Geschichte Haller gedenken der Reichspogromnacht

Der Israelkreis der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde spricht morgen um 16 Uhr auf dem Haller Marktplatz ein Gebet am Davidstern. Um 18 Uhr beginnt dort die Gedenkveranstaltung. OB Pelgrim spricht unter anderem ein Grußwort.
Der Israelkreis der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde spricht morgen um 16 Uhr auf dem Haller Marktplatz ein Gebet am Davidstern. Um 18 Uhr beginnt dort die Gedenkveranstaltung. OB Pelgrim spricht unter anderem ein Grußwort. © Foto: Hans Kumpf
Schwäbisch Hall / Verena Köger 08.11.2018
Zum Gedenken an das Ereignis vor 80 Jahren haben die Stadt sowie kirchliche und kulturelle Institutionen ein Programm aufgestellt. Eine Zwischenbilanz.

Insgesamt zehn Veranstaltungen hat die Stadt Hall in Kooperation mit Mitwirkenden aus Kirche, Kultur und Gesellschaft zum Andenken an die Reichspogromnacht 1938 zusammengestellt. Vor 80 Jahren, am 9. November 1938, erreicht auch NSDAP-Kreisleiter Otto Bosch die Meldung aus Berlin, Aktionen gegen Juden zu planen. Die Steinbacher Synagoge wurde mit Benzin angesteckt, der Betsaal in der Herrngasse sowie jüdische Geschäfte demoliert, Kultgegenstände und Bücher auf dem Marktplatz verbrannt. Mit Vorträgen, Ausstellungen, Führungen und Lesungen wird an die Ereignisse dieser Nacht und die Auswirkungen für die jüdische Gemeinde in Hall gedacht. Die Veranstaltungsreihe startete am 11. Oktober.

Mehr Beteiligung gewünscht

Die evangelische und katholische Gemeinde waren an vielen Veranstaltungen beteiligt, wie die evangelische Dekanin Anne-Kathrin Kruse berichtet. Nur wenige Besucher kamen zum ersten Vortrag über Luther. Beim zweiten Vortrag zu Überlebenden des Holocausts in Osteuropa seien es deutlich mehr gewesen. „Das Gedenken an den Holocaust ist für viele immer noch abschreckend“, sagt Kruse. Wolfram Rösch, Pastoralrefernt der katholischen Kirche, fügt aber an, dass er bei einer Pegida-Gegendemonstration dabei war. „Wir dürfen uns der aktuellen Verantwortung nicht entziehen.“

Fotografin Eva Maria Kraiss ist mit zwei Ausstellungen beteiligt. Bei der Vernissage von „Verwüstet, verfallen, wiederbelebt – ehemalige Synagogen in Polen und der Ukraine“ im Hällisch-Fränkischen Museum und im Rathaus waren mehr als 100 Besucher, weiß HFM-Leiter Dr. Armin Panter. Im Freilandmuseum in Wackershofen sind die Fotografien „Auf immer verloren“ ausgestellt. Sie zeigen das Alltagsleben der früheren jüdischen Gemeinde in Hohenlohe-Franken. Museumsleiter Michael Happe zieht positive Bilanz. „Im Gästebuch stehen emotionale Einträge.“

Stadtarchivar Dr. Andreas Maisch  legte bei seinem Vortrag die 700-jährige Geschichte der jüdischen Gemeinde in Hall dar. „Von 30 Plätzen waren 28 besetzt“, ist Maisch zufrieden. Er freute sich besonders über die rege Diskussion an diesem Abend.

Der Höhepunkt der Veranstaltungsreihe ist morgen um 18 Uhr auf dem Marktplatz. OB Hermann-Josef Pelgrim, Dekanin Kruse und Pastoralreferent Rösch sprechen Grußworte. Schüler vom Gymnasium bei St. Michael tragen unter der Leitung von Peter Schilling einen Dialog vor. „Es freut mich besonders, dass sich die Jugend auch integriert“, sagt Kruse. Jochen Narciß-Sing musiziert.

Die bisherigen Programmpunkte zeigten, dass Interesse da sei, jedoch wünschen sich die Mitwirkenden einstimmig für die Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz noch mehr Anteilnahme. „Nicht nur schnell vorbeilaufen, sondern stehen bleiben, zuhören und wahrnehmen“, fordert Kraiss. Es seien doch nur immer die gleichen, die kommen.

OB Pelgrim macht deutlich, dass die Menschen in Hall nicht nur gedenken, sondern reflektieren sollen. Dekanin Kruse fügt an: „Es geht nicht darum, einmal im Jahr den moralischen Zeigefinger zu heben, sondern den Bezug zur aktuellen politischen Situation darzustellen – nicht erst, wenn die erste AfD-Demo in Hall stattfindet.“

Die Gedenkveranstaltung findet zum fünften Mal auf dem Marktplatz statt. Vorher versammelten sich die Haller auf dem jüdischen Friedhof in Steinbach. Für Pelgrim ist der Haller Marktplatz auch der Ort, der ihn in Bezug auf die Geschichte der Juden in Hall am meisten berührt. „Wenn auf dem öffentlichsten Platz der Stadt ein solcher staatsterroristischer Akt gegen  Glaubensminderheiten vollzogen wird, dann hat das Gemeinwesen versagt“, betont er.

Gedenkveranstaltungen in Schwäbisch Hall

Eine Führung durch die Ausstellung „Auf immer verloren“ im Freilandmuseum Wackershofen bietet Eva Maria Kraiss morgen ab 15 Uhr an. Die Bilder von ihr und ihrer verstorbenen Partnerin Marion Reuter sind bis Sonntag zu sehen.

Der Israelkreis der evangelischen-freikirchlichen Gemeinde spricht morgen um 16 Uhr ein Gebet am Davidstern auf dem Marktplatz.

„Kunst erinnert, Kunst ermutigt“ heißt der Titel des Projektes, das am Sonntag, 11. November, um 11.30 Uhr in der KZ Gedenkstätte in Hessental vorgestellt wird. Haller Schüler sind beteiligt. Veranstalter ist das Kulturbüro und die Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental.

Die Ausstellung „Verwüstet, verfallen, wiederbelebt“ von Eva Maria Kraiss ist noch bis zum 16. November im Rathaus und bis 27. Januar im HFM zu sehen.

Abschluss ist eine Exkursion zur Synagoge nach Heidelberg am Freitag, 23. November. Diese bietet das evangelische Kreisbildungswerk und das HFM an. Abfahrt ist um 13.30 Uhr am ZOB. Es sind noch Plätze frei. Anmeldung: E-Mail an eks@brenzhaus.de, Telefon unter 07 91 / 94 67 41 50. ena

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