Schwäbisch Hall Haller Umweltzentrum kritisiert Flächenverbrauch und geringen Einfluss

Der Diplom- Biologe Martin Zorzi leitet das Haller Umweltzentrum in der Gelbinger Gasse. Foto: tob
Der Diplom- Biologe Martin Zorzi leitet das Haller Umweltzentrum in der Gelbinger Gasse. Foto: tob
Schwäbisch Hall / HS 17.01.2014
"Verheerende Auswirkungen" auf die Natur habe der Bauboom in der Region. Das beklagt Martin Zorzi vom Umweltzentrum in Schwäbisch Hall.

Von einer "ernüchternden Bilanz" schreibt Martin Zorzi in einem Brief zum Jahreswechsel an die Mitglieder und Freunde des Haller Umweltzentrums. Der Kreisgeschäftsführer des Verbands beklagt den massiven Flächenverbrauch durch neue Bau- und Gewerbegebiete. Hinzu komme meist eine noch intensivere Nutzung der verbleibenden Äcker durch die Landwirtschaft.

Gerade in Schwäbisch Hall wird derzeit viel gebaut: Die Flächen für Industrie und Gewerbe in der Stadtheide und in der Kerz (Gemarkung Michelfeld) werden deutlich erweitert. Bestehende Wohngebiete wie die Kreuzäcker erhalten Zuwachs. Neu geschaffene Areale wie die Mittelhöhe in Hessental oder das Gebiet An der Breiteich dehnen sich aufgrund der großen Nachfrage schneller aus als zunächst gedacht. Landesweit wird derzeit täglich eine Fläche, die in etwa zehn Fußballfeldern entspricht, zur Bebauung verplant.

Zorzi klagt, dass die Stellungnahmen des Umweltzentrums zu den Bebauungsplänen der Kommunen, nicht nur in Schwäbisch Hall, generell zu wenig Beachtung fänden. "An der Ausdehnung, Erschließung und Dichte der Bebauung ist meist nichts mehr zu rütteln", heißt es im Informationsbrief des Diplom-Biologen. Von einer ergebnisoffenen Planung, die sich den ökologischen Fakten anpasse, könne oft keine Rede sein. Recherchiere man nach, erfahre man oft von Vorabsprachen: "Oft sind sogar schon lange vor der Genehmigung Grundstücksgeschäfte erfolgt - ja, selbst Investoren werben mit Anzeigen und Prospekten für Immobilien auf noch gar nicht genehmigten Plänen."

Das Umweltzentrum ist der Dachverband fast aller im Kreis tätigen Naturschutzorganisationen. Ihm sind rund 6000 Personen angeschlossen. Eine wichtige Aufgabe ist es, bei Bauvorhaben als "Träger öffentlicher Belange" als Interessensvertreter zu fungieren. Entscheidungsträger sind letztendlich die Kommunalparlamente - in Schwäbisch Hall also der Gemeinderat.

In der Stadt Hall ist die gesamte Fläche für Wohnen, Gewerbe, Straßen, Wege und Plätze seit 1988 von 1676 auf 2122 Hektar (16,1 auf 20,4 Prozent) gestiegen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche sank in diesem Zeitraum von 6280 (60,2) auf 5659 Hektar (54,3 Prozent). Die Waldfläche dagegen wuchs von 2320 Hektar (22,2) auf 2471 Hektar (23,7 Prozent).