Gericht Haller Amtsgericht verurteilt zwei junge Männer wegen versuchten Diebstahls

ELEONORE HEYDEL 15.01.2014
Das Haller Amtsgericht hat zwei junge Männer wegen versuchten Diebstahls verurteilt. Die beiden waren im September dabei ertappt worden, als sie in Hessental hochwertige Autoräder stehlen wollten.

Die beiden 20 und 21 Jahre alten Angeklagten, die im Hohenlohekreis wohnen, legten in der Verhandlung vor dem Haller Jugendschöffengericht ein Geständnis ab. Der Jüngere, der selber einen Audi A4 fährt, will die Idee zum Diebstahl der Autoräder gehabt haben. Der Ältere hatte nämlich Schulden bei ihm. Wäre der Diebstahl gelungen, so wäre man durch den Verkauf der Beute finanziell miteinander ins Reine gekommen.

Zunächst die Vorbereitung: Am 15. September letzten Jahres fahren sie nach Hessental zum Autohaus Schümann und finden einen neuen Audi A4, der an geeigneter Stelle auf dem Gelände abgestellt ist - schließlich muss der Abtransport der Räder schnell gehen. Per Handy fotografieren sie die bereiften Alufelgen und schätzen, im Verkauf 1000 bis 1500 Euro dafür erzielen zu können.

Zehn Tage später setzen sie ihren Plan um. Zu später Stunde starten sie im Audi des jüngeren Angeklagten von Künzelsau aus nach Hessental. Die Rollen sind klar verteilt: Der Audifahrer steht Schmiere, der andere soll die Räder abmontieren.

Der 21-Jährige trägt schwer an der Sporttasche, die mit Werkzeug gefüllt ist: ein Radkreuz, ein Wagenheber, Steine zum "Druntersetzen", eine Taschenlampe und mehr. Die Tasche wiegt mehr als einen Zentner. Die Diebe haben sich mit Funkgeräten ausgerüstet.

Als der Ältere den Wagen aufgebockt, alle Radmuttern gelöst und ein Rad abmontiert hat, hört er die Polizei kommen und flüchtet. Jetzt erst bemerkt der Jüngere, dass sie ertappt sind, und läuft auch weg. Die Polizei umstellt das Maisfeld, in das der erste Täter gerannt ist. Lange bleibt der 21-Jährige im Mais verborgen, aber als ein Polizeihubschrauber mit Wärmebild-Kamera über dem Feld kreist, ergibt er sich.

Der Jüngere steckt währenddessen in einem Gebüsch beim Kreisverkehr Eugen-Bolz-Straße. Aber auch er gibt schließlich auf. Fast zwei Stunden soll er ausgeharrt haben. In dieser Zeit hat die Polizei den Audi A4, mit dem beide gekommen sind, sichergestellt.

Weil die beiden Angeklagten das Geschehen in dieser Weise lückenlos schildern, vernimmt das Gericht die beteiligten Polizeibeamten nicht mehr. Das Urteil fällt für die beiden jungen Männer unterschiedlich aus: Der Ältere bekommt eine Haftstrafe von zwei Monaten, die gegen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt wird. Er ist nämlich vorbestraft und steht jetzt unter verschärfter Beobachtung.

Der Jüngere, der erfolgreich eine berufliche Ausbildung absolviert, soll eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu 10 Euro, also 350 Euro, bezahlen. Stärker als das Geld schmerzt ihn, dass gegen ihn ein einmonatiges Fahrverbot ausgesprochen wird. Außerdem bekommen beide nichts von ihrem Werkzeug zurück - weder Radkreuz und Wagenheber noch die Taschenlampe, ihre Funkgeräte oder Handys. Weil all dies zur Tatbegehung benutzt wurde, fällt es an den Staat.

Der zur Anfahrt benutzte Audi A4 wird dem 20-jährigen Angeklagten aber nicht weggenommen. Er hat Glück, denn das Auto gehört nach Aktenlage seinem Vater.