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NSU
Schwäbisch Hall/Stuttgart / ROLAND MUSCHEL Welchen Fragen soll der NSU-Ausschuss nachgehen? Das wollten gestern Politiker von Journalisten wissen, die sich mit der Materie gut auskennen.

Stefan Aust, der Publizist und ehemalige Chefredakteur des Spiegel, sitzt im Publikum. Wolfgang Schorlau, der bekannte Krimi-Autor, ebenso. Aust wird gleich vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags als "Sachverständiger" aussagen, und viel von dem bestätigen, was der vor ihm geladene HT-Redakteur Thumilan Selvakumaran den Abgeordneten mit auf den Weg gibt. Schorlau macht sich derweil eifrig Notizen. Er arbeitet an einem Krimi über den NSU-Komplex.

Die Ermittler hätten sich im Fall der 2007 erfolgten Ermordung der Polizistin Michele Kiesewetter zu früh auf die Theorie festgelegt, dass dafür allein die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos verantwortlich seien, kritisiert Selvakumaran die Zwei-Täter-These der Bundesanwaltschaft. Dagegen würden aber Aussagen mehrerer Zeugen stehen - auch die ersten Angaben des bei der Tat schwer verletzten Kollegen von Kiesewetter. Das Gutachten, das dem verängstigten Polizisten nachträglich attestiert habe, dass er sich doch nicht erinnert könne, sei "nicht glaubwürdig", sagt Selvakumaran.

Vier Journalisten hat der Untersuchungsausschuss gestern als Sachverständige angehört - in der Hoffnung, von ihrem Fachwissen für die weitere Arbeit profitieren zu können. "Sie sind stellenweise besser informiert als wir, weil wir die Akten noch nicht haben", stellt der Haller Landtagsabgeordnete und SPD-Obmann im Ausschuss, Nikolaos Sakellariou, bei der Befragung von Selvakumaran fest.

Alle vier geladenen Publizisten haben sich bei der Aufarbeitung des NSU-Komplexes aufgrund umfangreicher Recherchen einen Namen gemacht. Es sind der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt, Aust und der Ko-Autor seines NSU-Bestsellers "Heimatschutz", Dirk Laabs, sowie Selvakumaran, Mitautor des Buchs "Geheimsache NSU".

Thumilan Selvakumaran rät dem Ausschuss, sich um Frage, ob es beim Heilbronner Mord nicht weitere Täter gegeben haben könnte, genauso zu kümmern wie um die früheren Verbindungen von Kiesewetters Gruppenführer und weiterer Polizisten zum Schwäbisch Haller Ableger des rassistischen Geheimbunds Ku-Klux-Klan. Noch immer, so beschreibt der Redakteur seinen Eindruck in der rund zweistündigen Befragung, wollten Sicherheitsbehörden die Klan-Affäre am liebsten unter den Tisch kehren. Der Ausschuss, fordert er, solle auch Verbindungen von Kiesewetter und ihrem Umfeld ins rechte Milieu in ihrer Heimat Thüringen durchleuchten.