Schwäbisch Hall Haller Kunstverein zeigt die Schau "Colour is Kitsch" von Alfred Müller

Schwäbisch Hall / MAYA PETERS 24.11.2015
Alfred Müller passt sich wie ein getarntes Insekt in Mimikry seinen Werken an: Er trägt ein silbern besprühtes Sweatshirt und eine schwarze Hose. Seine silbernen Bilder sind in Hall auf Schwarz gehängt. Mit Bildergalerie.

Strukturen und Motive von Alfred Müllers Bildern bleiben unter der Silberschicht erkennbar, Matt-Glanz-Effekte entstehen. Den Rednern der Vernissage, der städtischen Kulturbeauftragten Ute Christine Berger und dem Dozenten und Philosophen Robert Eikmeyer, wird nahegelegt, das Stehpult nicht zu berühren - außer, sie wollten sich ebenfalls versilbern. Die Ausstellung mit dem provokanten Titel "Colour is Kitsch" (Farbe ist Kitsch) macht auch vor dem Mobiliar nicht halt.

Im unteren Raum der Galerie hängen unterschiedlich große Werke aus den Jahren 1990 bis 2014. "Unter dem Silber sind sie alle farbig", versichert der Pforzheimer Künstler. Er hat bei Georg Baselitz studiert. Klassisch in Öl auf Leinwand gemalt, seien seine Bilder in den vergangenen Jahren immer bunter und schöner geworden. "Der Prozess des Versilberns kostet mich manchmal Überwindung", gibt Alfred Müller zu.

Auslöser für seine neuartige Kunstkonzeption sei der amerikanische Künstler Jeff Koons mit seinen verchromten Edelstahlskulpturen gewesen. Müller hat in der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Künstlern einen eigenständigen Weg und seine Antworten auf die Frage "Was heißt Malerei heute?" gefunden. "Ich fing deshalb vor rund 25 Jahren an, meine Bilder zu überspritzen", schließt Müller.

Mittlerweile versilbere er sogar Bilder von Kollegen. "Ist das nun ein Upgrade oder ein Downgrade?", philosophiert scherzend der Kunstwissenschaftler Robert Eikmeyer bei seiner Laudatio und überlegt, ob man eher gute oder schlechte Bilder zur Versilberung abgebe.

Im oberen Raum finden sich Bilder, die mit Lackstift seitenverkehrt auf rahmenlose Gläser gezeichnet wurden. Eine Serie von 1992, der eine Reihe von Fotografien Müllers vom Besuch auf Schloss Derneburg bei Georg Baselitz zugrunde liegen, ist auf Linien wie im Malbuch reduziert. "Hier wird eine Geschichte erzählt", so Müller.

"Die große Nacht im Eimer" (1962/63) lautet der Titel eines der "Skandalwerke" von Baselitz. Es zeigt einen Jungen mit erigiertem, übergroßem Penis und bildet den Auftakt einer Bilder-Erzähl-Reihe der Aktionskunst Müllers bei der Stuttgarter Kunstnacht 1992 in klaren, comicartigen Konturen.


Die Reduktion von Farbe bietet ein Seherlebnis
Die Pflanzenschutzspritze aus Familienbesitz wurde extra für die Haller Präsentation versilbert, erzählt Müller, sie sei "quasi eine Skulptur". Als Teenager habe er sie im väterlichen Weinberg benutzt, danach sei er von Kopf bis Fuß weiß gewesen. Alfred Müller zieht dabei eine biografische Linie von Weiß zu Silber. Musik untermalt die gut besuchte Vernissage. "Auf meinen Wunsch", so Müller, denn dann gehe es weniger ernst zu. Kurator und Haller Künstler Marcus Neufanger und Alfred Müller stellten bereits 2013 gemeinsam in der Galerie Kienzle in Berlin aus. So kam es zur Idee zur Schwäbisch Haller Ausstellung, die durch die Reduktion von Farbe und die fast rahmenlose Präsentation ein Seherlebnis bietet.

Info Die Schau läuft bis 24. Januar. Sie ist mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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