Hohenloher Kultursommer Junge Streicher fesseln Haller Publikum

Der 14-jährige Daniil Bulayev aus Riga fesselt das Publikum in der Schwäbisch Haller Hospitalkirche durch sein virtuoses Spiel auf der Violine und seine abwechslungsreichen Solopartien.
Der 14-jährige Daniil Bulayev aus Riga fesselt das Publikum in der Schwäbisch Haller Hospitalkirche durch sein virtuoses Spiel auf der Violine und seine abwechslungsreichen Solopartien. © Foto: Ralf Snurawa
Schwäbisch Hall / Ralf Snurawa 22.08.2018
Nachwuchsviolinenspieler zeigen sich in der Schwäbisch Haller Hospitalkirche den anspruchsvollen Stücken gewachsen. Das Publikum ist vom Können der Musiker begeistert.

Fast schon eine Tradition sind Konzerte von Teilnehmern des Internationalen Violinmeisterkurses Kloster Schöntal in Schwäbisch Hall. In einer vom Hohenloher Kultursommer veranstalteten Matinee waren dieses Mal sieben Nachwuchsgeiger am Sonntag in der Hospitalkirche zu hören.

Die etwa 70 Zuhörer erlebten eine abwechslungsreiche Mischung aus virtuosen Stücken und Sonatensätzen. Mit dem ersten Satz aus Wolfgang Amadeus Mozarts A-Dur-Sonate KV 305 eröffnete der zwölfjährige Haymon Haffner aus Augsburg das Konzert. Er verlieh dem Mozart’schen Sonatensatz einen drängenden Charakter, zeigte aber dabei auch Sinn für die Momente des Innehaltens und überzeugte durch eine für sein Alter ausgesprochen nuancierte Spielweise.

Erst einfühlsam, dann energisch

Die aus Jagsthausen stammende Franziska Stemmer (18) folgte darauf mit dem Eingangssatz von Robert Schumanns a-Moll-Violinsonate, ebenfalls einfühlsam von Liga Skride auf dem Klavier begleitet. Ihr aufgewühlt-energisches wie fesselndes Spiel war durch einen kultivierten Violinton gekennzeichnet, der besonders die gesanglichen Anteile der Komposition betonte. Ähnlich war es später mit dem Eröffnungssatz aus Johannes Brahms’ A-Dur-Sonate zu erleben, den der in London lebende Liu Ray (24) mit sanfter Tongebung wiedergab. Damit kam er zusammen mit der Pianistin Tomoko Nishikawa der Satzüberschrift „Allegro amabile“ recht nahe, unterstrich aber auch plötzliche harmonische Wendungen.

Ging es bei den Sonatensätzen stark um den Klangcharakter und den Ausdruck, stand bei den virtuosen Stücken mehr das technische Können im Fokus. Ein wenig dazwischen erschien noch der finale Satz aus Camille Saint-Saëns’ drittem Violinkonzert. Der zwölfjährige Wu Muyang aus Shanghai gab ihn entschieden im Ton wieder. Die eine oder andere klangliche Schattierung hätte noch schöner herausgearbeitet werden können.

Der vier Jahre ältere Kaixiang Wang aus Peking zeigte mit dem Schlussrondo aus Niccolò Paganinis zweitem Violinkonzert, was der Altersunterschied bedeutet. Mit Witz, Esprit und geradezu lustvollem Umgang mit den virtuosen Anforderungen führte er vor, warum dieses Violinkonzert den Beinamen „La campanella“ („Das Glöckchen“) hat.

Zwischen den beiden jungen Chinesen war die 17-jährige Spanierin Laura Morales Rejas aus Vigo mit Pablo de Sarasates „Caprice basque“ zu hören. Höchst schwierige Spielweisen, wie gleichzeitig mit dem Bogen streichen und mit den Fingern die Saite direkt am Ton zupfen, meisterte sie ebenso souverän wie scharf betonte Akkordfolgen.

Im Sog der Melodie

Ein noch schwierigeres Stück, das zusätzlich zur Virtuosität auch Ausdrucksstärke verlangt, hatte sich Daniil Bulayev (14) aus Riga mit Maurice Ravels Rhapsodie „Tzigane“ vorgenommen. Für sein Alter gestaltete er den solistisch auszuführenden Einleitungsteil wunderbar kapriziös und abwechslungsreich. Mit großer Leidenschaft und Spiellust entwickelte er zusammen mit Liga Skride dann den nötigen Sog im schnellen Teil. Das Publikum war spätestens hier restlos begeistert vom Können der jungen Musiker.

Info Am heutigen Mittwoch kann man noch weitere Nachwuchsmusiker, die am Violinmeisterkurs teilgenommen haben, hören. Sie spielen um 17 Uhr im Rahmen des Hohenloher Kultursommers im Festsaal des Bildungshauses Kloster Schöntal.

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