Schwäbisch Hall Hohenloher Falternacht: Farbenfrohe Nachtschwärmer

Schwäbisch Hall / Andreas Scholz 17.05.2018
Bei der ersten Hohenloher Falternacht auf dem Gelände des Freilandmuseums in Wackershofen zeigen Schmetterlingsexperten bunte und faszinierende Nachtfalter.

Sie heißen Dromedar-Zahnspinner, Gammaeule oder Nagelfleck, und so exotisch wie ihre Namen klingen, ist auch oft ihre Optik. Für die drei Schmetterlingsexperten, die am Freitagabend im Freilandmuseum in Wackershofen das Gelände mit drei Leuchttürmen künstlich aufhellen, sind Nachtfalter einfach faszinierende Geschöpfe.

Uwe Knorr aus Untermünkheim-Haagen, Jörg Köhlich aus Schwäbisch Hall und Bernd Kunz aus Langenburg haben die Technik längst aufgebaut, als sie um 21.30 Uhr von rund 20 neugierigen Gesichtern umringt werden. Die erste Falternacht in Hohenlohe findet im Rahmen der „European Moth Nights“ statt, bei der in ganz Europa an mehr als 650 Standorten zeitgleich Nachtfalter bestimmt werden.

Stirnlampe und Kamera dabei

Uwe Knorr setzt sich eine Stirnlampe auf. „Hat auch jeder eine Taschenlampe dabei?“, fragt er in die Runde. Bei Wilhelm Bühler aus Veinau ist die Nachfrage überflüssig: Der Naturfreund hat neben einer Digitalkamera auch eine Stirnlampe mitgenommen. „Ich habe aus der Zeitung von der Veranstaltung hier erfahren und bin schon gespannt, was es hier zu entdecken gibt“, erklärt er.

Auch Werner Demuth aus Kocherstetten ist dem Veranstaltungshinweis gefolgt und nach Wackershofen gefahren. „Ich kenne mich mit Kräutern und Orchideen gut aus und führe im Kochertal auch immer mal wieder botanische Touren. Mit Nachtfaltern habe ich mich bis jetzt noch nicht so intensiv befasst“, erklärt der Botanikliebhaber.

Bevor Uwe Knorr und seine beiden Mitstreiter die ersten Falterfunde der hereinbrechenden Nacht mit den Exkursionsteilnehmern sichten, gibt es zunächst einen Einblick in die Welt der Eulen, Motten, Spanner, Wickler und Zünsler.

„Früher wurden die Nachtfalter von den Quecksilberdampflampen am Straßenrand magisch angezogen, aber inzwischen sind auch UV-Lampen und spezielle LED-Lampen zum Beobachten von Nachtfaltern gut geeignet“, erläutert er.

„Wir haben drei Lichttürme aufgestellt, zum Beispiel einen mit LED-Leuchten, der mit verschiedenen Farbtönen ausgestattet ist. Manche Arten ­reagieren stark auf grünliche Farbwellen, andere dagegen zieht ein violetter Farbton an“, betont der Schmetterlingsexperte.

Der Ingenieur beschäftigte sich in seiner Freizeit zunächst mit Tagfaltern, bevor er die Welt der Nachtfalter für sich entdeckte. „Nachtfalter orientieren sich im Flug am Mond. Schon eine kleine Lichtquelle kann sie magisch anziehen“, weiß er. In seinen Augen sehen Nachtfalter nicht nur schön aus, sondern erfüllen als Bestäuber von Pflanzen auch eine wichtige ökologische Funktion. „Außerdem sind Nachtfalter für ­Fledermäuse eine ­wichtige Futterquelle“, wirft Bernd Kunz ein.

Der Libellen- und Fledermausforscher aus dem Jagsttal ist wie Uwe Knorr und Jörg Köhlich vom „Falter-Virus“ infiziert. „Der Bernd hat neulich in seinem Garten in Langenburg sogar einen Zaunrüben-Wickler entdeckt, der bisher in Baden-Württemberg extrem selten gemeldet wurde“, erzählt Uwe Knorr.

Allein der Name des Zaunrüben-Wicklers verrate schon viel über die Vorliebe der Raupen einzelner Nachtfalterarten für bestimmte Futterpflanzen, erklärt der Experte den Zuhörern. „Weitere Beispiele für die Speziali­sierung von Nachtfalter-Raupen sind Oleander-Schwärmer, Königskerzen-Mönch, Birkenspinner oder Pfaffenhütchen-Gespinstmotte“, erläutert Uwe Knorr. Während des Rundgangs zu den drei Lichttürmen entdecken die Teilnehmer weitere „Spezialisten“. „Das hier neben dem Gelbspanner ist ein Brombeerspinner“, erklärt Jörg Köhlich.

Gegen Mitternacht machen sich die meisten „Nachtschwärmer“ auf den Heimweg. Knorr und seine Kollegen halten länger durch. „Manche Nachtfalter fliegen erst nach Mitternacht ans Licht. Wir haben dann noch einen großen Pappelschwärmer entdeckt“, freut er sich.

Falter, Schlupfwespen und Schnaken

Obwohl sich der Aktionsradius von vielen Nachtfaltern laut Uwe Knorr in der Regel auf 30 bis maximal 50 Meter beschränkt, ist die Vielfalt bei der ersten Hohenloher Falternacht in Wackershofen erstaunlich: Kurz nach 22 Uhr „kleben“ neben Schlupfwespen, Hornissenköniginnen und Schnaken die ersten Nachtfalter an den weißen Netzen rund um die Lichttürme. Etwa 3000 Nachtfalterarten gibt es in Deutschland. Bei der Falternacht kommen die Experten auf knapp 40 Arten. „Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden, da auch die Temperaturen etwas kühler waren“, bilanziert Knorr.

Weitere Infos unter www.euromothnights.uw.hu.

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