Sky Heimische Gastwirte trifft Gebühr des Bezahlsenders Sky

Region / JÜRGEN STEGMAIER 21.08.2014
„Ich müsste pro Spieltag einen Umsatz von 800 Euro machen. Das ist ausgeschlossen“, sagt Nicol Hänle, Wirt der Sportsbar Spacs. Sogar den dreifachen Betrag als im Vorjahr hat das Sonneck zu zahlen.
Die beiden Gaststätten in Gschlachtenbretzingen beziehungsweise Gottwollshausen tun sich schwer mit der neuen Abo-Gebühr, die ihnen der Bezahlsender Sky für die Übertragung der Fußball-Bundesliga berechnet.

„80 Prozent aller Gewerbekunden müssen 30 Prozent mehr Abogebühren zahlen, wir haben massiven Ärger“, sagt ein Sprecher des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Sky hatte seine Gebühr bereits im Vorjahr deutlich angehoben, davon waren das Sonneck und Spacs aber nicht betroffen. Gasthäuser und Kneipen in ländlichen Regionen erhielten damals sogar einen Rabatt.

Umso mehr erstaunt sind die Wirte über das, was ihnen Sky wenige Wochen nachdem Deutschland Weltmeister geworden ist, auf den Tisch legt. „Wir können es uns nicht erklären“, sagt Stephanie Stöcker vom Sonneck, „wir müssen etwa dreimal mehr zahlen als im Vorjahr.“ Für das Gasthaus würde sich das Abo, für das jetzt monatlich mehr als 800 Euro zu zahlen sein dürften, nicht mehr rentieren, macht die Tochter des Wirts Lothar Klenk deutlich. Andererseits wolle man die Fußball-Gäste nicht verlieren. Die WM bescherte dem Sonneck einen großen Erfolg. Bis zu 280 Gäste sahen die Spiele der deutschen Mannschaft. „Die Stimmung war gigantisch“, erzählt Stephanie Stöcker.

Nicol Hänle von der Sportsbar Spacs hat seinen Vertrag mit Sky zunächst einmal gekündigt. Er hofft auf eine neue Bewertung. Angeblich bemisst Sky seine Gebühren nach den Kriterien: Stadt mit oder ohne Bundesliga-Verein, Kaufkraft der Region sowie Größe des gastronomischen Betriebs. „Das ist eine absolute Frechheit. So viel Geld kann ich nicht ausgeben.“ Der Wirt rechnet vor, dass er pro Spieltag 800 Euro Umsatz machen muss, nur um die Sky-Gebühr zahlen zu können. „Damit ist die Schmerzgrenze überschritten.“

1400 Euro monatlich für Sky

Im Spacs treffen sich in aller Regel Fans des VfB. Haben die Stuttgarter ein Heimspiel, pilgern viele Fans in die Mercedes-Arena. Sie haben Dauerkarten. Weil der VfB in der Champions-League nicht vertreten und im DFB-Pokal bereits ausgeschieden ist, sind weitere lukrative Übertragungstermine nicht zu erwarten, so Nicol Hänle. Weil der alte Vertrag im Spacs noch bis Ende August läuft, sind die ersten Spieltage der neuen Saison, die heute mit der Partie Bayern München gegen VfL Wolfsburg beginnt, dort zu sehen.

Noch schlimmer habe es einen befreundeten Gastwirt getroffen, erzählt Nicol Hänle. Dieser habe in Stuttgart-Untertürkheim Monat für Monat 1400 Euro an Sky zu bezahlen.

„Vereinsheime werden anders bewertet“, weiß Uli Maier vom TSV Gaildorf. Der Verein müsse im Jahr zwischen 1700 und 1800 Euro an Sky überweisen. „Das ist viel genug. Um das zu erwirtschaften, müssen wir einiges verkaufen.“ Bei entscheidenden Spielen, beispielsweise in der Champions-League seien bis zu 100 Gäste im Vereinsheim. Das Interesse für die Bundesliga-Partien sei breit gefächert. Allerdings stehen der VfB sowie Bayern München bei den Fans besonders im Fokus.

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