Konzert Hoffen auf jüngere Verstärkung

Bezirkskantorin Stefanie Pfender gibt beim Männerprojektchor den Ton an.
Bezirkskantorin Stefanie Pfender gibt beim Männerprojektchor den Ton an. © Foto: Ralf Snurawa
Kirchberg / Ralf Snurawa 23.06.2018

Nicht ganz einfach sei Johann Christian Heinrich Rincks „Deine Güte, Herr, sei über uns“, betont Bezirkskantorin Stefanie Pfender bei der Probe am Donnerstagabend im evangelischen Gemeindehaus in Blaufelden. Teilweise geht sie die Stimmen des vierstimmigen Chorsatzes für Tenöre und Bässe einzeln durch.

Wo muss man die Noten lang aushalten? An welcher Stelle kann man dann am besten atmen? Wo ist das Tempo abzufangen? „Das ist ein Chorstück aus der Zeit der Romantik. Da muss man einen dichten Klangteppich weben“, merkt die Kantorin schon vorher zu Bernhard Kleins „Singet dem Herrn ein neues Lied“ an. Tänzerische Betonungen seien hier nicht mehr angebracht.

17 Männer und eine Frau

Denn davor hatte die Chorprobe für die 17 Männer und eine die zweite Tenorstimme mitsingende Frau, alle aus den Kirchenchören von Langenburg und Kirchberg sowie einzelne Sänger aus Rot am See und sogar Esslingen, nach Lockerungsübungen und Einsingen mit Giuseppe Ottavio Pitonis „Cantate Domino“ begonnen. Alle drei Werke werden vom Männerprojektchor, wie ihn die Kantorin genannt hat, am Sonntag im Gottesdienst in der Stadtkirche in Kirchberg zu hören sein, der um 9.30 Uhr beginnt.

Pfarrer Alfred Holbein, der den Gottesdienst halten wird, singt bei den Bässen mit. Er findet solch einen Projektchor sehr gut. Der bestehende Kirchenchor werde deswegen ja nicht abgeschafft. Und vielleicht schaffe man es auch, jüngere Sänger – das Durchschnittsalter liegt derzeit bei etwa 65 Jahren – für solche Einzelprojekte zu gewinnen: „Ich hoffe, dass sich im Gottesdienst noch mehr Sänger finden.“ Vorerst trete dieser Männerchor aber nur einmal auf. Das sei nächstes Mal möglicherweise anders: Dann könne man die einstudierten Werke auch in anderen Kirchen vortragen.

Bezirkskantorin Stefanie Pfender bereitet es jedenfalls sichtlich Spaß, einmal einen Männerchor zu leiten. Die Tenorstimmen seien gut besetzt. Es hätten in den tiefen Stimmen sogar ein oder zwei Bassisten mehr sein können. Alle seien wirklich gute Sänger, die problemlos vom Blatt singen könnten.

Entstanden sei die Idee bei einem Chorworkshop auf der Kapfenburg. „Wir Kantoren sind uns einig, dass die Zukunft des Chorsingens in Chorprojekten liegen wird“, ist sich Stefanie Pfender sicher. „Die regelmäßig probenden Chöre sind ein Auslaufmodell. Es fehlt der Nachwuchs, und die jungen Sänger haben keine Zeit und Lust mehr, sich für regelmäßige Proben und Auftritte zu verpflichten.“

„In voraussichtlich 10 bis 15 Jahren werden die klassischen Kirchenchöre – zumindest auf dem Land – nicht mehr singfähig sein. Da ist es hilfreich, wenn sich bis dahin einige Projekte etabliert haben, die zielgerichtet auf bestimmte Auftritte hinarbeiten.“ Erfahrungen konnte die Kantorin schon mit einem mehr Gospels, Spirituals und popartige Lieder singenden Projektchor sammeln: „Auch der Chor ‚Inspiration‘ ist aus meinen einmal jährlich stattfindenden Chorworkshops entstanden. Inzwischen hat der Chor 63 Sängerinnen und Sänger und probt sogar regelmäßig 14-tägig in Kirchberg.“ Sie fügt lachend hinzu: „Wer weiß, vielleicht habe ich in ein paar Jahren auch einen festen Männerchor?“

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