Kaum hat man die Globe-­Baustelle betreten, die Plane am Eingang zur Seite geschoben, dringen die lauten Geräusche von Sägen und Bohrern in die Ohren. Fleißig wird im Inneren des Haller Theaters gewerkelt. Da bekommen auch die Besucher aus den USA einen ersten Eindruck. Professor Robert Richmond ist zusammen mit seiner Assistentin Gabrielle Peterson zwei Wochen lang in Europa unterwegs, um sich verschiedene Globe-Theater anzuschauen. „Wir wollen an der Universität in South Carolina ein mobiles Globe bauen“, erklärt Richmond. Ein Theater, das er überall aufbauen kann. Richmond ist Leiter des Institute of Theatre and Dance an der University of South Carolina.
Herumgeführt wird er unter anderem von Intendant Christian Doll, Architekt Dieter Koch und dem technischen Leiter Christian Gentner. Damit Richmond, der gebürtig aus Hastings in England kommt, ein bisschen über die Geschichte der alten und der neuen Spielstätte erfährt, hat Koch verschiedene Bauzeichnungen dabei.
Er erklärt, dass zum Beispiel die Bühne versetzt wurde. Im Neuen Globe geht sie hi­naus in Richtung Biergarten und die Wand hinter der Bühne kann auch geöffnet werden. Das beeindruckt die Amerikaner. Aber auch das viele Grün rundherum und der viele Platz kommen an. „Das nehme ich für unser Globe mit“, so Richmond.

Probesitzen auf den Stühlen

„Da kommen die Stühle, schön“, merkt Doll an und zeigt auf den obersten Rang des Neubaus. Da muss dann auch gleich Probe gesessen werden. „Bequem und man sieht gut“, ist das Fazit. Auch wenn sich Christian Gentner gewünscht hätte, dass die Stühle schon eingebaut wären, damit der eigentliche Zeitplan hätte eingehalten werden können.

Schwäbisch Hall

Nach dem momentanen Stand beginnen die Freilichtspiele Mitte Februar mit den ersten Proben und im März ist die Eröffnung mit Shakespeares Stück „Was ihr wollt“ geplant. Bis dahin gibt es aber für die Arbeiter und die Freilichtspiele noch genug zu tun. „Lichter und Soundsystem müssen noch eingebaut und dann auch erprobt werden“, erklärt Christian Doll. „Man muss alles neu herausfinden, die Erfahrungswerte fehlen.“ Wie ist die Akustik in dem Gebäude? Von wo aus sieht man nicht so gut? Geht es nach Doll, ist das Neue Globe ein „Herz der Stadt“. Den Ausführungen hören Richmond und Peter­son gespannt zu.

Geld „wächst wie Haare“

Vor allem geht es auch ums Geld. Rund 500.000 US-Dollar (etwa 450.000 Euro) braucht Richmond, um mit dem Theaterbau beginnen zu können. Er staunt nicht schlecht, dass das Globe rund zehn Millionen Euro teuer war. Aber seine lapidare Antwort: „Das ist nur Geld. Das wächst nach wie Haare“, meint er und lacht.

Schwäbisch Hall Das Neue Globe in Schwäbisch Hall bekommt sein Dach

Erste Pläne hätten sie schon, meint Gabrielle Peterson, die nun konkretisiert werden müssten. Ihr und Richmonds Anspruch an das transportable Globe sei, vor allem jungen Menschen eine Bühne zu bieten. „Tradition soll Moderne treffen“, so beide übereinstimmend. Sie können sich vorstellen, in dem Neubau zum Beispiel ein Sommer-Shakespeare-Festival zu veranstalten. Richmond möchte mit seinem Globe aber nicht nur in den USA unterwegs sein, sondern am liebsten weltweit. Nach dem Besuch in Hall geht es für beide weiter nach Wien.
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Nach derzeitigem Stand läuft die Fertigstellung des neuen ­Globe-Theaters „nach Plan“, so Hochbauamtsleiter Dieter Koch. Nach einigen Verzögerungen und auch Mehrkosten. Die Gesamtkosten liegen bei rund 9,5 Millionen Euro. Bis Weihnachten soll die verschiebbare Wand hinter der Bühne eingebaut werden. „Dann ist das Globe dicht“, so Koch. Danach fehlen dann noch Geländer, Boden, Beleuchtung und die Bühnentechnik. „Am Schluss geht es dann aber relativ schnell“, ist Koch überzeugt. Mitte Februar solle dann mit den ersten Proben angefangen werden, so Intendant Christian Doll. kv