Hessental Haller Stadträte üben Kritik an Bauprojekt in der Hessentaler Raiffeisenstraße

Ein Wagen fährt auf der sanierten Einkornstraße in Hessental. Seit dieser Woche ist die Ortsdurchfahrt wieder ohne Einschränkungen befahrbar.
Ein Wagen fährt auf der sanierten Einkornstraße in Hessental. Seit dieser Woche ist die Ortsdurchfahrt wieder ohne Einschränkungen befahrbar. © Foto: Marc Weigert
Hessental / WOLF-DIETER RETZBACH 06.11.2014
Die langen Bauarbeiten wegen Straßensanierungen in Hessental sind beendet. Stadträte loben die "neue" Einkornstraße. Bei der Raiffeisenstraße gibt es hingegen Kritik, auch wegen der langen Bauzeit.

Am Montagabend, nach der Ausschusssitzung, fuhr der Hessentaler FWV-Stadtrat Friedrich Bay extra in der Dunkelheit nochmal die sanierte Einkornstraße in Hessental entlang. Bei Neubaustrecken, nach dem Einsetzen frischen Asphalts, gebe es oft noch Wellen, sagt der Ratsherr. Am Montagabend aber sah er im Scheinwerferlicht seines Autos fast keinen Schattenwurf. Das sei ein Zeichen dafür, dass die sanierte Straße sehr eben sei, lobt Bay. Auch sei die Sanierung "flott vonstatten gegangen", freut er sich darüber, dass der Zeitplan eingehalten worden ist - die Arbeiten waren wie geplant von Mitte August bis Ende Oktober über die Bühne gegangen. Die Bushaltestelle mit Überweg am Gartentreff sei "optimal gemacht worden".

"Ich kann ihm zum Großteil Recht geben", sagt der Stadtrat über Thomas Weber, der in der Ausschusssitzung die Sanierung der Einkornstraße gelobt hatte. Allerdings sei die Sanierung der Raiffeisenstraße "eine Zumutung" für die dort ansässigen Firmen gewesen, so Bay. Die Kommunikation zwischen der Stadt und den Geschäftsleuten in der Straße sei "nicht optimal" gewesen, auch die Ausschilderung während der Bauarbeiten "ließ zu wünschen übrig: Viele wurden in die Irre geführt."

Außerdem habe diese Sanierung "sehr lange" gedauert. Die Arbeiten begannen Mitte September 2013 und endeten Ende September 2014. Die Sanierung der Straße war laut Rathaussprecher Robert Gruner ein gemeinsames Projekt von Stadt und Stadtwerken.

Er habe, erzählt Bay, vor Ort mit einem Arbeiter gesprochen. Der habe ihm gesagt, dass falsche Winkel und Ventile bestellt worden seien und die Sanierung sich auch deshalb verzögert hätte. Der Ratsherr sagt, dass dafür die Stadtwerke verantwortlich seien. "Wir bestellen keine Winkel und Ventile, sondern die Firmen, die nach der Ausschreibung den Zuschlag bekommen haben", entgegnet Stadtwerke-Geschäftsführer Gebhard Gentner. Wenn etwas falsch bestellt worden sei, dann sei dies Sache der beauftragten Firmen, nicht der Stadtwerke.

In der Raiffeisenstraße habe es in der Bauzeit keine Verzögerungen gegeben, betont Thomas Hoppenz, Prokurist bei den Haller Stadtwerken. Er weist darauf hin, dass dies eine "mächtige Baustelle" mit komplexen Arbeiten gewesen sei, die "im Bestand" ausgeführt wurden. Das sei nicht einfach, auch auf Anlieger und Kunden müsse dabei Rücksicht genommen werden. Wenn die Baufirma tatsächlich, wie von Bay behauptet, eine Bestellung zurückgegeben haben sollte, dann habe dies nicht zu Verzögerungen geführt und keine Auswirkung auf den Bauablauf gehabt.

Grünen-Stadträtin Damiana Koch, die seit sechs Jahren in Hessental lebt, findet, dass die Arbeiten in der Raiffeisenstraße relativ lange gedauert haben. Die Geschäfte dort seien lange "weg vom Schuss" gewesen. Außerdem sei in dem Ortsteil sehr viel gleichzeitig gebaut worden, so Koch: Sie sagt, dass man das auch hätte entzerren können. Die Stadträtin sagt auch, dass der Einzelhandel zwecks besserer Planung im Voraus mehr hätte informiert werden können.

Die Einkornstraße sei "sehr gut" gelungen, findet Koch. Sie sei nun etwas breiter und übersichtlicher: "Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis." Außerdem betont sie, dass der Zeitplan eingehalten worden sei.

Wegen der Sanierung der Einkornstraße musste die Hessentaler Ortsmitte wochenlang umfahren werden. Ein Teil der Umleitung führte entlang der Eisenbahnlinie. Dort könnte es, wenn sie kommen sollte, die Südumfahrung Hessentals geben. War die Umleitung also ein Testlauf für eine mögliche spätere Südumfahrung?

Es gehe "um eine kleine Nebenstraße, die nur als Umleitung und dort als Einbahnstraße genutzt werden kann. Das kann man schlecht mit einer gut ausgebauten und in beide Richtungen befahrbaren Südumfahrung vergleichen", so Gruner.

Die Umleitungsstrecke könne durchaus als Testlauf für eine Südumfahrung angesehen werden, meint dagegen Claus Unser. Er habe eine Südumfahrung schon vor mehr als 20 Jahren gefordert, sagt der erste Vorstand des TSV Hessental und frühere Stadtrat: "Für Hessental wäre das ein Gewinn". Würde die Umfahrung gebaut werden, "dann müsste man sie aber dreimal so breit machen" wie jetzt. Dann aber würde es Probleme mit Anliegern geben, "natürlich muss man auch deren Belange berücksichtigen". Den dort ansässigen TSV würde das weniger stören, sagt Unser. Er glaube, dass die Südumfahrung in einigen Jahren kommt. Auch die Umsetzung der Haller Westumfahrung habe gedauert.

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