Schwäbisch Hall Handwerker belagern das Palais

Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 10.12.2013
Kabel werden verlegt, Staub rieselt herab, Architekten schreiten durch die Räume: Das Engelhardt-Palais ist derzeit eine große Baustelle.

Eine Miniatur-Autobahn mit 20 Kabeln läuft unterhalb der Stuckdecke entlang. Elektriker Pascal Koßatz fügt noch weitere Stränge hinzu, die am Ende unter dem Kabelkanal verschwinden werden. "Das ist halt ein Altbau, man muss die Leitungswege finden", erläutert er von der Leiter herab. Das sei kein Problem, bereite aber viel Arbeit. Die Verzierungen dürften nicht zerstört werden.

Das Palais im Besitz der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist steht seit September 2011 leer. Die Musikschule zog damals ins Kocherquartier. Die Stadtverwaltung suchte nach einer Nachfolgelösung. Eine Nutzung als Wohn- und Geschäftshaus lehnte der Gemeinderat ab.

Im Mai 2014 wird dort wieder Licht brennen: Wo einst Musik erklang, werden dauerhaft Lehrer und Dozenten ihre Schüler fit für Pflegeberufe machen. Um Platz für den Klinik-Neubau zu schaffen, führt das Diak Büros und Klassenzimmer der Pflegeschule zusammen, die an zwei Standorten auf dem Gelände verteilt sind.

Im Frühjahr wird die Außenfassade gestrichen

Bis dahin ist es noch viel Arbeit. "Es ist eine F-90-Wand" - Architekt Hansjörg Stein klingt erleichtert, als er auf ein Loch zeigt. Stein leitet den Umbau und muss sich dabei vor allem mit Brandschutzfragen auseinandersetzen. "F-90 bedeutet, dass die Wand 90 Minuten dem Feuer Stand hält", sagt Stein. Ein Blick hinter den Putz habe gezeigt: Das hält die Wand aus. Teure Gipsplatten muss man nun nicht mehr extra draufsetzen.

"Wir haben nur eine Fluchttreppe", erläutert Stein das Brandschutzkonzept. An sich wäre das zu wenig für eine Schule. Daher haben sich die Planer gemeinsam etwas Besonderes einfallen lassen. Im Brandfall wird ein Überdruck im Treppenhaus erzeugt, der den Rauch wegbläst und so den Fluchtweg freihält. Zudem werden Feuerleitern angebracht - an der Seite des Hauses, die dem Kocherquartier zugewandt ist.

Ziemlich genau eine halbe Million Euro darf der Umbau kosten. Die komplette Elektrik wird erneuert, eine Brandmeldeanlage eingebaut, alle Wände werden gestrichen. "Es entstehen 14 Büros, sieben Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer und ein Aufenthaltsraum", zählt Dieter Koch, Leiter der Hochbauabteilung, auf. 1100 Quadratmeter beträgt die Hauptnutzfläche, die für 150 Personen bestimmt ist.

Nach außen sichtbar wird die Renovierung im Frühjahr. Dann erhält das Stadtpalais einen neuen Anstrich und die historische Gasse wird noch mehr herausgeputzt.

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