Obersontheim Holger Edmaier - Alptraum Weihnachtszeit

Holger Edmaier nimmt das Verhalten während der stressigen Weihnachtszeit auf die Schippe.
Holger Edmaier nimmt das Verhalten während der stressigen Weihnachtszeit auf die Schippe. © Foto: Rainer Richter
Obersontheim / RAINER RICHTER 27.11.2014
Zum sechsten Mal ist Holger Edmaier in der Koppenmühle in Obersontheim aufgetreten. Der Kabarettist ist ein Garant für ein volles Haus. Am Samstag präsentierte er sein Programm "Wir schenken uns nichts".

Weihnachtszeit ist purer Stress. Wer kennt nicht diesen verzweifelten Versuch, ihn abzubauen. Warum tun wir uns das jedes Jahr an? Weil wir es genau so und nicht anders haben wollen. Jeder hat den Alptraum schon erlebt. Die Gans ist nicht gar, die Lichterkette streikt und die Geschenke für Onkel Erwin wurden vergessen.

Holger Edmaier beleuchtet dieses Szenario. Seine Songs sind witzig und treffen ins Schwarze. "Glücklich sein in Familien, da spiel' ich lieber mit Reptilien", resümiert er. Die Eltern kommen und die Verwandten: O du fröhliche.

Seine Sympathie gilt eher den armen Weihnachtsmännern im Regal. Der Schokoladenweihnachtsmann trauert: Last Christmas, die Alufolie ist gerissen und in ein paar Wochen gibt's mich 50 Prozent billiger. Ich bin halt keiner von Milka.

Manche steigen gigantisch ins Lichterfest ein. Mit LED-Ketten ums ganze Haus, 12500 Watt Lichtflutern und 28 Engeln per Laserprojektionen an den Himmel gebeamt. Die Folgen: Der Igel wacht auf, der Kirschbaum fängt an zu knospen und ein Pilot verwechselt die Hauptstraße mit der Landebahn. "Wir sind sowieso gerade dabei, das Fest zu zerstören. He, he, früher gab es einmal vier Jahreszeiten. Jetzt schneit es bei uns nicht mehr und ein Sturm zieht auf. Weihnachten ertrinkt im Regen."

Weihnachten in der Stuttgarter Königstraße, das bedeute Massen in Bewegung. Sie gehen und gehen und gehen, eine Amöbe mit menschlicher DNS. Keiner weiß, wohin. Und nach Weihnachten, dasselbe: umtauschen.

Seinem satirisch-ironischen Blick entgeht nichts. Facettenreich und stimmgewaltig präsentiert sich das 1,88-Meter-Mannsbild als halber Weihnachtsmann gewandet. Rote Hose mit Weste und weiße Kniestrümpfe mit roten Ringeln sorgt der Pop-Kabarettist, wie er sich selbst bezeichnet, für gute Laune im Publikum. Seine autobiografischen Ausflüge in Stuttgarts Bronx, den Hallschlag, entfalten ein köstliches Sittengemälde. Die Helene Fischer-Parodie weckt Begeisterung - da muss er lange geübt haben, murmeln einige Zuhörer im Publikum.

Als Zugabe wünscht man sich eine Wiederholung. Das dauert zu lange, findet er. Stattdessen macht er dem Publikum ein Kompliment. Seinen Blick fest auf die erste Reihe gerichtet singt er in bester Revue-Manier: "Du, du bist zu gut für diese Welt". Gleichzeitig gibt er dem Publikum noch eine Weisheit mit auf den Nachhauseweg: Wenn die Liebe das Licht im Leben ist, dann ist die Ehe die Stromrechnung.

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