Schauspiel Hoffen auf die große Erbschaft

Zehn grundverschiedene Personen erhoffen sich eine große Erbschaft und keiner kennt den Erblasser. Im Zimmer des Herrenhauses kommt es zu unerwarteten Verhaltensweisen.
Zehn grundverschiedene Personen erhoffen sich eine große Erbschaft und keiner kennt den Erblasser. Im Zimmer des Herrenhauses kommt es zu unerwarteten Verhaltensweisen. © Foto: Fritz Rehm
Kupferzell / Fritz Rehm 14.07.2018

Die Sonne scheint am Samstagmorgen durch die offene Tür in Schlegels Scheune in Bauersbach, doch unbeirrt und hochkonzentriert agieren die Mitglieder der Theatergruppe „In Fraxino Vallium“ auf der kleinen Bühne. Die Schauspieler haben sich zur großen Probe in Kostümen eingefunden und spielen Szenen aus den fünf Akten des Dramas „Die Spielverderber oder Das Erbe der Narren“ von Michael Ende.

Text- und ablaufsicher bringen die Akteure das Geschehen des anspruchsvollen Stücks zur Geltung. Im Zimmer eines Herrenhauses, farblich zurückhaltend mit Ornamenten gestaltet und mit wenigen Requisiten ausgestattet, steht das Handeln und Tun der zehn grundverschiedenen Personen im Vordergrund. Neben zeitweise flackernden Kerzenleuchtern sind drei unterschiedliche Abbildungen des Erblassers Johannes Philadelphia an den Wänden des Raumes platziert. Niemand kennt ihn. Trotzdem haben sich alle zur Testamentseröffnung eingefunden und jeder erhofft sich eine große Erbschaft. Niemand weiß, was sich hinter der Erbschaft verbirgt, da jeder nur ein Stück des Testaments erhält.

Jeder gegen jeden

Um an das Erbe zu gelangen, müssen die Teile zusammengesetzt werden und fehlt nur ein Stück, bleibt der Inhalt des Testamentes unverständlich. Doch nach der Testamentseröffnung beginnt ein Kampf jeder gegen jeden. Misstrauen kommt auf und die gemeinsame Lösung rückt immer weiter in die Ferne. Selbst das Haus wendet sich gegen die egoistischen und geldgierigen „potenziellen Erben“.

Jeder der Darsteller präsentiert sich in seiner Rolle, als ob sie ihm auf den Leib geschrieben wäre. Ein Versicherungsdirektor mit Gattin und Tochter, die Lehrerin, der General und alle anderen Schauspieler beleben ihre eingeübten Rollen überzeugend.

Regisseur und Schauspieler Martin Wolfram sitzt aufmerksam im Zuschauerraum und beobachtet sein Ensemble, wenn er nicht gerade selbst auf der Bühne die Rolle eines Dieners mimt. „In Fraxino Vallium“ feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen und Wolfram führt seit Beginn erfolgreich Regie.

Er gestaltete auch das Bühnenbild und hat sich Sound-, Rauch- und Lichteffekte einfallen lassen, die in den sieben Aufführungen das Geschehen zusätzlich beleben. Selten, aber dann in ruhiger, freundlicher, überzeugender Art bringt er seine Ideen in das Bühnengeschehen ein und in gemeinsamer Besprechung kann jedes Ensemblemitglied seine Detail­anmerkungen einbringen. Dabei fällt in lockerem Rahmen auch manche lustige Bemerkung.

Die ganzjährigen Vorbereitungen der Akteure aller Altersgruppen umfasst bis zur Aufführung Leseproben, Rollenverteilung, Bühnenaufbau, Kostümgestaltung und viele Proben. Die Motivation hinter diesem Engagement beschreibt Schauspielerin Martina Groh so: „Es soll die Zuschauer unterhalten, zum Nachdenken anregen und Selbstkritik wecken, deshalb auch teilweise die plakative Darstellung der Akteure und ihrer Handlungen.“ Andere Ensemblemitglieder ergänzen, dass es auch für die Akteure selbst etwas bringt: „Man wird durch das Spielen mutiger, selbstbewusster und schaut auch mal selbstkritisch in den Spiegel.“

Sieben Aufführungen in der Scheune

„Die Spielverderber oder Das Erbe der Narren“ wird in Schlegels Scheune in Bauersbach an sieben Abenden aufgeführt. Der Name „In Fraxino Vallium“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Im Tal der Eschen“. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr und Einlass ab 18.30 Uhr.

Aufführungstermine Samstag, 14. Juli; Sonntag, 15. Juli; Freitag, 20. Juli; Samstag, 21. Juli; Sonntag, 22. Juli; Freitag, 27. Juli, und Samstag, 28. Juli.

Karten gibt es beim Landhotel Günzburg in Eschental und bei Martina Groh, Telefon 01 71 / 9 30 78 98.

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