Schwäbisch Hall Haller Kroaten stolz trotz Final-Niederlage

Schwäbisch Hall / Viktor Taschner 16.07.2018
Rund 50 Gäste zittern, hoffen, fluchen und feiern während des Endspiels im kroatischen Kulturverein Schwäbisch Hall.

Ihr Land hat soeben die historische Chance verpasst. Als in Moskau das WM-Finale abgepfiffen worden ist, dreht man die Lautsprecher im zweiten Stock im Haus Schuppach 5 laut auf. Im kroatischen Club Schwäbisch Hall, der rund 50 Mitglieder zählt, wird trotz der bitteren 2:4-Niederlage gegen Frankreich gefeiert. Nur in der ersten Reihe fließen bei den Jüngsten ein paar Tränen. Die laute Popmusik animiert die Leute schnell, ausgelassen zu tanzen und zu singen. Man könnte fast meinen, Kroatien sei doch Weltmeister geworden.

Kroaten feiern den Erfolg schon vor dem Spiel

„Wir hatten schon vor dem Spiel nichts zu verlieren. Deswegen haben wir heute trotzdem irgendwie gewonnen“, fasst es der erste Vorsitzende des Kulturvereins, Goran Tiric zusammen. Jeder könne stolz auf die Mannschaft sein. „Vielleicht wird es eine Weile dauern, bis die Leute begreifen, was wir verpasst haben“, sagt Tiric’ Stellvertreter Miroslav Horvat. Dieses Gefühl verstärkt sich bei den Haller Kroaten, als im Fernsehen die Übergabe des goldenen WM-Pokals läuft. Die Musik ist nun aus, alle schauen wieder auf den Fernseher. Großer Applaus brandet schon vorher auf, als Spielmacher Luka Modric zum besten Spieler des Turnier gekürt wird.

Während des WM-Finales starren die Augenpaare der knapp 60 Anwesenden auf den großen Fernseher. Das TV-Gerät steht auf einer Kommode, die natürlich in eine große kroatische Fahne gehüllt ist.

Finalübertragung auf kroatisch

Ein paar deutsche Gäste sind unter den Zuschauern. Den TV-Kommentator verstehen sie jedoch nicht. Die Haller Fans des kleinen Landes sehen das Spiel per Satellitenübertragung im kroatischen Fernsehen. Kurz setzt die Übertragung in der zehnten Minute aus. Der Ärger währt aber nicht lange: Ein kleiner Handgriff und schon ist Bild und Ton in der slawischen Muttersprache wieder da.

Kein Bild hätten sich die Kroaten wahrscheinlich bei den Gegentoren gewünscht, dann hätten sie es nicht mitansehen müssen. Erst das unglückliche Eigentor zum 0:1, dann der umstrittene Elfmeter zum 1:2. Der Frust muss raus, die Bierbank muss den Faustschlag ertragen.

Der zwischenzeitliche Ausgleich in der ersten Halbzeit durch Ivan Perisic sorgt jedoch für Ekstase: erst ein Riesenaufschrei, dann fallen sich die Sitznachbarn in die Arme und anschließend folgt noch ein spontan angestimmtes Lied.

Leise wird es dann nach dem dritten und vierten Treffer der Franzosen in der zweiten Halbzeit. Nach dem Anschlusstreffer von Mario Mandzukic keimt nochmal etwas Hoffnung auf, was sich gleich auf die Lautstärke im Raum auswirkt. Die letzten Minuten rennen die Kroaten nochmal an, aber mit dem Runterticken der Zeit schwindet allmählich auch die Hoffnung im kroatischen Kulturverein in Hall.

Der Stolz überwiegt

„Wir haben heute wirklich gut gespielt und waren im Prinzip besser, aber wir haben trotzdem verloren. So ist Fußball manchmal“, bilanziert Denis Islic nach dem Finale. Trotzdem überwiegt auch bei ihm der Stolz auf die Leistung seiner Nationalmannschaft. „Das Team trifft heute um 14 Uhr in Kroatien ein. Der Arbeitsminister hat den Unternehmen empfohlen, den Leuten frei zu geben“, beschreibt Islic die Bedeutung des Vize-Weltmeistertitels für sein Land. Das Wort „Vize-Weltmeister“ existiert im kroatischen offenbar nicht, was die Nachfrage bei den Haller Kroaten ergibt. Aber die Freude über den zweiten Platz beim größten Fußball-Turnier der Welt kann ihnen trotzdem niemand nehmen.

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