Schwäbisch Hall Halle in Rage, Haller im Glück

Längst bekannt, nun erneut von einem Forscher bestätigt: Der Name der Stadt Hall kommt vom Salz. Archivfoto: mw
Längst bekannt, nun erneut von einem Forscher bestätigt: Der Name der Stadt Hall kommt vom Salz. Archivfoto: mw
Schwäbisch Hall / TOB 05.11.2014
Wir werden innerhalb der nächsten Tage die alte Version, wonach Halle auf das germanische Wort für Salz zurückgeht, ersetzen", sagt Stadtmarketingchef Stefan Voß aus Halle an der Saale der Nachrichtenagentur dpa.

Jahrzehntelang war man sich sicher, dass der Name vom Salz stammt. Die Brüderschaft der Salzwirker - das Pendant zu den Schwäbisch Haller Siedern - will daran nicht rütteln.

Warum der Aufruhr? Professor Dr. Jürgen Udolph vom Zentrum für Namenforschung in Leipzig belehrt die Hallenser: Ihr Name sei auf "Abhang/Böschung" zurückzuführen. Kommt Schwäbisch Hall auch ins Rutschen? Das neue Werk des Professors heißt: "Die Ortsnamen Hall, Halle, Hallein, Hallstatt und das Salz". Glück gehabt, der Professor nimmt den Hallern nicht das Salz aus der Suppe. Alle Einwohner können sich entspannen und ein Solebonbon schlotzen. Das Hall in Hall stammt nicht von einer schnöden Böschung, sondern verweist aufs weiße Gold. "Die Fachwelt ist sich im Wesentlichen einig, dass hal, hall (a) zunächst als Fachausdruck für ,Salzbergwerk, Saline verstanden wurde", schreibt der Professor auf Seite 105. "Hall" habe zwar nicht direkt "Salz" bedeutet. "Hál" stehe vielmehr für Saline.

Soweit so gut. Jürgen Udolph fügt diesen bisherigen Erkenntnissen eine weitere These hinzu. Er geht davon aus, dass sich das Wort "Hal" vor allem auf den Schöpfgalgen beziehen soll, mit dem auch in Schwäbisch Hall Salzwasser aus dem Brunnen geholt wurde. "Der von mir hier skizzierte Weg einer Erklärung von Hal = ,Schöpfbrunnen, Ziehbrunnen ist bisher noch nicht gegangen worden", schreibt er. Der Forscher nennt dafür Indizien. So sei im Schweizerdeutsch noch heute die Rede von einem "Häl" oder "Häle", wenn eine Hängevorrichtung über einem Feuer gemeint sei. Auch im Grimmschen Wörterbuch stehe "Hahl" für "Haken, um den Kessel übers Feuer zu hängen".

Anhand des Beispiels von Schwäbisch Hall leitet der Sprachforscher eine weitere Erkenntnis ab. Denn seltsam auch, dass der Ort Hall heißt, es aber eine Haalstraße und Weiteres mit langgezogenem Doppel-A gibt. Die Erklärung liege auf der Hand. "Hal" stehe für "Saline/Salzbergwerk" und "Hall" für "den Ort, an dem die Saline steht." Klingt logisch.

Robert Spoden von der Touristik und Marketing Hall atmet auf: "Ich habe das geprüft, wir müssen keine Prospekte umschreiben."