Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran Der Verwaltungs- und Finanzausschuss in Hall genehmigt mit einer Gegenstimme den Wunsch von Jugendlichen. Im April soll eröffnet werden. Das Kleine Theater Hall hat Bedenken.

Ein langandauernder Prozess, Interessenkonflikte und am Montagabend eine eindeutige Entscheidung: Der vom Haller Jugendforum im Oktober 2017 geäußerte Wunsch nach einem Jugendraum wird Realität. Er wird im Schlachtsaal im Kulturzentrum Altes Schlachthaus eingerichtet – und könnte im April eröffnen.

Klar sei es „keine richtig tolle Lösung“, kommentiert Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. „Zeitnah ist uns aber nichts Besseres eingefallen. Wir wollten nicht länger warten.“ Der Vorteil sei die zentrale Lage und der Fakt, dass keine baulichen Änderungen nötig seien. Es müssten nur Möbel aufgestellt werden. Geplant ist, den Raum montags bis freitags, 13 bis 21 Uhr, sowie samstags von 11 bis 23 Uhr zu öffnen.

Konfliktpotenzial sehen manche Räte aufgrund des Jugendschutzes und des Gastronomiebetriebs Kultbucht auf derselben Etage. Raucher und Klo-Gänger der Kneipe müssten direkt am Schlachtsaal vorbei, sagt etwa Martin Lindner (CDU). Er fragt, wieso der Raum nicht im Haus der Vereine eingerichtet wird, wo es bereits Jugendangebote gab.

Jugendraum: Nähe zum Raucherraum nicht optimal

Thomas Gerstenberg, Leiter der zentralen Steuerung, teilt mit, dass mehrere Versuche gescheitert waren, dort einen offenen Nachmittagstreff für Kinder und Jugendliche zu etablieren. Mit ein Grund sei der dicht vorbeifahrende Busverkehr sowie die angrenzende Schuppachburg. Manche Eltern hätten Bedenken, ihre Kinder dorthin zu schicken.

Zur räumlichen Situation im Kulturzentrum erklärt Gerstenberg: „Wer aus der Kultbucht zur Toilette geht, geht nicht am Schlachtsaal vorbei.“ Klar sei die Nähe zum Raucherraum nicht optimal. Der Jugendraum selbst bleibe aber rauchfrei.

Schon lange sind die Haller Stadtverwaltung und Schüler auf der Suche nach einem Jugendraum.

Im Schlachthaus gibt es einen weiteren Konflikt. Der Verein Kleines Theater Hall, der unter anderem im Theatersaal eine Etage darüber Stücke präsentiert, hat sich mit einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden und die Stadtverwaltung gewandt. Darin heißt es, die Theaterleute hätten in den vergangenen 14 Jahren die Erfahrung gemacht, dass parallel stattfindende Veranstaltungen in den Sälen und in der Kultbucht „selten konfliktfrei durchgeführt werden können“, insbesondere wegen der „Hellhörigkeit des Gebäudes“. Eine Dauerbelegung des Schlachtsaals verstärke das Konfliktpotenzial, „was alle Beteiligten verärgert“. Daneben gebe es logistische Probleme bezüglich des Zugangs sowie Kollisionen mit bisherigen Nutzern des Schlachtsaals. Dort gab und gibt es Ausstellungen, Vorträge und regelmäßige Tanzkurse.

Hartmut Baumann, Sprecher der Freien Wählervereinigung, ist enttäuscht vom Schreiben des Kleinen Theaters. „Die Theaterleute könnten doch dort ihren Nachwuchs rekrutieren.“ Er selbst habe einst als junger Haller erstmals mit 18 Jahren den Club Alpha besucht. „Ich habe immer davon geträumt, dass es einen Jung-Club-Alpha in Hall gibt.“ Dass ein Jugendraum kommt, sei überfällig. Enttäuscht sei er aber auch von den Jugendlichen. Im Laufe des Prozesses hätten sich immer weniger beteiligt. „Auch heute ist keiner zur Ausschusssitzung gekommen.“

Schlachthaus-Lösung ist „nicht in Stein gemeiselt“

Andrea Herrmann (Grüne) sieht ein fatales Signal darin, dass der Prozess so lange gedauert hat. Das Vorhaben im Schlachthaus sehe sie als wichtige Interimslösung. Wenn der Haalplatz umgestaltet wird, solle die Stadt dort einen entsprechenden Raum oder Pavillon einplanen.

Pelgrim stimmt ihr zu. „Die jetzige Lösung ist nichts, was in Stein gemeißelt für die Ewigkeit gilt.“ Die Verwaltung werde das Umfeld beobachten und reagieren. Unabhängig davon müsse abgewartet werden, ob der Raum überhaupt genutzt wird.

Kritik kommt von der fraktionslosen Damiana Koch. Zwar begrüße sie einen Jugendraum. In der Abwägung überwögen aber die Nachteile. Da die Jugendlichen bereits so lange gewartet haben, machten doch ein paar weitere Monate nichts aus, bis eine optimale Lösung gefunden ist. Ohnehin gehe es nur um den Willen „von ein paar wenigen Jugendlichen“. Sie wirft anderen Räten Aktionismus vor der Gemeinderatswahl vor.

Rücksichtnahme gefragt

Pelgrim korrigiert, dass weder die Fachkräfte aus der Jugendarbeit noch er selbst zur Wahl stünden, sie aber diesen Vorschlag befürworten. Im Kulturzentrum sei gegenseitige Rücksichtnahme gefragt. „Tatsächlich ist die Anzahl der Jugendlichen, die sich aktiv beteiligen, gering, etwa zehn Personen.“ Es gebe aber eine Vielzahl an passiven Jugendlichen, die sich schnell mobilisieren ließen.

Letztlich stimmt der Ausschuss dem Vorhaben zu – mit der Gegenstimme von Koch. Nun werde die Verwaltung mit den ansässigen Nutzern das Gespräch suchen, sagt Patrick Domberg, persönlicher Referent des OB.
Anschließend würde mit den Jugendlichen die Möblierung geplant.

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