Region Handwerker befürchten Abschaffung des Meisterbriefs

Edith und Erich Köhnlechner aus Gaildorf wurden im zurückliegenden Jahr mit dem Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet. Sie ist Weberin, er Elektroinstallateur. Die beiden Handwerker sind ein gutes Beispiel dafür, dass der Meisterbrief Tradition hat.
Edith und Erich Köhnlechner aus Gaildorf wurden im zurückliegenden Jahr mit dem Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet. Sie ist Weberin, er Elektroinstallateur. Die beiden Handwerker sind ein gutes Beispiel dafür, dass der Meisterbrief Tradition hat. © Foto: Ute Bartels/Archiv
Region / JÜRGEN STEGMAIER 25.11.2014
Die EU-Kommission will alle reglementierten Berufe unter die Lupe nehmen. Handwerker befürchten, dass dadurch die Erkenntnis gewonnen werden könnte, der Meisterbrief solle abgeschafft werden.

Wenn Berufe weniger reglementiert sind, so die Annahme der EU-Kommission, würde das zu mehr Wettbewerb führen, zu niedrigeren Preisen für Verbraucher, zu mehr Arbeitsplätzen und schließlich zu höherem Wirtschaftswachstum.

"Für die Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken ist das aber viel zu kurzfristig und kurzsichtig gedacht. Wachstumsimpulse sind nur nachhaltig, wenn auch die Ausbildungsleistung und die Qualifikation auf einem hohen Niveau bleiben - und dafür sorgen hauptsächlich die deutschen Meisterbetriebe im Handwerk", formuliert die Handwerkervertretung. Sie richtet einen Appell an die Bundesregierung und die Europäische Kommission. Darin spricht sie sich eindeutig für den Erhalt des Meisterbriefs aus.

Grundlage für stabile Existenzgründungen

Der EU-Argumentation folgt Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, nicht - zumindest was das Infragestellen des Meisterbriefes anbetrifft. Bei der Herbst-Vollversammlung der Handwerkskammer gab sich Bopp davon überzeugt, dass die Meisterpflicht kein Wettbewerbshemmnis, sondern sogar wettbewerbsfördernd sei. "Lasst uns doch den Meisterbrief exportieren, anstatt ihn abzuschaffen", sagte Bopp in Richtung Brüssel.

Der Meisterbrief als großer Befähigungsnachweis für die selbstständige Ausübung eines Handwerks habe sich über Jahrzehnte hinweg bewährt. Er sei Garant für hohe Kompetenz, für Qualität und Verbraucherschutz und sorge für stabile Existenzgründungen und eine anerkannt hohe Ausbildungsleistung im Handwerk.

In der Resolution wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Bedeutung des Meisterbriefs im deutschen Handwerk im Gesamtzusammenhang mit der dualen Ausbildung zu betrachten sei. Der Erfolg des dualen Berufsbildungssystems, das international als Vorzeigemodell gelte, beruhe auf dem Meisterbrief als Befähigungsnachweis im Handwerk, so die Kammer.

Herbstsitzung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken: Mehr Mut zur Bildung

Schwerpunkt Die Herbstsitzung der Vollversammlung der Handwerkskammer hatte einen Schwerpunkt: Aus- und Weiterbildung. Der Bericht von Markus May, Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer, war ein Plädoyer für mehr Mut zur Bildung im Handwerk. Es werde nach wie vor zu wenig in die Weiterbildung investiert, obwohl diese durch neue Technologien immer wichtiger werde. Er appellierte auch an kleinere Handwerksbetriebe: "Geben Sie bildungswilligen Mitarbeitern die Chance sich weiterzubilden." Außerdem sichere Weiterbildung auch die Existenz des Betriebes. Bei der Ausbildung forderte Markus May mehr Initiative von den Betrieben. "Es müssen mehr und bessere Ausbildungsplätze geschaffen werden, die für junge Menschen attraktiv sind."

Erfolg Kerstin Lüchtenborg, Leiterin der Abteilung Berufsbildung, vermeldete ein Plus von über vier Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen bis Ende Oktober. Kammerpräsident Ulrich Bopp freute sich über die guten Zahlen. "Wir dürfen uns aber nicht durch diesen Zwischenerfolg blenden lassen, denn mittelfristig sind auch unsere Ausbildungszahlen rückläufig", mahnte er. Zur Sicherung des Nachwuchses forderte Bopp eine fundierte Berufsorientierung an der Schule, die Schülern und Eltern die Erkenntnis vermittelt, dass der akademische Weg und die berufliche Ausbildung gleichwertig sind. Die im Europa-Vergleich niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland führt Bopp vor allem auf die breit angelegte berufliche Bildung zurück.

SWP

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