Heizung Haller Bürger informieren sich über Fernwärme

Schwäbisch Hall / Sigrid Bauer 12.07.2018
Die Stadt Hall und die Haller Stadtwerke zeigen in der Grundschule Kreuzäcker die Vorteile der Fernwärmeversorgung auf.

Die Versorgung mit Fernwärme gehört zum Klimaschutzkonzept der Stadt Hall. „Wir haben in Hall ein einmaliges, zusammenhängendes Fernwärmenetz vom Solpark im Osten bis in den Gewerbepark West und in die Hagenbachsiedlung“, stellte Heiner Schwarz-Leuser, städtischer Klimaschutzbeauftragter, fest. „Dafür sind wir relativ bekannt und andere Städte informieren sich bei uns“, betonte auch Steffen Hofmann von den Haller Stadtwerken vor nur wenigen Zuhörern aus der Kreuzäckersiedlung.

Weniger Kohlenstoffdioxid

Als Vorteile von Fernwärme nannte Schwarz-Leuser an erster Stelle die  geringe CO2-Abgabe bei der Wärmeproduktion mit Kraft-Wärme-Kopplung in den Blockheizkraftwerken. „Die Energieeffizienz ist hier sehr hoch“, sagte er. Lokal entstehen keine Abgase und Gerüche, da die Wärme zentral erzeugt wird.

Für die großen Anlagen gibt es bessere Abgasfilter als für kleine Anlagen. Außerdem sei die Umstellung auf die neue Technologie relativ einfach. Auch preislich sei die Fernwärme oft günstiger. „In Sulzdorf haben wir, statt drei alte Gasheizungen auszutauschen, ein Nahwärmenetz aufgebaut, das jetzt vier kommunale Gebäude versorgt. Das ist finanziell günstiger und erzeugt weniger CO2“, so der Klimaschutzexperte.

Beim Vergleich der laufenden Kosten von Fernwärme zu herkömmlichen Heizungen dürfe man nicht nur die reinen Brennstoffkosten wie Öl oder Gas rechnen, sondern müsse auch die bei Fernwärme wegfallenden Kosten für Schornsteinfeger und Wartung der Anlage sowie den Platzbedarf für den Brennstoffvorrat einbeziehen. Ein weiterer Vorteil: Mit Fernwärme erfüllt der Hausbesitzer automatisch das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Allerdings bestimmen die Stadtwerke den Verbrauchspreis, ein Anbieterwechsel ist bei Fernwärme nicht möglich.

Alle Neubaugebiete in Hall werden ausschließlich mit Fernwärme versorgt. Geregelt wird das über Satzungen. Diese kann auch über bestehende Wohngebiete gelegt werden, wie jetzt über einen Teil der Kreuzäckersiedlung, an die das neue Wohngebiet Wolfsbühl anschließt.

Die Fernwärmeleitung wird von der Crailsheimer Straße aus durch den Schweickerweg in das Neubaugebiet geführt. Im Satzungsgebiet liegt das dicht bebaute Areal zwischen dem Fritz-Franck-Weg und dem Leonhard-Kern-Weg sowie der Bereich nordöstlich des Leonhard-Kern-Wegs. „Aber sie brauchen keine Angst zu haben. Sie können ihre bisherige Heizung weiterlaufen lassen, bis sie auf einen anderen Energieträger umsteigen wollen oder der Heizkessel ausgetauscht werden müsste. Erst dann kommt der Fernwärmeanschluss“, stellte Hofmann klar. Selbstverständlich können auch Hausbesitzer, die entlang der neuen Fernwärmetrasse, aber nicht im Satzungsgebiet wohnen, sich anschließen lassen.

Die wenigen Zuhörer wollten sich aber erst einmal nur informieren. Ob trotz Fernwärmeanschluss ein Kaminofen möglich sei, wollte ein Mann wissen. Das bejahte Hofmann. „Er darf nur nicht die zentrale Heizungsanlage ersetzen“, schränkte er ein. Ob im Komberger Weg Fernwärme geplant sei, fragte ein Herr, der am Ende des Weges wohnt, wo erst kürzlich die Gasleitungen erneuert wurden. Das verneinte Hofmann.

9000 Euro Kosten

Die Zuhörer hat zudem die Höhe der Kosten für einen neuen Anschluss interessiert. Bei einem Einfamilienhaus liege er von der Grundstücksgrenze bis zur Übergabestation im Haus bei 8000 bis 9000 Euro. Dann komme aber noch die Technik im Haus dazu. Die Preise seien auf der Home­page der Stadtwerke veröffentlicht, so Hofmann. Er verwies außerdem auf die hohe Preisstabilität von Fernwärme gegenüber Erdgas und vor allem Erdöl. „Fernwärme macht die hohen Ausschläge nach oben, aber selbstverständlich auch nach unten nicht mit“, stellte er beim Vergleich  der Kosten seit 2002 fest. „Und dass Sie mit einer Ölheizung unabhängiger sind, ist vielleicht Ihr Gefühl, aber es entspricht nicht der Realität“, so Hofmann mit Blick auf ähnliche Preise verschiedener Ölhändler.

Etwas Erdöl nur an sehr kalten Tagen

Die Haller Stadtwerke erzeugen derzeit Fernwärme zu 50 Prozent aus den regenerativen Energieträgern Biomethan und Biogas und zu 47 Prozent aus Erdgas. Nur an sehr kalten Wintertagen müssen rund drei Prozent Erdöl zugesteuert werden. Bis 2035 wollen sie ganz auf fossile Energieträger bei der Fernwärmeerzeugung verzichten.

70 Prozent der öffentlichen Gebäude in Schwäbisch Hall werden über Fernwärme versorgt. Die größten Abnehmer sind dabei die beiden Schulzentren Ost und West. Ungewöhnlich ist, dass in Hall auch Gewerbegebiete Fernwärme beziehen, etwa im Gewerbepark West die Firmen Recaro, Optima und Klafs. siba

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