Schwäbisch Hall Haller unterstützt in Kobanê den Aufbau eines Gesundheitszentrums

BETTINA LOBER 09.12.2015
Seit Sommer baut ein Verein mit Freiwilligen in der lange umkämpften nordsyrischen Stadt Kobanê ein Gesundheitszentrum auf. Wilhelm Maier aus Hall hat dort auch für einige Wochen mit angepackt. Mit Bildergalerie.

"Mittlerweile sind die Straßen vom Schutt befreit", erzählt Wilhelm Maier, "aber rund 80 Prozent der Häuser sind zerstört." Die Rede ist von Kobanê - jener Stadt, die zum Symbol des erfolgreichen Widerstands gegen den so genannten Islamischen Staat (IS) im Norden Syriens wurde. Wilhelm Maier kehrte kürzlich von seinem humanitären Einsatz zurück. Der 68-Jährige gehörte zu einer Gruppe Freiwilliger, die mithelfen, dort ein Gesundheitszentrum aufzubauen. Täglich wurde neun Stunden gearbeitet. Maier war im Bereich Innenausbau eingesetzt, Wasser- und Stromleitungen wurden verlegt, Fenster eingebaut. Der Rohbau aus Beton wurde mit traditionellen Lehmziegelsteinen und einer Isolierung aus Stroh ergänzt. Insgesamt 170 Helfer aus zehn Ländern, sie nennen sich internationale Brigaden, kooperieren mit Arbeitern vor Ort.

Zum Zentrum gehören Arztpraxen, ein Operationssaal, eine Apotheke, ein Röntgenraum und vieles mehr. Das Projekt wird vom Solidaritäts- und Förderverein Gesundheitszentrum Kobanê sowie von der Internationalen Koordinierung revolutionärer Parteien (ICOR) organisiert. Sie arbeiten eng mit kurdischen Institutionen und der Selbstverwaltung der nordsyrischen Region Rojava zusammen.

Er habe sich fit genug gefühlt, um nach Kobanê zu reisen und anzupacken, erzählt Wilhelm Maier. Eigentlich ist er Grund- und Hauptschullehrer. Er hat in Braunsbach, in den Schulzentren Ost und West in Hall sowie an der Sprachheilschule im Rollhof unterrichtet. Und er ist ein erfahrener Heimwerker. Was seine Frau zu seinen Plänen sagte? "Sie hat mir zugeraten." Und die Sicherheit? "Das ist kalkulierbar."

Weil die Türkei die Grenze bei Kobanê abriegelte, mussten Maier und weitere Mitstreiter zunächst nach Sulaimaniyya im Nordirak fliegen. Die irakisch-kurdische Regierung ließ sie aber nicht weiter. Während des Wartens studierten die Helfer die Baupläne, und Maier feierte seinen 68. Geburtstag. Nach sechs Tagen ging es auf die 1100 Kilometer lange Etappe nach Kobanê - eskortiert von Kämpfern der Selbstverwaltung.

Mit dem Gesundheitszentrum in Kobanê soll die Bevölkerung vor Ort unterstützt werden, vor allem die Kurden, erklärt Maier: "Ich finde, es ist ein gutes Beispiel, wie man Fluchtursachen bekämpfen kann." Bereits seit Ende Januar, als der IS aus Kobanê vertrieben wurde, seien rund 160000 Menschen wieder zurückgekehrt. In Rojava werde ein demokratisches Gemeinwesen aufgebaut, in dem Bevölkerungs- und Religionsgruppen friedlich zusammenleben.

Allerdings seien die offenen Kriegshandlungen mit dem IS nur 50 Kilometer entfernt. Maier erzählt von immensen Sicherheitsvorkehrungen, von abgestuften Kontroll-Ringen innerhalb der Stadt. Auch die Baustelle des Gesundheitszentrums sei Tag und Nacht von Männern mit Kalaschnikows bewacht gewesen. "Man durfte das Gelände nicht einfach so verlassen", sagt Maier.

Aber die Stadt sei wieder mit Leben erfüllt, "es gibt Läden, eine wiederaufgebaute Brotfabrik, man kann Lebensmittel kaufen". Der Elan, mit dem der Schutt weggeräumt und die Häuser wiederaufgebaut werden, sei bewundernswert. Die Einheimischen schöpften Hoffnung daraus, "dass es Menschen gibt, die kommen, helfen und ihnen zur Seite stehen". Die große Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen in Kobanê hat Wilhelm Maier überrascht - und sie hat ihn tief berührt.

Info Wilhelm Maier berichtet am Donnerstag, in der Freischwimmerei (Auwiesenstraße 3) in Hall über das Gesundheitszentrum Kobanê, er zeigt Fotos und Filme. Bei der Veranstaltung gibt es auch ein kurdisches Büfett. Einlass ist um 18 Uhr, das Programm beginnt um 19.30 Uhr. Überdies wird Maier seinen Vortrag erneut am 28. Februar um 11 Uhr im Lemberghaus halten.

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