Schwäbisch Hall / Tobias Würth  Uhr
Die Hospital-Stiftung steigert die Eigenkapitalquote auf 80 Prozent. Doch der Jahresabschluss 2018 verweist auf zukünftige Durststrecken.

Wer einfach mal so über 87 Millionen Euro verfügt, sollte eigentlich sorglos durch die Welt spazieren. So viel Vermögen nennt die Hospitalstiftung ihr Eigen. Im Mittelalter angelegt, durch Waldwirtschaft groß geworden, unterstützt sie heute die Bereiche Jugend, Senioren, Bildung, Kultur und Soziales. Die Stadt Hall verwaltet das Geld. Bei der jüngsten Sitzung am Montag geht es um den Jahresabschluss 2018 in ungeprüfter Form.

Niedrigzinsen als Problem

„87 Millionen Euro beträgt die Bilanzsumme“, verkündet Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Das ist in etwa so viel wie im Vorjahr – wenn man den Verkauf eines Gebäudes in Sittenhardt als einmaligen Effekt herausrechnet. Die Eigenkapitalquote konnte um 1,5 Prozentpunkte auf knapp 80 Prozent gesteigert werden. Die Verbindlichkeiten verringerten sich auf 14.400 Euro. Der Schuldenstand sei unbedenklich, kann man den Worten von Oscar Gruber entnehmen. Der Stadtkämmerer leitet auch die Finanzen der Stiftung. Der Grund: Die verfügbaren Mittel in Höhe von 17 Millionen Euro seien höher als die Schulden.

Nied

Mit anderen Stiftungen hat die Haller Hospitalstiftung ein Problem gemeinsam, das viele Sparer kennen: In Zeiten der Niedrigzinsphase lässt sich das Geld auf dem Konto nur schwer vermehren. „Wir erhalten höchstens 0,2 Prozent Zinsen auf Guthaben“, sagt Gruber. Daher platziert die Stiftung überschüssige Liquidität nicht auf dem Sparbuch, sondern steckt sie in Wirtschaftsbetriebe. Der Hauptteil des Vermögens schlummert ohnehin in Häusern und Wäldern. Neun Millionen Euro werden für die Haller Stadtwerke und die Solar Invest AG zur Verfügung gestellt. 5 Millionen Euro an den Eigenbetrieb Abwasser ausgeliehen. Die Stiftung fungiert quasi als Hausbank für die Tochterunternehmen der Stadt Hall, was mit rund 2 Prozent Zinsen belohnt wird.

Rücklagen für Hochschulcampus schmelzen

Aber selbst das ist nicht genug, um einen der ursprünglichen Pläne in Erfüllung gehen zu lassen. Um die staatliche Hochschule nach Hall zu holen, wurde dem Land zugesichert, dass der Campus unterstützt wird. Die Stiftung streckt jährlich 660.000 Euro vor, die weitestgehend von Unternehmen als Spenden refinanziert werden. Aber auch der Ausbau und die Bereitstellung der Gebäude schlägt zu Buche. Dafür hatte die Stiftung 5 Millionen Euro zur Seite gelegt, um mit den Zinsen dieses Kapitals den Campus zu finanzieren. Gruber warnt: „Die größte Sorge ist der Teilhaushalt 9.“ Darin wird das Campus-Geld abgebildet. Der Eisberg von einst 5 Millionen schmilzt jährlich mit einer Geschwindigkeit von 266.000 Euro dahin, sodass die derzeitige Vermögenshöhe in wenigen Jahren weg ist. Einen Ausweg sieht OB Pelgrim darin, das Land zur Finanzierung seiner Hochschule mehr in die Pflicht zu nehmen.

Zuversichtlicher ist Gruber bei einem anderen Bereich. Der Forst war jahrelang die Cash-Cow der Stiftung. Nun beschert er ihr ein Minus von 50.000 Euro. Da der Hospitalwald gerade in einer Aufbauphase sei, könnten sich zukünftige Generationen Hoffnungen auf Gewinne machen.

Keine Debatten

Ebenfalls gut laufe der Bereich der Immobilien. 1,9 Millionen Euro tragen die Mieteinnahmen zum Cash-Flow bei. Mit diesem Geldfluss werden Investitionen gestemmt, um die Gebäude zu erneuern. Die Stadträte nehmen in einem ersten Schritt das Zahlenwerk zur Kenntnis, das noch drei weitere Male auf die Tagesordnung kommt.

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