Schwäbisch Hall Helmut Schleich bietet in der Haller Hospitalkirche eine fulminante Kabarett-Show

MONIKA EVERLING 07.05.2015
"Jetzt hab' ich ja schon ein Dach über dem Kopf." Ein nur scheinbar harmloser Satz, den "die Bestie von Doddlbach" ausspricht. Helmut Schleich schafft in Hall vor 220 Zuschauern jede Menge Überraschungseffekte.

Es fängt ganz unschuldig an: Ein Mann sitzt am Tisch und berichtet von Bankgeschäften. Sein Kreditinstitut hat ihm eine Umschuldung für sein Haus angeboten. "Aber jetzt hab' ich ja schon ein Dach über dem Kopf" - die JVA. Dafür musste "die Bestie von Doddlbach" allerdings über Leichen gehen. "Natürlich hab' ich den derschossen!", erinnert er sich in fränkischem Dialekt an einen Bauarbeiter, der vor seinem Haus die Straße aufriss. Oder an einen Wirt: "Der war tot - na gut, des wor a alter Mann, aber s'is trotzdem peinlich." Helmut Schleich bringt dies unvergleichlich trocken auf die Bühne - ein verblüffender Einstieg in sein Kabarettprogramm.

Das wird aber schnell politischer. Schleich macht der Autoindustrie und der Politik Vorwürfe, dass die Technik sich in relevanten Bereichen kaum weiterentwickelt. Heute würden die Autos ja an jeder Ampel ausgehen, und das gelte dann als umweltschonend. Aber: "Mein erstes Auto vor 25 Jahren, des is auch schon an jeder Ampel ausganga!"

Oder er philosophiert in Gestalt des sich ständig verhaspelnden Heinrich von Horchen, fiktiver Gesangslehrer von Marika Rökk und Joopi Heesters, über die Geschichte der Spionage: Früher, als noch alles Abgehörte in "Wachswaxln - Watzwaxln - Wachswatzln" geritzt werden musste, habe die Spionagesaison nur von September bis April gedauert, weil im Sommer die "Watzwaxln" weggeschmolzen seien. Und zur Zeit der alten Ägypter seien die Informationen gar in Stein gemeißelt worden. Das habe sich allerdings nicht verbergen lassen: "Wie wollen Sie leise meißeln?" Daher komme der bis heute bekannte Spruch "vorm Hören sagen".

Heinrich von Horchen, die Bestie von Doddlbach, der Ministerpräsident des sagenhaften slawischen Landes Kitschakirsitien ("Alle Kitschakirsitier haben deutsche Wurzeln - aus den Wurzeln wir machen Schnaps!") - und nicht zuletzt der legendäre Franz-Josef Strauß: Schleich schlüpft in ganz verschiedene Rollen und beweist sich dabei als hervorragender Schauspieler.

Zum Beispiel Strauß: Schleich lässt den Kopf zwischen die Schultern sinken, greift sich mit beiden Händen an den Kragen, wippt auf und ab und zieht über die heutige Polit-Prominenz vom Leder: "Der Seehofer bringt dem Papst einen Frresskorrb mit bayerischen Spezialitäten: Weißwürschte in Dosen, Honig und Kaffee. Kaffee - eine bayerische Spezialität! Zu meiner Zeit hat mer so was in die DDR g'schickt!" Und dann ein Satz, der wunderbar in die Hospitalkirche mit ihren barocken Putten passt: "Welcher Merkel-Wähler wollte denn, dass dieses g'wamperte Barock-Engerl Gabriel an'd Regierung kommt?"

Die Zuschauer in der fast voll besetzten Haller Hospitalkirche geben ihrer Begeisterung mit viel Beifall, Pfiffen und Bravo-Rufen Ausdruck.

Info Die nächste Veranstaltung in der Kabarett-Saison des Konzertkreises Triangel und des Haller Kulturbüros bestreitet Hagen Rether. Er tritt am Freitag, 22. Mai, ab 20 Uhr im Neubau-Saal auf. Karten beim Kartenkontor, Telefon 0791/751-600.