Fassfabrik Hessentaler Fassfabrik: Erst Technologieführer, dann Pleite

Der Brand am 11. Oktober 1978 in der Fassfabrik in Hessental. Das Foto entstand am Tag danach.
Der Brand am 11. Oktober 1978 in der Fassfabrik in Hessental. Das Foto entstand am Tag danach. © Foto: Archivfoto: HT
Hessental / DANIEL STIHLER 17.04.2014
Von der kleinen Sägemühle zum größten Haller Unternehmen - und ein Ende in der Insolvenz. Die "Geschichte der Fassfabrik" wird beim ökumenischen Seniorenkreis in Steinbach vorgetragen.

Keimzelle der Fassfabrik war die "Waschbachmühle", eine kleine Sägmühle am Waschbach oberhalb von Steinbach. 1884 wurde sie durch den "Mühlenarzt" - gemeint ist ein Mühlenbauer - Karl Sauter gekauft. Er begann 1890 nebenher die Herstellung von Fassdauben. Nach zwei tödlichen Unfällen beim Langholztransport verlegte sein Nachfolger den Betrieb 1909 aufs heutige Firmengelände.

Bei einem holzverarbeitenden Betrieb war die Brandgefahr immer präsent. Zu einem ersten verheerenden Feuer kam es am 29. und 30. Juni 1914. Wilhelm Sauter verkaufte später die Firma krankheitsbedingt an seinen bisherigen Teilhaber, den Ingenieur Karl Kurz.

Brände zerstören mehrmals den Betrieb

Wie in allen Betrieben stand ab 1939 die Produktion militärisch relevanter Güter im Mittelpunkt. 1944 betrugen die Wochenarbeitszeiten mindestens 60, teilweise 72 Stunden. Neben der Fabrik entstand 1944 ein Barackenlager für 350 in der Fassfabrik eingesetzten Zwangsarbeiter - das waren Kriegsgefangene oder verschleppte Zivilisten. Eine dieser Baracken wird derzeit im Hohenloher Freilandmuseum restauriert und soll eine Ausstellung über das Thema Zwangsarbeit aufnehmen.

Wie andere Unternehmer der Region widersetzte sich Karl Kurz den Versuchen des NSDAP-Kreisleiters Bosch, eine Umsetzung des Hitlerschen "Nero-Befehls" zu erzwingen und Industrie und Infrastruktur zu zerstören. Kurz riet anderen Unternehmern, notfalls die verbliebenen Arbeiter zu bewaffnen und sich gewaltsam gegen Sabotageversuche zu wehren.

In den 1960er-Jahren umfasste die "Fassfabrik" - seit 1963 offiziell "Karl Kurz KG" das Hauptwerk in Hessental sowie drei Zweigwerke. Insgesamt hatte die Firma in dieser Zeit rund 1200 Beschäftigte, darunter "Gastarbeiter" aus Südeuropa.

Die im Firmenarchiv erhaltenen Korrespondenzen verweisen auf ein weltumfassendes Netz an Geschäftsverbindungen, das Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien umfasste. Von Fässern hatte sich die Produktpalette auf Verpackungen und Großbehälter aus Holz, Sperrholz, "Fibre" (Pappe), Kunststoff und Stahl sowie Paletten und Bottiche ausgeweitet. Außerdem gab es eine eigene Maschinenbauabteilung.

Die K. Kurz KG war auch ein Pionier bei der Herstellung von Kunststoffbehältern. Die Firma arbeitete eng mit Porsche zusammen und fertigte bereits 1967 erstmals Kraftstofftanks aus Kunststoff für den Sportwagenhersteller.

Zu spät zahlen sich Investitionen aus: Bankrott tritt ein

Nach dem Tod von Karl Kurz kam es am 11. Oktober 1978 zum schlimmsten der immer wieder auftretenden Feuer auf dem Firmengelände. Beim Brand zweier Gebäude kam es zu einem auf bis zu 10 Millionen D-Mark geschätzten Schaden.

Zum 100-Jahr-Jubiläum 1990 zeigte sich die Firma gut aufgestellt. Kurz galt als führend im Bereich der Blastechnologie, mit deren Hilfe kompliziert geformte Wasser- und Kraftstofftanks oder Filtergehäuse aus Kunststoff für Autos, Lastwagen und Traktoren hergestellt wurden. Die Automatisierung hatte die Mitarbeiterzahl auf 430 zurückgehen lassen. Die lange Geschichte der K. Kurz KG endet 1998 mit dem Konkurs. Ausschlaggebend dürfte gewesen sein, dass einerseits immense Investitionen notwendig waren, um technologisch an der Spitze zu bleiben, diese sich aber andererseits erst mit erheblicher Verzögerung bezahlt gemacht haben. Diese finanzielle Lücke konnte das Unternehmen nicht überbrücken. Im Jahr 2000 verloren die letzten 35 Mitarbeiter des Nachfolgers "AK Euroform" ihre Arbeitsplätze.

Autor Daniel Stihler ist Archivar im Haller Stadtarchiv. Der Artikel ist ein Auszug aus dem Vortragsmanuskript.

Karl Kurz: Er verabscheute die Nationalsozialisten
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