Wenn ein Bauer stirbt So bereiten Landwirte ihren Hof auf Schicksalsfälle vor

Aufmerksam lauschen die rund 200 Besucher in der Kirchberger Festhalle den Worten von Rechtsanwältin Nicole Spieß über Vorsorgemöglichkeiten.
Aufmerksam lauschen die rund 200 Besucher in der Kirchberger Festhalle den Worten von Rechtsanwältin Nicole Spieß über Vorsorgemöglichkeiten. © Foto: Oliver Färber
Kirchberg / Oliver Färber 18.01.2019
Bauernverband und Kreislandfrauenverbände informieren in Kirchberg über notwendige Dokumente und Vorsorgemöglichkeiten, wenn ein Angehöriger verunfallt oder schwer erkrankt.

Was Angehörigen und ihrem Betrieb geschehen kann, wenn Hofbesitzer sich nicht frühzeitig darum kümmern, wer für sie entscheidet, wenn sie plötzlich nicht mehr geschäftsfähig sind – das brachte am Dienstagabend so manchen Besucher in der Kirchberger Festhalle zum Grübeln. Nicole Spieß, Rechtsanwältin vom Landesbauernverband, schilderte anschaulich und auch mit Beispielen aus ihrer eigenen Familie, dass Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung besonders wichtig sind, wenn es darum geht, die Entscheidungen über Familie, Vermögen und letztlich sich selbst nicht den von Gerichten bestimmten Dritten zu überlassen.

Dass der Vortrag „Wichtige Angelegenheiten regeln“ auf großes Interesse stieß, wurde deutlich. Rund 200 Interessierte folgten der gemeinsamen Einladung des Bauernverbands Schwäbisch Hall-­Hohenlohe-Rems und der Kreislandfrauenverbände Hall, Hohenlohe, Rems-Murr und Crailsheim. Und sie stellten der Referentin etliche eigene Fragen.

Abschreckendes Beispiel

Ein junger Landwirt fällt nach einem Freizeitunfall ins Wachkoma, ohne seine Angelegenheiten geregelt zu haben. Ein Beispiel, das die Referentin nutzt, weil es jeden tagtäglich so treffen könnte. Das Gericht bestimmt einen Anwalt, der keine Ahnung vom Hof hat und zudem den Mann 400 Kilometer entfernt in eine Fachklinik verlegen lässt. Den Betrieb lässt er abwartend brach liegen. Seine Familie ist dagegen machtlos – und steht auch noch ohne Einkünfte da.

Eine Lösung wäre die Vorsorgevollmacht gewesen. Sie deckt nur höchstpersönliche Geschäfte wie Hochzeit oder Erstellen eines Testaments nicht ab. Für die Vollmacht gibt es Vorlagen. Geregelt wird darin, wer stellvertretend Entscheidungen in Sachen Gesundheitssorge, Aufenthalt, Behördengänge, Vermögenssorge, Post- und Fernmeldeverkehr oder Vertretung vor Gericht treffen darf. Wichtig sei, dass angegeben werde, dass sie auch über den Tod hinaus gelte. „Sonst können Sie nach dem Tod erst wieder handeln, wenn ein Erbschein vorliegt“, so die Anwältin.

Vollmacht zum Notar bringen

Ihr Tipp lautete, das Schriftstück bei einem Notar zu hinterlegen: Zum einen ist es dort sofort abruf- und auffindbar, die Echtheit ist bestätigt, und in Notfällen können auch Kliniken über eine Registrierung beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer abfragen, ob es eine solche Vollmacht gibt. Außerdem riet sie Eheleuten, sich nicht nur gegenseitig als Berechtigte einzusetzen, sondern eine dritte Person. „Wenn man gemeinsam unterwegs ist und einen Unfall hat, kann man sich ja eventuell nicht mehr gegenseitig vertreten“, gab sie zu bedenken.

Außerdem sehe sie es als sinnvoll an, eine Patientenverfügung zu erstellen. „Sie ersparen Ihren Angehörigen viele Qualen, weil Sie damit selbst entscheiden, wie und ob Sie behandelt werden möchten“, so Spieß. Darin sollten aber allgemeine Formulierungen wie „qualvolles Leiden“, „erträgliches Leben“ oder „Apparate­medizin“ vermieden werden. „Darunter versteht jeder etwas anderes“, so die Anwältin. Auch dafür gebe es eine Vielzahl an Vorlagen. „Aber das eine richtige Muster gibt es nicht. Jeder muss die Verfügung für sich selbst zusammenstellen“, meinte sie.

Info Weitere Unterstützung gibt es beim Bauernverband. Vorlagen bietet auch das Bundesministerium für Justiz im Internet unter www.bmjv.de. Unter Telefon 0 30 / 1 82 72 27 21 können sie auch kostenlos angefordert werden.

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