Schwäbisch Hall Haller Helmut Fritz liest in der Hirtenscheuer anspruchsvolle Lyrik

ANDREAS DEHNE 25.06.2014
Helmut Fritz liest im Atelierhaus anspruchsvolle und bisher unveröffentlichte Texte über Künstler, die mit Paris verbunden sind. Hans Kumpf sorgt an der Klarinette für nicht weniger anspruchsvolle Zwischentöne.

"Flaschenpost aus einem unbekannten Land - verhungerte Heringe - klirrend im Licht - Landschaften blutend aus dem Schlachthof gerissen - entwurzelt, übergesichtig das Dorf - Mauern verzerrt - langgezogene Phantasmen - der Fiebersprung von Nachtgespenstern - in Albträumen krümmen". Die Ateliergemeinschaft Hirtenscheuer mutet bei ihrer zweiten Veranstaltung in diesem Jahr mit dem Haller Autor Helmut Fritz den etwa 20 Zuhörern einiges an literarischer Tiefgründigkeit zu.

Die Texte von Fritz sind wahrlich nicht leicht und einfach. Er beschwört "eine Sekunde vor Höllenaufgang" mit schweren, bisweilen fragmentartigen Satzungeheuern "die offene Stunde der Melancholie". Auf dem "Totenhof der Welt unter einem ausgelöschten Himmel" ist es bisweilen schwierig, seinen Gedanken zu folgen.

Deshalb wiederholt er sie auch. Zunächst das Gedicht, danach die Geschichte oder die Erklärung dazu, dann noch einmal den Text. Es bleibt trotzdem schwierig, Helmut Fritz, der beim Lesen kaum die Augen hebt, in seine gedanklichen Tiefen zu folgen. Und man kann sich kaum entscheiden, was spannender ist: Die Geschichten über Maler, Kunstwerke, Künstler und Lebenskünstler, über Schicksale und Dramen und Paris, oder die intensive, auf wenige Worte reduzierte und in Textform gebrachte Sicht des Autors auf die Schicksale und Wunder dieser Welt.

Hans Kumpf unterbricht die Lesung immer wieder, um seiner Klarinette, der Schwere des Abends entsprechend, die angemessenen Töne zu entlocken, die ebenfalls nicht immer einfach anzuhören sind.

Die drei Kulturschaffenden der Ateliergemeinschaft Hirtenscheuer, Johannes Seibt, Susanne Neuner und Gudrun Hölzer sind mit dem Abend zufrieden. Es ist die zweite Veranstaltung ihres Hauses in diesem Jahr und die Resonanz der Zuschauer ist durchaus positiv.

Vernissage am Sonntag

Ausstellung Die nächste Veranstaltung in der Hirtenscheuer am Scharfen Eck heißt "Grauzone". Es ist eine Ausstellung mit Radierungen von Ilka Nowicki-Engelhardt. Die Vernissage ist am Sonntag, 29. Juni, um 17 Uhr. Die Schau ist bis 27. Juli samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Workshops Die Hirtenscheuer bietet auch Druck-Workshops an, und zwar am Samstag, 5. Juli, von 14 bis 18 Uhr für Erwachsene (40 Euro) und am Samstag, 12. Juli, von 14 bis 17 Uhr für Kinder ab zehn Jahren (20 Euro). info@hoelzerdesign.de.

SWP