Waldenburg Hof mit Zukunft - auch ohne eigene Nachfolger bzw. Eltern mit Hof

Helga und Ernst Denner waren beim Seminar dabei. In den 60er-Jahren übernahmen sie in Michelbach-Hirschfelden einen Hof.
Helga und Ernst Denner waren beim Seminar dabei. In den 60er-Jahren übernahmen sie in Michelbach-Hirschfelden einen Hof. © Foto: Veronika Grossenbacher
ELISABETH SCHWEIKERT 24.05.2016
„Hof mit Zukunft – auch ohne eigene Nachfolger“: Unter dieser Überschrift stand ein Seminar des Evangelischen Bauernwerks in Hohebuch.

Die Resonanz war nach Einschätzung des Evangelischen Bauernwerks sehr gut. Mehr als 30 Teilnehmer waren gekommen, um sich darüber zu informieren, wie es auch ohne eigene Nachfolger eine Zukunft für gut aufgestellte Betriebe geben kann. Drei Landwirte beziehungsweise Landwirtsfamilien waren als Referenten eingeladen und berichteten, wie bei ihnen der Generationswechsel außerhalb der eigenen Familie gelungen ist.

Keinen Hofnachfolger zu haben, kommt heute in den besten Familien und den schönsten Betrieben vor. Kinder können sich anders als früher in Freiheit für einen Beruf entscheiden – auch in der Landwirtschaft.

So suchen Landwirtsfamilien heute nach zukunftsfähigen und praktikablen Alternativen auch zur Hofaufgabe. Daneben gibt es aber immer mehr junge Menschen, die es in aller Freiheit in die Landwirtschaft zieht, junge Menschen mit landwirtschaftlicher Ausbildung, die nach Möglichkeiten suchen, sich eine landwirtschaftliche Existenz aufzubauen. Da sich hier Interessen ergänzen könnten, habe man bereits zum vierten Mal zum Thema „Außerfamiliäre Hofübergaben“ nach Hohebuch eingeladen, schreibt das Evangelische Bauernwerk. Veronika Grossenbacher vom Evangelischen Bauernwerk betonte einleitend, dass es für familienfremde Übergaben leider noch keine großen Erfahrungswerte gebe. Deshalb sei das Ziel der Tagung, vor allem Erfahrungen von gelungenen, außerfamiliären Generationswechseln zu präsentieren und zu kommunizieren. Der Tag solle aber auch Ort der Begegnung, des möglichen Kennenlernens und der Kontaktaufnahme von Interessenten sein.

Das Ehepaar Ernst und Helga Denner hatte bereits Ende der 60er-Jahre in Michelbach-Hirschfelden den Schritt gewagt, von „Fremden“ einen Hof zu übernehmen. Sie hatten einst mit den Übergebern nicht nur zusammengearbeitet, sondern auch unter einem Dach gelebt. „Das war fast wie eine Drei-Personen-Ehe“, beschreiben Denners das Zusammenleben mit der Altbäuerin. Ihr Rat heute lautet: „Nur in eine abgeschlossene Wohnung zu ziehen und vorher alles hieb- und stichfest schriftlich vereinbaren!“

Ingo Hiller betreibt mit seinen „Hofübergebern“ als Gesellschaft seit über zehn Jahren einen Milchviehbetrieb mit Futterbau, Ackerbau und Biogas auf der Schwäbischen Alb. Mit der GbR-Gründung vor zehn Jahren wurde der Betrieb stetig weiterentwickelt. 2014 erfolgte die Hofübergabe. Mit Erreichen des Rentenalters wird sein Compagnon und Hofübergeber aus er GbR aussteigen.

Auch die Familie Hiller kennt Zeiten sehr enger Wohnverhältnisse. Auch sie plädiert für klare Vereinbarungen, die den Alltag mit im Blick haben. „Neue Besen kehren gut, aber alte wissen, wo der Dreck liegt“, beschreibt Hiller augenzwinkernd die Herausforderungen des Hofalltags. Zum Heimischwerden gehöre auch eine gute Integration, also Engagement in Vereinen, in der Gemeinde und der Region.

Ulrike Hasenmaier-Reimer betreibt seit den 80er-Jahren mit ihrem Mann einen Bioland-Nebenerwerbsbetrieb in Gaildorf-Reippersberg. Sie betonte, wie wichtig es sei, rechtzeitig nach einem Hof beziehungsweise nach einem Nachfolger zu suchen. Denn in der Regel klappe es nicht beim ersten Interessenten. Ihre Hofübergeber hätten vor ihnen schon mehrere Kandidaten angeschaut. Auch sie hätten schon einige andere Höfe und Übergeber sondiert. „Das schärft den Blick dafür, was man wirklich will“, so Ulrike Hasenmaier-Reimer. „Bei unserem Zusammentreffen hatten beide Seiten bereits einen realistischen Blick dafür, was sie wollten, was geht und worauf es ankommt.“

Wo und wie man Höfe beziehungsweise Nachfolger finden kann, zeigte Veronika Grossenbacher abschließend auf. Das Evangelische Bauernwerk könne auf Anfrage gerne auch Kontakte zwischen Höfen und interessierten Junglandwirten herstellen, sei es zum Kennenlernen oder zum Reinschnuppern. Im Rahmen der Landwirtschaftlichen Familienberatung biete das Bauernwerk auch Beratung für Hofübernehmer wie Hofübergeber.