Ein Porträt von Rudolf Hess hängt an der Wand, direkt neben einem NPD-Poster. Ein kahlgeschorener Jugendlicher hält eine Kippe zwischen den Fingern. Er präsentiert einen Zettel, auf dem ein Hakenkreuz prangt, darunter steht "Ausländer raus!". Der Redaktion liegen Fotos vor, die Achim Schmid in jungen Jahren zeigen - gebürtiger Mosbacher, der in Herlebach lebte, 1995 nach Hessental und 1999 nach Gailenkirchen zog. Dort gründete er 2000 den deutschen Ableger der "European White Knights of the Ku-Klux-Klan". Fünf Haller trafen sich monatlich beim rassistischen Geheimbund. Laut Verfassungsschutz-Dokumenten gehörten dem Klan bundesweit 20 Mitglieder an - mindestens zwei sind heute in der NPD aktiv.

"Die Treffen waren meistens bei mir zu Hause, sie liefen parlamentarisch ab", berichtet Schmid am Telefon. "Wir saßen am Tisch, dann folgten die Berichte: vom Kreisvorsitzenden, vom Kassenprüfer - wie bei einer Parteiversammlung eben", so der 37-Jährige, der heute in Boostedt in Schleswig-Holstein lebt und nach eigenen Angaben nicht mehr der rechten Szene angehört. Gelegentlich hätten sich die Klan-Anhänger weiße Kapuzen übergezogen und Kreuze verbrannt - "unter anderem auf der Limpurg und Geyersburg", so der ehemalige Anführer.

Schmid bestätigt, dass auch zwei Polizisten aus Böblingen mitmischten, ebenfalls, dass er damals von einem Mitarbeiter des Landesverfassungsschutzes vor Abhörmaßnahmen gewarnt wurde. "Thorsten D. wollte Informationen, bot mir im Gegenzug Schutz für den Klan an." Welche Informationen, dass will Schmid nicht sagen. Die Datenlücke im Nachrichtendienst flog auf - der Beamte wurde versetzt. "2006 zog er nach Amerika - das wurde bei den Auswanderern im Fernsehen gezeigt", erzählt Schmid.

Er weiß, dass die Behörden bereits 2000 über den Klan informiert waren. "Die Haller Polizei hatte nach Hausdurchsuchungen alle Unterlagen - vom Gesetzbuch bis zum kleinsten Formular." 2001 wurde in einem "Spiegel"-Artikel ein Staatsschützer zitiert, der von fünf Haller Klan-Anhängern spricht. "Es ist schlicht dreist, heute zu behaupten, man habe nichts gewusst." Die Polizei verweist zu diesem Thema auf das Innenministerium - dort liege die Pressehoheit.

Zu den Kontakten Schmids gehörte Thomas R., der als V-Mann "Corelli" enttarnt wurde - dessen Name taucht auf Dokumenten der Zwickauer Terrorzelle NSU auf. Laut Recherchen verschiedener Zeitungen war Schmid selbst V-Mann - was er vehement bestreitet.

Mitte der 90er Jahre gelangte von ihm aber Videomaterial der Rechtsrockband "Kraftschlag" an den Geheimdienst - mehrere Mitglieder landeten darauf im Knast. Obwohl stets arbeitslos, sei Schmid immer flüssig gewesen und habe Reisen finanziert - unter anderem nach Amerika, wo er zum "Grand Dragon" geschlagen wurde. Kam das Geld vom Geheimdienst? Der Verfassungsschutz macht "keine Angaben zu operativen Angelegenheiten".

Es gibt weitere Vorwürfe gegen Schmid: Er habe in der NPD als Kassenwart Gelder geplündert. Das Finanzielle sorgte auch im Klan für Konflikte. Ein ehemaliges Mitglied berichtet, dass Schmid für neue Computer Geld kassiert, aber nie geliefert hat. Dass auch die Klan-Kasse verschwand, bestreitet Schmid nicht - er sei aber nicht dafür verantwortlich: "Dies hatte einen familiären Hintergrund." Ein ehemaliges Mitglied kommentiert: "Als die Leute im Klan realisierten, von was für einer Person sie geführt wurden, hat sich die Gruppe schnell aufgelöst."