Energie Haller verkaufen Ottobrunner Netze an München

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 03.08.2018
Die Stadtwerke Hall haben ihre im Jahr 2006 gegründete Gesellschaft abgegeben, da die Bayern auf Ökoenergie setzen und ein gutes Angebot machen.

Die Bürger von München haben für das Aus des Steinkohlekraftwerks im Norden der Stadt gestimmt: Der Kohle-Ausstieg wird bis 2022 vollzogen.

Doch was hat diese Meldung mit Schwäbisch Hall zu tun? Sehr viel. „Im Jahr 2006 kauften wir das damalige Stromnetz von der Eon in Ottobrunn bei München“, berichtet Thomas Hoppenz. Der Prokurist der Stadtwerke Schwäbisch Hall wurde im weiteren Verlauf zudem Geschäftsführer der Energieversorgung Ottobrunn (EVO). Der Masterplan stammt vom Energiepionier Johannes van Bergen: In Zeiten liberalisierter Märkte werden von großen Konzernen Konzessionen abgerungen, um Stadtwerke in anderen Orten zu gründen.

„Das funktioniert in Ottobrunn gut. Wir haben die Fernwärmesparte ausgebaut, zudem Gas angeboten und Strom“, sagt Hoppenz. „Grundsätzlich glauben wir an den Querverbund.“ Die ganze Energie an einem Ort soll aus einer Hand kommen. Mit Betreibern zweier Geothermieanlagen wurden Verträge geschlossen, ein zwölf Kilometer langes Fernwärmenetz angelegt.

Und jetzt kommt die Stadt München ins Spiel. Da das dortige Versorgungsunternehmen auf der Suche nach Kohle-Alternativen ist, hat es die beiden Geothermieanlagen gekauft. Zudem haben die Stadtwerke München Interesse am Leitungsnetz gezeigt. Der Clou: Mit einer Leitung von Ottobrunn könnte das benachbarte München erreicht werden. „Ehe wir Parallelstrukturen aufbauen, haben wir nach anderen Lösungen gesucht“, erläutert Hoppenz.

Denn trotz aller Erfolge – offensichtlich wurden alle Investitionen in die Leitungen durch Entgelterlöse mehr als aufgewogen – gab es Sorgen. Die Stadtwerke Hall wurden zwar beim Aufbau des Fernwärmenetzes von der Stadt Ottobrunn unterstützt. „Eine tiefere kommunale Partnerschaft, die wir gewünscht hätten, ist nicht gelungen“, erläutert Hoppenz. Zweites Manko: Die Stadtwerke München als neuer Eigentümer der Geothermieanlagen hätten zwar die bestehenden Lieferverträge einhalten müssen. Doch was wäre bei einer anstehenden Vertragsverlängerung passiert? Die Münchner wären am längeren Hebel gesessen.

Unter dem Strich sei der  Aufbau der Stadtwerke Ottobrunn „ein sehr gutes Konzept und sehr ertragreich“ gewesen, lässt Hoppenz durchblicken.

In den jetzigen Verkaufspreis spielen auch die auf die  Laufzeit der Konzessionen hochgerechneten, zukünftigen Gewinne mit rein. Daher könnte der Preis mutmaßlich die Zehn-Millionen-Euro-Marke übersteigen. Hier schließt sich der  Kreis zu der Frage: Was  interessiert es einen Haller, wenn in Ottobrunn ein Unternehmen verkauft wird? Die Stadtwerke Hall sind ein kommunales Tochterunternehmen. Über die Verwendung der Gewinne entscheidet der Gemeinderat. Ein großer Teil des Gewinns landete in den Vorjahren in der Stadtkasse und kam letztendlich den Bürgern zugute.

Die Vertragspartner haben über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart. Hoppenz bleibt bis Ende des Jahres noch Geschäftsführer der Energieversorgung Ottobrunn. „Ich werde auch danach noch genügend Aufgaben haben“, sagt der Chef der Netze bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall.

21 500 Bürger beliefert

Die Energieversorgung Ottobrunn (EVO) versorgt rund 21 500 Ottobrunner. Sie betreibt ein Stromnetz mit rund 280 Kilometer Länge und ein Fernwärmenetz mit knapp zwölf Kilometer Länge.

Das Unternehmen wurde 2006 von den Stadtwerken Schwäbisch Hall (SWH) gegründet und war bisher zu 100 Prozent in deren Eigentum. Jedes Jahr verzeichnete die EVO einen Kundenzuwachs von 10 Prozent im Direktvertrieb von Strom. 25 000 Megawattstunden Fernwärme wurden pro Jahr durchs Netz geleitet. Der Schwäbisch Haller Gemeinderat hat dem Verkauf zugestimmt.

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