Expedition Haller Fässer auf dem Dach der Welt: Die Fassfabrik Karl Kurz KG in Hessental sponserte vor 50 Jahren Expeditionen

Hessental / DANIEL STIHLER 06.06.2013
"Herzlichst, Ihr R. Messner" - diesen Gruß setzte der wohl bekannteste Bergsteiger der Welt ans Ende seiner Karte. Reinhold Messner benutzte bei seiner Dhaulagiri-Expedition 1977 Transporttonnen aus Hessental.

Fässer der Karl Kurz KG aus Hessental waren bei Bergsteigern sehr beliebt. Sie wurden zum Transport der Expeditionsausrüstung verwendet - unter anderem wurden sie zum Nanga Parbat und zum Mount Everest geschleppt. Umstellungen in der Produktpalette beendeten offenbar Anfang der 1980er Jahre die Förderung alpiner Expeditionen durch die Firma Kurz.

Die von 1890 bis zur Insolvenz 1998 bestehende Karl Kurz KG beim Hessentaler Bahnhof, bekannt als Fassfabrik, war zeitweilig eines der größten Schwäbisch Haller Industrieunternehmen. Hier wurden neben Holzfässern Behälter aus Kunststoff, Holz, Pappe und Papier gefertigt und in alle Welt vertrieben. Ein Teil des Firmenarchivs kam in das Stadtarchiv Hall und erlaubt es, die Geschichte dieses bedeutenden Haller Industrieunternehmens nachzuvollziehen.

Anfangs Trommeln auf besonderer Pappe genutzt

Ein nicht alltäglicher Aspekt dieser Firmengeschichte ist die Förderung von hochalpinen Expeditionen vor allem im Himalaya. Fässer aus Hessental scheinen sich bei solchen Unternehmungen großer Beliebtheit erfreut zu haben.

Anfangs waren es sogenannte Fibertrommeln aus einer speziellen, sehr widerstandsfähigen Pappe, später auch Kunststoffbehälter, die von zahlreichen Bergsteigern zum Materialtransport genutzt wurden.

Kurz stellte das Material zunächst kostenlos zur Verfügung; im Gegenzug erhielt das Unternehmen Fotos für Werbezwecke. Später gewährte man Rabatte.

Die erste große, von Kurz mit Materiallieferungen unterstützte Unternehmung scheint 1955 eine deutsch-schweizerische Himalaya-Expedition gewesen zu sein. Zur Schweizer Expedition zum Dhaulagiri von 1958 liegt im Firmenarchiv sogar ein 16-Millimeter-Film vor. Der Filmer und Fotograf Detlev Hecker berichtete, den Fässern habe man am Ende dieser 25000-Kilometer-Reise die Strapazen weniger angesehen als den Teilnehmern.

Besonders häufig arbeitete die Fassfabrik mit dem von Karl Herrligkoffer geleiteten "Deutschen Institut für Auslandsforschung" zusammen, das Kurz-Produkte unter anderen bei Expeditionen zum Nanga Parbat (1964, 1968, 1970, 1975), zum Rakaposhi (1971), zum Kanchenjunga (1980) und zum Mount Everest (1972, 1978) verwendete.

Mit einer Postkarte bedankte sich im Jahr 1977 Reinhold Messner bei "K. Kurz Hessental". Die Fässer hätten den "wilden Anmarsch" zum Basislager am Dhaulagiri (8167 Meter) gut überstanden.

Sieben Jahre zuvor hatte der erste Bezwinger aller Achttausender seinen Bruder am Nanga Parbat verloren. Auch dort wurden von den Trägern für die Expeditionsausrüstung Fässer aus Hessental verwendet.

Autor Daniel Stihler ist stellvertretender Leiter des Schwäbisch Haller Stadtarchivs. Eine Schautafel über die Aktivitäten der Fassfabrik samt Fotos von Expeditionen wird derzeit im Schaufenster des Stadtarchivs, neben dem Rathaus, gezeigt.

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