Das Urteil des Heilbronner Landgerichts gegen den ehemaligen Haller Bestatter Jochen M. ist ein Jahr nach seiner Verkündung vom Stuttgarter Oberlandesgericht aufgehoben worden. Jochen M. wurde am 25. April 2018 wegen 17-fachen Betrugs von einer Berufungskammer zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Wie sein Verteidiger Björn Bilidt (Radolfzell) unserer Zeitung mitteilte, ist das Verfahren jetzt an eine andere Strafkammer des Heilbronner Landgerichts zurückverwiesen worden.

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Jochen M. (63) war bis 2015 Inhaber der „Christlichen Trauerhilfe Schwäbisch Hall-Hohenlohe“. Als ihm vor dem Schwäbisch Haller Amtsgericht der Prozess wegen vielfachen Betrugs gemacht wurde, gab er das Unternehmen auf. Er soll Angehörige von Verstorbenen betrogen haben, indem er teure Särge vor der Einäscherung heimlich gegen einfache Pressspan-Särge ausgetauscht haben soll. Im Juli 2015 verurteilte ihn das Haller Schöffengericht unter Vorsitz von Dr. Wolfgang Amendt zu mehr als drei Jahren Haft. Der Fall ging in die Berufung.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Erst drei Jahre später wurde das Berufungsverfahren in Heilbronn durchgeführt. Am Ende stand wie in Schwäbisch Hall eine Gefängnisstrafe: Mit zwei Jahren und acht Monaten blieb die Heilbronner Kammer knapp unter dem Spruch des Haller Amtsgerichts. Gegen dieses neue Urteil ging Jochen M., der zu keinem Zeitpunkt ein Geständnis abgelegt hat, mit Hilfe seiner beiden Verteidiger in Revision.

Schwäbisch Hall / Heilbronn

Der befasste Senat des Oberlandesgerichts Stuttgart hat der Revision stattgegeben. Damit muss eine andere Berufungskammer des Heilbronner Landgerichts den Fall noch einmal aufrollen. Die Betrugsserie, die Jochen M.  vorgeworfen wird, liegt inzwischen sieben Jahre zurück. Der ehemalige Bestatter kann auf ein milderes Urteil hoffen. Ein Zeitpunkt für den neuen Prozess steht noch nicht fest.

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Zwei verurteilte Haller Bestatter


Zwei Bestatterfälle beschäftigten die Schwäbisch Haller. Zunächst flog Peter S. auf. Er soll teure Särge für Ein­äscherungen verkauft und die Verstorbenen nach den Trauerfeiern in billige Modelle umgebettet haben. Zudem habe er Kunden mit Vorsorgeverträgen um ihr Erspartes gebracht. Außerdem wird ihm pietätloses Verhalten gegenüber Verstorbenen vorgeworfen.  Im Oktober 2014 wurde S. wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 102 Fällen zu drei Jahren und acht Monaten Haft sowie einem fünfjährigen Berufsverbot verurteilt.

Noch während der Prozess in Heilbronn lief, bereitete sich das Haller Amtsgericht auf den zweiten Bestatter-Fall vor: Mitarbeitern der Haller Friedhofsverwaltung war aufgefallen, dass Jochen M. ebenfalls Särge getauscht hat. Die Polizei ging von 38 Taten aus. thumi