Ausstellung Haller Bernhard Deutsch zeigt im Hällisch-Fränkischen Museum 90 Automaten

Schwäbisch Hall / MONIKA EVERLING 16.07.2013
Selten wird im Museum so viel gelacht wie bei der Eröffnung der Ausstellung "35 Jahre Kunst-Automaten" von Bernhard Deutsch. In allen Winkeln piepst, dudelt und rumpelt es, Wasser spritzt.

Die Zahl imponiert: 101 Exponate zeigt der Haller Bernhard Deutsch im Hällisch-Fränkischen Museum (HFM), und die meisten davon sind funktionierende Kunst-Automaten. Sonst sind noch einige Leuchtobjekte dabei und Requisiten aus früheren Kunst-Automaten-Installationen. Seit 35 Jahren baut Deutsch seine Automaten, und er war in dieser Zeit offensichtlich fleißig.

Museumsleiter Dr. Armin Panter begrüßt zu dieser "etwas anderen Ausstellung", wie er sagt. Er werde zur Zeit öfter gefragt, ob die Automaten denn zur Kunst zählten. "Ja!", antwortet er entschieden. Er erinnert daran, dass es schon seit Jahrhunderten Kunst-Automaten gibt. In der Kunstkammer des Kirchberger Schlosses, einer Kuriositäten-Sammlung, die sich heute in Neuenstein befindet, sei ein silberner Aufzieh-Mönch aus dem 16. Jahrhundert, den ein Goldschmied aus Nürnberg geschaffen hat. Dieser Mönch animierte Menschen, Wein schnell zu trinken - eine Kombination aus Spaß und Gesellschaftskritik, wie sie auch im Werk von Bernhard Deutsch zu finden ist.

Auch der Künstler selbst geht in seiner Einführung weit in die Geschichte zurück: Schon Hero von Alexandria habe eine Maschinerie beschrieben, die 200 vor Christus gegen den Einwurf von fünf Drachmen einen Spritzer Weihwasser abgegeben habe. Und auch heute noch sei mancher Automat sakral, meint Deutsch: Die Geldautomaten stünden in Gebetsnischen. Dort hole man sich die Kraft, die man brauche, um die Konsumtempel zu besuchen.

Der Umgang mit Geld, aber auch mit der Natur sind zentrale Themen für Bernhard Deutsch. Er hasst Geiz, er prangert Kleingeistigkeit und Umweltzerstörung an - aber immer auf originelle, humorvolle Art. Da gibt es auch schwarzen Humor: "Blick in DEINE Zukunft", fordert ein Automat auf. Und wenn man ihn in Betrieb setzt, steht man einem Skelett gegenüber. Ein anderer Automat verspricht "Selbsterkenntnis und Erleuchtung". Dahinter verbirgt sich: ein Spiegel und eine Lampe. Schlichter geht es kaum - und genau das macht die Originalität der Deutsch-Automaten aus.

Deutsch ist auch Puppenspieler, und so wird ein Teil seiner Rede von einer Handpuppe vorgetragen. Deutsch habe seine infantile Phase niemals überwunden, sagt diese. Und das Kindliche, das Staunenkönnen, wird auch im Betrachter angesprochen. Die größte Überraschung bietet bei der Vernissage der "Suleikamat": Ihm entsteigt eine leibhaftige Bauchtänzerin.

Er wolle keines der Exponate mehr mit nach Hause nehmen, sagt Deutsch. Was nicht verkauft wird, werde bei der Finissage zerstört, kündigt er an. Er lehnt sich dabei an Bernhard Luginbühl an, der seine hölzernen Kunstwerke verbrannt hat mit der Begründung: "Man spart den Rücktransport."

Und was hat Deutsch für die Zukunft vor? "Es gibt noch viele Ideen", sagt der 53-Jährige. Auch Automaten könnte er weiterhin bauen - aber nur, wenn er vorher weiß, wo sie für längere Zeit stehen können. Ein langgehegter Wunsch sei, in Hall neben der Stadtbibliothek einen zweistöckigen Automaten installieren zu dürfen, den man oben von der Neuen Straße aus, unten vom Milchmarkt aus bedienen könnte. Die Verhandlungen laufen.

Info Die Ausstellung läuft bis 15. September. Gebote für die Automaten-Versteigerung können im Museum abgegeben werden.

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