Bühlerzell Hoffen auf keimfreies Wasser

Der Bühlerzeller Bauhofleiter Elmar Klaus (Mitte) und Martin Frank, Wasser- und Rohrnetzmeister bei der NOW (links), sowie Azubi Matthias Bak inspizieren den Sammelbehälter an der Rot.
Der Bühlerzeller Bauhofleiter Elmar Klaus (Mitte) und Martin Frank, Wasser- und Rohrnetzmeister bei der NOW (links), sowie Azubi Matthias Bak inspizieren den Sammelbehälter an der Rot. © Foto: Sigrid Bauer
SIGRID BAUER 14.08.2015
Weil das Wasser immer wieder mit Keimen belastet ist, hat das Gesundheitsamt jetzt die Reinigung des Sammel- und des Hochbehälters am Grafenhof angeordnet. Am Dienstag wurden Vorbereitungen getroffen.

Das Wasser aus dem Brunnen beim Weiler Röhmen hat eine sehr gute Qualität. Darin sind sich Martin Frank vom Crailsheimer Wasserversorger Nordostwasserversorgung (NOW) und der Bühlerzeller Bauhofleiter Elmar Klaus einig. Sie nehmen den Hochbehälter am Grafenhof und den Sammelbehälter bei Röhmen an der Rot in Augenschein und beraten über die Reinigung und die Desinfektion.

Der Sammelbehälter fasst 100 Kubikmeter Wasser und speist sich aus einem Tiefbrunnen ein paar hundert Meter weiter. Schon die schwere Abdeckung zeigt, dass die Anlage in die Jahre gekommen ist. "Heute sind Abdeckungen aus Edelstahl", erklärt Frank. So einen Deckel bekommt der Behälter demnächst auch.

Die Bewohner des Grafenhofs sind es leid, ständig Probleme mit der Wasserversorgung zu haben

Senkrecht führt eine Leiter in die Vorkammer. Dort sollte es eigentlich einen Schalter geben, um den Zulauf vom Brunnen her abzuschalten. Denn um den Behälter für die Reinigung leer zu bekommen, darf kein neues Wasser aus der Quelle nachfließen. Die Männer behelfen sich mit einem Trick und hängen die Elektrode, die je nach Wasserstand die Pumpe ein- und ausschaltet, in einen Eimer Wasser. Tatsächlich: Die Pumpe stoppt.

Wenn alles gut geht, ist sämtliches Wasser bis zum nächsten Tag im Hochbehälter am Grafenhof. Dann werden Boden und Wände mit einem Desinfektionsmittel geschrubbt. Nach einer Einwirkzeit von mehreren Stunden wird der Behälter ausgespült. Auch jetzt wirkt er nicht außergewöhnlich schmutzig, ebenso wenig wie der Hochbehälter direkt in der Siedlung, der nächste Woche an der Reihe ist. Wasserhochbehälter haben normalerweise eine zweite Kammer, um die Versorgung auch während der Betriebsarbeiten zu gewährleisten. So muss die NOW für die Notwasserversorgung der Grafenhofbewohner stattdessen einen Druckminderer installieren. Nach der Reinigung des Hochbehälters wird das Ortsnetz mit Chlor desinfiziert und durchgespült. Laut Landratsamt sollen die Arbeiten bis 20. August fertig sein. Ob sich mit diesen Maßnahmen die Keimzahl im Wasser verringern lässt, ist nach Franks Meinung nicht sicher. Auch Klaus bezweifelt es. Seiner Meinung nach ist das marode Leitungsnetz im Grafenhof, das immer wieder Rohrbrüche hat, die Ursache für die Verunreinigung des Wassers. "Aber wenn wir jetzt die Behälter reinigen, können wir danach ausschließen, dass sie schuld sind", stellt Frank klar. Die Bewohner des Grafenhofs sind es leid, ständig Probleme mit der Wasserversorgung zu haben.

Bewohner müssen Wasser schon über Monate abkochen

Ramona Kellner betreibt dort eine Pension. "Reines Trinkwasser haben wir nie bekommen, innerhalb eines Jahres haben wir das Wasser immer sechs bis neun Monate abkochen müssen", schimpft sie. Eine Frechheit des Insolvenzverwalters sei es deshalb, von den letzten sieben Jahren im Nachhinein Wassergebühren zu erheben, meint sie.

Manfred Kling hat von 1992 bis 2001 als "Mann für alles", wie er sagt, am Grafenhof gearbeitet. Mindestens fünfmal habe er beide Behälter gereinigt. "Das ist ein Super-Wasser", sagt er. Die Quelle liege im Wald, Landwirtschaft werde dort nicht betrieben. Aber das ganze Rohrsystem sei Murks. Eine Sanierung in der engen Ortschaft sei aber schwierig, auch weil die Leitungen zum Teil durch private Flächen verlaufen.

"Nach den ungezählten Rohrbrüchen besteht das halbe Netz aus Rohrverbindungen", sagt er. Jetzt ist er froh, dass das Landratsamt die NOW eingeschaltet hat. Wasser sei schließlich ein Grundrecht.

Gemeinde Bühlerzell sitzt auf Kosten von 40.000 Euro

Insolvenz Die Grafenhofsiedlung liegt auf der Gemarkung Bühlerzell. Das Wasserleitungsnetz gehört der Tele-Immobilien aus München. Ebenso andere Infrastruktureinrichtungen wie die Straße und die Straßenbeleuchtung. Die Tele-Immobilien hat Ende 2014 Insolvenz angemeldet. Insolvenzverwalter sind Pluta-Rechtsanwälte aus München. Die Gemeinde Bühlerzell ist in der Vergangenheit mehrfach eingesprungen, wenn die Wasserleitung wieder einmal defekt war. Der Eigentümer Alfred Ostermeier hatte dies trotz Aufforderungen nicht erledigt. Die Gemeinde ist laut Bürgermeister Franz Rechtenbacher auf ihren Kosten sitzen geblieben. Im Januar waren es schon mehr als 40.000 Euro.

KOR