seinen historischen Forschungen stieß Sausele immer wieder auf regionale Stoffe, die ihn zu Bühnenstücken inspirierten. Eines war das Schauspiel „Hermann Büschler“ um den gleichnamigen Haller Stättmeister. 1926 und 1928 wurde das Stück mehrmals in Hall aufgeführt – durchaus erfolgreich. Doch es reichte nicht über die Stadtgrenzen hinaus.

In seinen letzten Lebensjahren hat er sich intensiv mit der Flurnamen-Forschung befasst. Die „Flurnamensammlung der Stadt Hall“ war seine letzte große Arbeit. Am 11. August 1938 starb Heinz Sausele nach schwerer Krankheit in Hall.

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