Rätsel Haller Toom-Baumarkt seit sechs Wochen geschlossen

Derzeit bewegt kein Kunde einen Einkaufswagen am Haller Toom-Baumarkt. Auf dem Parkplatz sammelt sich Müll.
Derzeit bewegt kein Kunde einen Einkaufswagen am Haller Toom-Baumarkt. Auf dem Parkplatz sammelt sich Müll. © Foto: Guido Seyerle
Schwäbisch Hall / JÜRGEN STEGMAIER 09.10.2015
Seit dem 1. September ist der Toom-Baumarkt in Schwäbisch Hall geschlossen. Ob er wieder eröffnet wird oder nicht, darüber wagen weder der bisherige Betreiber noch die Insolvenzverwalterin eine Prognose.

Die Betreibergesellschaft, die MG Gläser Baumarkt GmbH&Co.KG ist seit Monaten in der Insolvenz. Geschäftsführer Matthias Gläser führt die Misere allein auf Straßenbaumaßnahmen im Haller Westen zurück. Diese hätten Kunden abgeschreckt.

Am Eingang des geschlossenen Toom-Baumarkts ist inzwischen eine Nachricht der Insolvenzverwaltung angebracht, die sich an die Besitzer von Gutscheinen richtet. "Aus insolvenzrechtlichen Gründen ist es nicht mehr möglich, Gutscheine einzulösen und Sonderrabatte zu gewähren", ist zu lesen. Gutscheine der Betreibergesellschaft könnten aber zum Insolvenzverfahren angemeldet werden. Wie groß die Chancen der Kunden sind, den Wert der Gutscheine zu erhalten, ist kaum zu beantworten. Falls noch Vermögen bei der zahlungsunfähigen Gesellschaft vorhanden ist, können Gutscheininhaber mit einer Auszahlung rechnen. Diese dürfte allerdings im "niedrigen einstelligen Prozentsatz des ursprünglichen Gutscheinwerts" liegen, so eine Information des Insolvenzratgebers.

Hauptgläubiger in diesem Insolvenzverfahren sind ein Haller Geldhaus, der Vermieter, im wesentlichen aber die Kölner Toom Baumarkt GmbH. Diese verkündete bereits im Sommer das Aus für den Haller Markt: "Der insolvente Betreiber des Toom-Baumarkts in Schwäbisch Hall (. . .) steht vor dem Ende. Das Insolvenzverfahren wurde eingeleitet, nachdem der Franchisenehmer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte."

Dem Anschein nach konnten sich die Gläubiger bislang nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Diesen Schluss lassen die - allerdings eher diffusen - Äußerungen einiger Akteure zu. Unklar bleibt sogar, ob der Betreiber-Geschäftsführer überhaupt einen Insolvenzplan vorgelegt hat.

Selbst Matthias Gläser, Geschäftsführer der insolventen Gesellschaft, ist nicht in der Lage, Licht in das Dunkel zu bringen. Am Telefon lehnt er jede Auskunft ab. "Ich weiß nicht, was passiert. Es ist ein Drama." Einen Neustart schließt Matthias Gläser nicht aus. Wie er schon vor Wochen andeutete, habe er einen Investor in der Hinterhand.

Auch die Insolvenzverwalterin Susanne Fichna scheint derzeit ratlos zu sein. "Man hört viel und weiß wenig", sagt die Rechtsanwältin.

Nach Auskunft gut informierter Kreise konnten sich Gläsers Baumarkt-Gesellschaft und der Vermieter schon vor Wochen zu neuen Bedingungen einigen. Die Kölner Toom-Baumarkt GmbH, die einen Großteil der Waren lieferte, geht aber wohl weiterhin davon aus, dass der Betreiber des Haller Markts am Ende ist. Für diesen Fall könnte es demnächst einen Abverkauf geben, andernfalls würde Toom die Bestände wohl abholen lassen.

Die Mitarbeiter - ursprünglich waren es 45, einige haben sich inzwischen umorientiert - werden noch bezahlt, arbeiten aber nicht. Die Kündigungen seien fristgerecht auf spätestens Ende Oktober ausgesprochen worden. Allenfalls die Pflanzen im Gartenbereich des Marktes werden noch regelmäßig gegossen, damit sie nicht die Köpfe hängen lassen.

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